Bulgarien hat die Ausweisung von 70 russischen Diplomaten bis Ende dieser Woche angekündigt. Ein Grossteil der Diplomaten habe «direkt für fremde Dienste» gearbeitet, erläuterte der kommissarische bulgarische Regierungschef Kiril Petkow am Dienstag in Sofia. «Am Sonntag wird es ein Flugzeug mit 70 Plätzen geben, das nach Russland fliegen wird», sagte er. «Wenn ausländische Regierungen versuchen, sich in die inneren Angelegenheiten Bulgariens einzumischen, haben wir Institutionen, die sich widersetzen werden.»
Kiril Petkow, Ko-Vorsitzender der bulgarischen Anti-Korruptions-Partei «Wir führen den Wandel fort».
Kiril Petkow, Ko-Vorsitzender der bulgarischen Anti-Korruptions-Partei «Wir führen den Wandel fort». - Valentina Petrova/AP/dpa
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Das Wichtigste in Kürze

  • Petkows prowestliche Koalitionsregierung war nach nur einem halben Jahr im Amt am vergangenen Mittwoch durch ein Misstrauensvotum im Parlament gestürzt worden.

Petkow führt nun die Regierungsgeschäfte kommissarisch weiter. Er machte unter anderem Russlands Botschafterin in Sofia, Eleonora Mitrofanowa, für seinen Sturz verantwortlich. Mitrofanowa wurden unterdessen im bulgarischen Aussenministerium die Namen von 70 Mitarbeitern von Russlands Vertretungen in Bulgarien übergeben, die Bulgarien verlassen müssen.

Die angekündigte Ausweisung russischer Diplomaten ist die grösste Aktion Bulgariens gegen Mitarbeiter des diplomatischen Dienstes von Russland. Der einstige Ostblockstaat hat immer wieder russische Diplomaten wegen Spionagevorwürfen des Landes verwiesen. Seit 2019 wurden soweit 21 russische Diplomaten wegen Spionagetätigkeit in Bulgarien zu unerwünschten Personen erklärt.

Das EU- und Nato-Land Bulgarien verurteilt den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Zudem hat sich Sofia geweigert, für russisches Gas in Rubel zu bezahlen. Deswegen stellte der russische Energiekonzern die Gaslieferungen nach Bulgarien ein.

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