Europa will mehr Steuertransparenz bei multinationalen Unternehmen

    Keystone-SDA
    Keystone-SDA

    Belgien,

    Die EU verlieren jährlich schätzungsweise über 50 Milliarden Euro wegen Steuervermeidung von Unternehmen. Dem will die EU mit neuen Regeln entgegenwirken.

    sven giegold
    Der deutsche Grünen-Finanzexperte Sven Giegold ist überzeugt, dass die neuen Steuerregeln in der EU ein scharfes Schwert gegen die Steuervermeidung sein werden. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Nach fünf Jahren Streit einigten sich die EU-Mitglieder im Thema Steuertransparenz.
    • Multinationale Konzerne müssen offenlegen, in welchem Land sie wie viele Steuern zahlen.

    Multinationale Konzerne müssen in der Europäischen Union (EU) künftig offenlegen, in welchem Land sie wie viel Steuern zahlen. Nach fünf Jahren Streit einigten sich Vertreter der 27 EU-Staaten und des Europaparlaments am Dienstagabend auf die Regeln des Country-by-Country-Reporting. Die Beteiligten sprachen von einem Meilenstein für mehr Steuergerechtigkeit.

    Nach dem «Country-by-Country-Reporting» müssen multinationale Konzerne mit einem Umsatz von mehr als 750 Millionen Euro unter anderem jährlich Gewinne und Steuern in EU-Ländern und in Ländern, die von der EU als Steuerparadiese angesehen werden, aufschlüsseln.

    EU verlieren wegen Steuervermeidung über 50 Milliarden Euro

    Die strengeren Regeln für Firmen, die in mehreren Ländern innerhalb und ausserhalb der EU Steuern zahlen, sollen Steuersparmodellen entgegenwirken. Laut Schätzungen verlieren die EU-Staaten durch Steuervermeidung grosser Firmen jährlich mehr als 50 Milliarden Euro, sagte der portugiesische Wirtschaftsminister Pedro Siza Vieira.

    Spenden Steuern sparen
    Ein Mann füllt seine Steuererklärung aus. (Symbolbild) - keystone

    Sein Land hat derzeit den Vorsitz der EU-Staaten inne. Es vermittelte den Kompromiss. In der schweren Zeit nach der Pandemie sei Transparenz wichtiger denn je. «Es ist unsere Pflicht sicherzustellen, dass alle wirtschaftlichen Akteure ihren fairen Anteil zur wirtschaftlichen Erholung beitragen», betonte Vieira.

    Die Organisationen Oxfam und Transparency International zeigten sich in einer ersten Stellungnahme enttäuscht. Sie halten den Kompromiss für zahnlos. Oxfam kritisierte, dass viele Steueroasen nicht auf der EU-Liste stünden und daher einer Überprüfung entgehen würden.

    Unternehmen können noch immer Steuern hinterziehen

    «Die EU-Gesetzgeber haben multinationalen Konzernen viele Möglichkeiten eingeräumt, weiter im Verborgenen Steuern zu hinterziehen, indem sie ihre Gewinne in Steueroasen ausserhalb der EU verlagern, wie die Bermudas, die Cayman-Inseln und die Schweiz», sagte Oxfams Steuerexpertin Chiara Putaturo.

    Steuerrechnung
    Eine Steuerrechnung liegt auf einem Tisch. - Pixabay

    Nach Angaben der Denkfabrik Tax Justice Network sind die EU-Länder für 36 Prozent der weltweit durch Steuermissbrauch von Unternehmen entgangenen Steuern verantwortlich. Dies koste die Staaten weltweit jedes Jahr über 126 Milliarden Euro, da die Gewinne in Niedrigsteuerländer wie Irland, Luxemburg und die Niederlande verschoben würden.

    Die EU-Kommission hatte schon 2016 den Vorschlag zur Änderung der Rechnungslegung gemacht. Das Europaparlament legte seine Verhandlungsposition 2017 fest. Die EU-Staaten akzeptierten das Country-by-Country-Reporting aber erst in diesem Frühjahr mit der nötigen Mehrheit.

    Kommentare

    Weiterlesen

    dsf
    304 Interaktionen
    Briten wittern Knast
    trockenheit
    «Wächst kaum»

    MEHR IN NEWS

    Spangdahlem
    Emmanuel Macron
    1 Interaktionen
    Brüssel/Paris

    MEHR AUS BELGIEN

    russland ukraine
    8 Interaktionen
    Wegen Oligarchen
    Ursula von der Leyen
    8 Interaktionen
    Deal
    Wladimir Putin
    15 Interaktionen
    Oligarchen
    17 Interaktionen
    Brüssel