Frankreich: Plünderungen und Festnahmen auch am Sonntag
Auch am Sonntagabend kommt es in Paris erneut zu Plünderungen und Festnahmen. Die ganz grossen Krawalle bleiben aber anders als am Samstag aus.

Auch nach Mitternacht blieb die Lage in Paris zunächst unruhig. Laut «Le Monde» wurden gegen 0.17 Uhr in der Rue Saint-Martin mehrere Geschäfte und ein kleiner Supermarkt unter Tränengaseinsatz verwüstet. An der Ecke Boulevard de Sébastopol und Rue Berger rückte die Feuerwehr zu einem Brand vor einem KFC-Restaurant aus. In der französischen Hauptstadt sei es ausserdem erneut zu Angriffen auf Polizeiautos gekommen.
Die Polizeipräfektur zählt für Sonntag 108 Festnahmen in Paris, 66 davon am Abend. Am Samstag waren es fast 2400 Festnahmen gewesen. Auf X schreibt die Polizei am Sonntagabend von «zerstreuten Gruppen junger Gelegenheitskrimineller», die versuchten, Geschäfte zu plündern. Es wurden demnach mindestens fünf geplünderte Geschäfte gezählt. Die ganz grossen Krawalle bleiben aber anders als am Samstag aus.

Auch ausserhalb der Hauptstadt kam es am Sonntag zu Zwischenfällen. In Lyon versuchten laut Europe 1 gegen 18 Uhr rund 50 meist vermummte Jugendliche, das Schaufenster eines Lacoste-Geschäfts einzuschlagen, die Polizei setzte Tränengas ein. Wie «Seneweb» berichtet, versuchten Unbekannte weiter in Saint-Herblain bei Nantes, in ein Geschäft einzudringen.
In Nizza kam es zu Verfolgungsjagden auf der Avenue Jean-Médecin. Laut Staatsanwaltschaft nahm die Polizei rund 15 Personen in Gewahrsam. In Marseille zogen mehrere Gruppen zwischen den Einkaufszentren umher. In Guadeloupe galt in Pointe-à-Pitre und Les Abymes ab 20 Uhr ein Ausgangsverbot für Minderjährige, wie «Karibinfo» berichtet.
In Paris kam es am Sonntagabend erneut zu Plünderungen. Wie «Le Monde» berichtet, wurde am Abend etwa ein Franprix-Supermarkt an der Rue du Faubourg du Temple geplündert. «Europe 1» meldet am späteren Abend weitere Plünderungen bei Châtelet und bei einem Juwelier am Boulevard de Ménilmontant.

Nach 22 Uhr brachen laut «Le Monde» rund zehn Personen in einen Darty am Boulevard de Belleville ein. Sie flüchteten, als ein Polizeiwagen eintraf. Wie «Seneweb» schreibt, wurde zudem eine Tür des Warenhauses BHV Marais aufgebrochen, Plünderer drangen ein. Bei Châtelet und Les Halles setzte die Polizei Tränengas ein.
Die Rede von Macron stösst bei den Organisatoren der Proteste auf Kritik. Wie «Le Monde» berichtet, nannten die Gelbwesten sie inhaltsleer, forderten ein Treffen im Élysée-Palast und riefen zu weiteren Blockaden auf. Den Streiktag vom 5. November wollen sie zum Auftakt einer verlängerbaren Generalblockade machen.
CGT-Chefin Sophie Binet sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, Macron habe keine konkreten Antworten auf die Forderungen der Jungen und auf die hohen Lebenshaltungskosten gegeben. Die CGT (Confédération générale du travail) ist einer der grössten und ältesten Gewerkschaftsverbände Frankreichs.
Präsident Emmanuel Macron hat sich nach den Krawallen vom Samstag an die Franzosen gewandt. Wie verschiedene französische Medien berichten, sprach er von «Wut und Scham» und warf den Randalierern vor, die Republik zu Fall bringen zu wollen. Laut «Europe 1» sagte er, wer zerstört habe, müsse zahlen, wer geplündert habe, müsse zurückzahlen. Die Präfekten sollen bei Bedarf Versammlungen verbieten können.

Zudem kündigte er eine Krisenzelle für Betroffene an und konkrete Vorschläge für die Jungen noch diese Woche. Ausnahmezustand oder Ausgangssperre wurden laut «Al Jazeera» nicht verordnet.
Die Reaktionen fielen kritisch aus: Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon warf der Regierung vor, die öffentliche Ordnung nicht gewährleistet zu haben. Jordan Bardella vom rechtsextremen Rassemblement National bezeichnete die Rede als erbärmlich und feige.
Wie «Le Monde» schreibt, bedauerte auch Ex-Premier Edouard Philippe das Fehlen konkreter Massnahmen gegen die Gewalt.












