Gegner blockieren umstrittene Oranier-Parade in Nordirland

    Nach stundenlanger Blockade in Portadown lösen sich die Proteste auf: Die Oranier-Parade soll vorerst nicht durch die Garvaghy Road ziehen.

    Polizei Nordirland
    Polizei in Nordirland. (Symbolbild) - keystone

    Es hätte die erste Parade seit fast 30 Jahren werden sollen. Mitglieder des protestantischen Oranier-Ordens wollten am Sonntag durch die Garvaghy Road in der nordirischen Stadt Portadown marschieren. Der überwiegend katholische Strassenzug blieb aber den ganzen Tag blockiert, die Parade konnte nicht starten.

    Seit 1998 hatten die Behörden den Marsch über die Strasse untersagt. Nun war er erstmals wieder erlaubt worden, mit 35 Teilnehmern, aber ohne Bands und Unterstützer. Ein Gericht in Belfast bestätigte die Erlaubnis in einer ausserordentlichen Nachtsitzung. Die Anwohner hatten zuvor bis zuletzt versucht, den Marsch zu verhindern.

    Schon in den frühen Morgenstunden versperrten Hunderte Gegendemonstranten die Route, nach anderen Berichten waren es sogar Tausende. Auch heftiger Regen hielt sie nicht ab. Am späten Abend war laut der Nachrichtenagentur PA noch eine grössere Menschenmenge vor Ort. Die nordirische Polizei forderte dazu auf, das Gesetz zu befolgen. Zu Gewalt kam es laut Berichten nicht.

    Auch nordirische Regierungschefin protestierte

    Unter den Protestierenden befanden sich hochrangige Vertreter der Partei Sinn Féin, darunter die nordirische Regierungschefin Michelle O'Neill. Sie rief die Menge laut PA auf, mindestens bis Mitternacht zu bleiben.

    Auf X mahnte sie zu «Ruhe auf allen Seiten». Gleichzeitig unterstütze sie das Recht der Anwohner, «gegen diesen unerwünschten konfessionell geprägten Marsch» zu protestieren. «Dieser Marsch sollte nicht die Garvaghy Road hinuntergehen», schrieb sie.

    Scharfe Kritik kam von Gavin Robinson, dem Chef der pro-britischen Partei DUP. Er warf Sinn Féin vor, sich an einer unrechtmässigen Protestaktion zu beteiligen. Beide Parteien sind an der nordirischen Einheitsregierung beteiligt. Nordirlandminister Chris Bryant kehrte früher als geplant nach Belfast zurück und sprach am Sonntagabend mit den Parteien.

    Protest zeigt Wirkung

    Um Mitternacht kam die Wende. Breandán Mac Cionnaith von der Garvaghy Road Residents' Coalition sprach laut PA vor den Protestierenden von einem «Sieg». Man habe Zusicherungen erhalten, dass die Parade in der Nacht nicht durch die Strasse ziehen werde.

    Am Montagmorgen will er sich mit Bryant und Polizeichef Jon Boutcher treffen. Einige Freiwillige blieben auf der Strasse. O'Neill sprach ebenfalls von einem «Sieg» für die Anwohner und verliess den Ort kurz nach Mitternacht.

    Der Streit hat eine lange Vorgeschichte. Der Oranier-Orden wurde 1795 in Portadown als Bund zur Erhaltung von Monarchie und Protestantismus gegründet.

    Seine Mitglieder suchten damals Schutz vor Angriffen irischer Katholiken. In den 1990er-Jahren kam es im Zuge des sogenannten Drumcree-Konflikts zu teils schweren gewaltsamen Auseinandersetzungen.

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