WFP-Vizechef: Sudan muss wieder oben auf der Tagesordnung stehen
Der Vizechef des Welternährungsprogramms (WFP), Carl Skau, hofft, dass die Berliner Sudan-Konferenz an diesem Mittwoch das krisengeschüttelte Land wieder «ganz oben auf die Tagesordnung» setzt. Geberländer müssten nicht nur Zusagen machen, sondern diese auch umsetzen, sagte Skau der Deutschen Presse-Agentur in einem Telefongespräch aus der sudanesischen Region Darfur. «Wir brauchen grössere Hilfsmengen, nachhaltigere Lieferungen und mehr Kapazitäten vor Ort.»

Man habe die Erfahrung bei der Organisation der Hilfen. «Aber es gibt zwei Dinge, die wir brauchen: Erstens sicheren Zugang für alle Konfliktparteien, um Hilfe in einem viel grösseren Umfang und ohne Einmischung zu ermöglichen und zu erleichtern. Zweitens finanzielle Mittel», betonte Skau, der unter anderem Flüchtlinge in der Stadt Tawila in Nord-Darfur besucht hatte. Dorthin waren zahlreiche Einwohner aus Al-Fschir, der im vergangenen Oktober von der Miliz RSF eroberten Hauptstadt von Nord-Darfur, geflüchtet. In der Stadt herrschte nach monatelanger Belagerung eine Hungersnot.
Die Mangelernährung habe sich auch im Tawila gezeigt, so Skau. Zwar gebe es Hilfe, doch die Lieferungen an Spezialnahrung für schwer unterernährte Kinder reichten nicht aus. «Eine Lieferung reicht für zehn Tage, dann dauert es fast zwei Monate bis zur nächsten. So kann natürlich keine wirksame Ernährungstherapie stattfinden.»
Als er über den Grenzübergang Adré im Tschad nach Tawila gereist sei, «fuhren 50 WFP-Lastwagen mit uns über die Grenze», sagte Skau. «Nur braucht ein Lastwagen mehr als drei Tage, um von Adré nach Tawila durch das sehr komplizierte Strassennetz zu gelangen. Und mit Beginn der Regenzeit wird das nicht mehr möglich sein.» Die Regenzeit beginnt im Sudan im Mai. Es müsse auch mehr Lieferungen aus dem von der sudanesischen Regierung kontrollierten Gebiet im Norden und Osten geben, forderte Skau. Denn Genehmigungen für Transporte in das von der RSF beherrschte Gebiet des Sudan sind schwer zu bekommen. In dem seit drei Jahren dauernden Konflikt bekriegen sich die Regierungsarmee und die RSF.
Besonders kritisch sei die Lage in Kordofan, wo es seit Monaten zu heftigen Kämpfen kommt und die RSF mehrere Städte belagert. «Es gibt Gebiete, die wir nicht erreichen. Und ehrlich gesagt kennen wir das Ausmass des Bedarfs in manchen dieser Gebiete gar nicht. Was wir dort dringend brauchen, ist ein Ende der Kämpfe, denn die Frontlinien verschieben sich ständig.» Er hoffe daher, dass die Berliner Konferenz auch zu einer Art Waffenstillstand führen könne, sagte Skau. «Letztendlich brauchen wir hier eine politische Lösung, einen Friedensprozess, und die Waffen müssen zum Schweigen gebracht werden.»










