Die Menschen legen in der Corona-Pandemie Geld auf die hohe Kante. Die Beliebtheit von Girokonto und Sparbuch sind dabei deutlich gestiegen. Angesichts von Zinsflaute und gestiegener Inflation ist das jedoch kein gutes Geschäft.
Das Sparbuch ist in der Corona-Pandemie wieder mehr nachgefragt. Foto: picture alliance / Daniel Karmann/dpa
Das Sparbuch ist in der Corona-Pandemie wieder mehr nachgefragt. Foto: picture alliance / Daniel Karmann/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Sparen ist angesagt in der Corona-Pandemie.

Obwohl die Zinsflaute bei gestiegener Inflation am Ersparten nagt, bunkern Menschen Geld auf dem Girokonto, mickerig verzinsten Sparbüchern oder zu Hause.

Nach Berechnungen der DZ Bank dürfte das Geldvermögen der privaten Haushalte aus Bankeinlagen, Rentenpapieren wie Anleihen, Rentenpapieren in Fonds sowie Versicherungen in Höhe von rund 5,1 Billionen Euro in diesem Jahr mehr als 116 Milliarden Euro an Wert verlieren. Das seien durchschnittlich rund 1400 Euro pro Kopf.

Konsumstopp und Wertverlust

Wegen der Einschränkungen in der Pandemie konnten viele Menschen ihr Geld nicht in gewohntem Masse ausgeben. Reisen wurden storniert, die zeitweilige Schliessung von Gaststätten und Läden bremste den Konsum. Laut einer Umfrage der Postbank sparen aktuell 79,8 Prozent der Menschen in Deutschland. Mehr waren es zuletzt 2016 mit 80,4 Prozent.

«Durch die Inflation verliert Geld nach und nach an Wert und besonders, wenn es auf unverzinsten Konten liegt oder gar zu Hause aufbewahrt wird», erklärte Karsten Rusch, Experte für Wertpapiere bei der Postbank. Jeder dritte Sparer kenne diesen Zusammenhang jedoch nicht. «Im Niedrigzinsumfeld kommt man an einer Anlage in Aktien und Fonds nicht vorbei, wenn man einen Inflationsausgleich erzielen will», sagte Rusch.

Dennoch sind Girokonten und das klassische Sparbuch so beliebt wie nie seit der ersten Postank-Umfrage im Jahr 2011. Aktuell parken 62,5 Prozent der Sparer Geld auf dem unverzinsten Girokonto. Vor zehn Jahren waren es nur 38,2 Prozent. Fast jeder zweite Sparer nutzt ein klassisches Sparbuch, ebenfalls ein Höchststand.

Zögerliche Investitionen in Fonds und Aktien

Auch die Beliebtheit von Tagesgeldkonten ist der Umfrage zufolge gestiegen, obwohl immer mehr Kreditinstitute die Negativzinsen, die sie fürs Geldparken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zahlen müssen, hier ganz oder teilweise weitergeben. Demnach legen 37 Prozent der Sparer Geld auf dem Tagesgeldkonto an (2011: 25,7 Prozent/2020: 20,1 Prozent). Mehr als 30 Prozent bunkern Geld Zuhause (2011: 20,7 Prozent/2020: 20,6 Prozent). Mehrfachnennungen waren möglich.

Auch eine Yougov-Umfrage im Auftrag des Vergleichsportals Check24 kommt zu dem Ergebnis, dass im Zuge der Pandemie vor allem die Geldanlage auf dem Girokonto und in Form von Bargeld gestiegen ist - auch für grössere Summen. Demnach gaben 34 Prozent der befragten Verbraucherinnen und Verbraucher an, mehr als 5000 Euro auf dem Girokonto oder in Form von Bargeld zu bunkern. Bei vier Prozent waren es sogar mehr als 50.000 Euro.

Zwar investieren die als eher börsenscheu geltenden Sparer in Deutschland zunehmend in Aktien und Fonds. Gut 31 Prozent gaben bei der Postbank-Umfrage an, auch auf Wertpapiere zu setzen (2011: 17,3 Prozent/2020: 29,9 Prozent). Nach Berechnungen der DZ Bank machten Aktien trotz kräftiger Kursgewinne im ersten Halbjahr und Zukäufen allerdings gerade einmal 8,7 Prozent des privaten Geldvermögens aus.

Zwar dürfte die Inflation nach Einschätzung von Ökonomen in der ersten Jahreshälfte 2022 wieder sinken. Zuletzt war sie erstmals seit knapp 28 Jahren in Deutschland wieder über die Marke von 4 Prozent gestiegen, auch wegen Sonderfaktoren wie der Einführung der CO2-Abgabe zu Jahresbeginn. Mit tendenziell leicht steigenden Zinsen kann nach Einschätzung von DZ Bank-Experte Michael Stappel allerdings erst langfristig gerechnet werden.

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