Boris Palmer sorgt mit «Judenstern»-Äusserung für Aufregung

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    Boris Palmer geht kaum einer verbalen Auseinandersetzung aus dem Weg. In einem Disput um seine Verwendung des «N-Wortes» sorgt der Tübinger Oberbürgermeister vor einer Uni für laute Diskussionen.

    Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Archivbild).
    Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Archivbild). - Marijan Murat/dpa

    Das Wichtigste in Kürze

    • Eine verbale Auseinandersetzung von Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer mit einer Gruppe vor einer Migrationskonferenz in Frankfurt am Main sorgt für Aufsehen.

    Palmer hatte am Freitag vor einem Gebäude der Goethe-Universität zu Art und Weise seiner Verwendung des «N-Wortes» Stellung bezogen. Er wurde daraufhin mit «Nazis raus»-Rufen konfrontiert.

    Daraufhin sagte Palmer zu der Menge: «Das ist nichts anderes als der Judenstern. Und zwar, weil ich ein Wort benutzt habe, an dem Ihr alles andere festmacht. Wenn man ein falsches Wort sagt, ist man für Euch ein Nazi. Denkt mal drüber nach.» Mehrere Medien berichteten über den Vorfall.

    Palmer bestätigte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, dass die Äusserungen so gefallen sind. «Ich habe die Methode der Protestierer, mir den Stempel als Nazi und Rassist aufzudrücken, niederzuschreien und auszugrenzen, als Vergleich herangezogen», erklärte Palmer den Kontext aus seiner Sicht. Er habe den Protestierern erklärt, dass Nazis die Gräber seiner Vorfahren mit Hakenkreuzen beschmiert hätten und ihnen entgegnet, dass «ihre Methode der Ächtungen und Ausgrenzung sich nicht vom Judenstern unterscheidet». Mehr wollte der 50-Jährige dazu am Samstag nicht sagen.

    Palmer verteidigt seinen Umgang mit dem N-Wort

    In einem Facebook-Post erläuterte Palmer, er sage das N-Wort, weil er Sprachvorschriften nicht akzeptiere. «Das hoch umstrittene Wort» gehöre jedoch nicht zu seinem aktiven Wortschatz. «Ich benutze es nur, wenn darüber diskutiert wird, ob man schon ein Rassist ist, wenn man es verwendet. Darüber entscheidet für mich der Kontext.»

    Palmer hatte im Mai 2021 in einem Facebook-Beitrag über den früheren Fussball-Nationalspieler Dennis Aogo, der einen nigerianischen Vater hat, das sogenannte N-Wort benutzt. Mit diesem Begriff wird heute eine früher in Deutschland gebräuchliche rassistische Bezeichnung für Schwarze umschrieben. Palmers Äusserung hatte massive Kritik auch bei seinen damaligen grünen Parteikollegen ausgelöst.

    Ein Parteiausschlussverfahren endete vor einem Jahr mit dem Kompromiss, dass Palmer seine Mitgliedschaft bei den Grünen bis Ende dieses Jahres ruhen lässt. Im Oktober 2022 war er in Tübingen dann als unabhängiger Kandidat angetreten und war im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit – unter anderem gegen die Kandidatin der Grünen – für eine dritte Amtszeit wiedergewählt worden.

    Palmer ist seit 2007 Oberbürgermeister in der schwäbischen Universitätsstadt. Mit pointierten Äusserungen etwa zur Flüchtlingspolitik sorgte er immer wieder für Kontroversen und sah sich Rassismusvorwürfen ausgesetzt. Bundesweites Aufsehen und Anerkennung brachte aber auch sein Management während der Corona-Pandemie. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte kurz nach der Wiederwahl Palmers auf eine schnellere Wiederaufnahme Palmers bei den Grünen gedrungen.

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