Der Winter wird teuer – Brüssel ruft zum Sparen auf

    Esada Kunic
    Esada Kunic

    Belgien,

    EU-Energiekommissar Jørgensen schlägt Alarm: Vor dem Winter sind Europas Gasspeicher auf einem historischen Tief – die Preise steigen stark.

    winter
    EU-Energiekommissar Jørgensen schreibt an Europas Hauptstädte: Vor dem Winter sollen alle Staaten Gas und Strom sparen – die Lage ist angespannt. - keystone

    EU-Energiekommissar Dan Jørgensen hat die Regierungen aller Mitgliedstaaten in einem Schreiben aufgefordert, ihren Gas- und Stromverbrauch zu senken. Anlass ist der vor dem Winter ungewöhnlich niedrige Füllstand der europäischen Gasspeicher, wie «Euronews» berichtet.

    Die Speicher seien aktuell zu rund 70 Prozent gefüllt. Das sind laut «Euronews» etwa zwölf Prozentpunkte weniger als zum selben Zeitpunkt im Vorjahr.

    Glaubst du, dass freiwillige Sparmassnahmen ausreichen, um Europa durch den Winter zu bringen?

    Jørgensen betonte in seinem Brief, die Lage habe sich seit seiner ersten Warnung im März nicht verbessert. Er forderte die Minister auf, sowohl einspeisungsstützende als auch nachfragesenkende Massnahmen zu prüfen oder fortzuführen – so lange wie nötig.

    Gaspreise auf dem höchsten Stand seit Jahren

    Der europäische Gasreferenzpreis TTF notiert laut «Euronews» bei rund 72 Euro (etwa 68 Franken) pro Megawattstunde. Das sind 40 Euro (etwa 37,8 Franken) mehr als vor den Bombardierungen Irans durch die USA und Israel Ende Februar. Analysten warnen vor möglichen Preisen von über 100 Euro (etwa 94,56 Franken) je Megawattstunde im Winter, falls LNG-Lieferungen ausbleiben.

    Hintergrund sind anhaltende Unruhen im Nahen Osten und starke Konkurrenz aus Asien um knappe Flüssigerdgas-Ladungen. Beides treibt die Preise in die Höhe und gefährdet die Versorgung vor dem Winter.

    In Deutschland ist die Lage besonders angespannt. Die Bundesnetzagentur sieht die Gasversorgung dennoch als gesichert an, berichtet «ZDFheute». Behördenchef Klaus Müller hält staatliche Eingriffe derzeit für nicht zielführend: Es sei eine Aufgabe der Händler, die Speicher zu füllen.

    Österreich bereitet sich auf den Winter vor

    Der österreichische Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) stuft die Lage als kontrollierbar ein. Die Öl- und Gasspeicher des Landes seien «im internationalen Vergleich gut gefüllt», erklärte er laut «news.at».

    Allerdings hat sich die Situation auch in Österreich verschärft: Die Gasspeicher sind aktuell erst zu 67 Prozent befüllt, wie «news.at» berichtet. Anfang September 2025 lag der Füllstand noch bei über 80 Prozent.

    Jørgensen empfiehlt den Hauptstädten zudem, statt eines Füllziels von 90 Prozent vorerst 80 Prozent anzupeilen. So sollen Panikankäufe auf dem ohnehin angespannten Markt vermieden und ein weiterer Preisanstieg vor dem Winter gebremst werden.

    Freiwillige Massnahmen statt Verbote

    Verbindliche Einsparvorgaben plant die Kommission vorerst nicht. Jørgensen verweist auf Erfahrungen aus der Energiekrise 2022, wie «Euronews» berichtet.

    Heizung winter
    Historisch niedrige Gasspeicher, steigende Preise: Vor dem Winter schlägt die EU-Kommission Alarm und fordert zum Energiesparen auf. (Symbolbild) - keystone

    Freiwillige Massnahmen hätten sich damals bewährt. Darunter Temperaturbegrenzungen in öffentlichen Gebäuden und das Abschalten nicht notwendiger Beleuchtung bei Nacht.

    Gleichzeitig verweist Brüssel die Regierungen auf ihre nationalen Notfallpläne, die schärfere Instrumente vorsehen – falls sich die Lage weiter verschlechtert. Der Kommissar unterscheidet dabei klar zwischen einer Preiskrise und einem physischen Versorgungsmangel: Letzterer drohe aktuell nicht.

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    User #3713 (nicht angemeldet)

    Die Verbote kommen noch!

    User #6408 (nicht angemeldet)

    Haben wir alles nur diesen Kriegstreiber zu verdanken, aber auch hier, ein grosser Teil der Bürger unterstützt die ja auch noch!

    Weiterlesen

    Gasversorgung
    29 Interaktionen
    Kritisch
    6 Interaktionen
    Teheran
    10 Interaktionen
    Bern

    MEHR IN NEWS

    Bischofalp
    13 Interaktionen
    «Schock» für Familie
    Muri bei Bern BE
    Muri bei Bern BE

    MEHR AUS BELGIEN

    Friedrich Merz
    2 Interaktionen
    Brüssel
    Friedrich Merz
    8 Interaktionen
    Brüssel
    EU
    6 Interaktionen
    EU-Haushaltszoff
    Brüssel
    3 Interaktionen
    Brüssel