Welthungerhilfe: Iran-Krieg verschlechtert Versorgungslage im Sudan
Infolge des Iran-Krieges hat sich die Versorgungslage der Menschen im Bürgerkriegsland Sudan weiter verschlechtert. Darauf wies der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Matthias Mogge, vor der internationalen Sudan-Konferenz am Mittwoch in Berlin hin.

Lieferketten seien unterbrochen, die Transportkosten gestiegen. «Unsere Teams im Sudan berichten von massiven Preissprüngen: Treibstoff ist lokal um bis zu 80 Prozent teurer geworden, Grundnahrungsmittel wie Weizen um rund 70 Prozent», sagte Mogge. «Für viele Familien sind selbst einfachste Grundnahrungsmittel unbezahlbar geworden.» Gleichzeitig seien auch die Kosten für Hilfslieferungen stark angestiegen, so dass deutlich weniger Menschen erreicht werden können.
Auch der stellvertretende Leiter des Welternährungsprogramms (WFP), Carl Skau, sieht deutliche Auswirkungen durch den Iran-Krieg. So komme der gesamte Diesel, der im Sudan eingesetzt werde, aus der Golfregion. «Ich mache mir aber auch Sorgen um die langfristigen Folgen, denn der gesamte Dünger in diesem Land kommt aus dem Persischen Golf», sagte Skau der Nachrichtenagentur DPA. Die Preise seien bereits gestiegen, und es gebe Engpässe bei der Verfügbarkeit dieses Düngers. Da die Landwirtschaft im Sudan stark von Bewässerung abhänge und das meiste Wasser aus dem Nil komme, muss es hochgepumpt werden.
«Dafür wird Treibstoff benötigt, und angesichts der steigenden Treibstoffpreise werden die Bauern vielleicht nicht über die nötigen Mittel verfügen. Ich mache mir daher auch Sorgen um die Produktion und die langfristigen Folgen für die Nahrungsmittelversorgung», sagte Skau. Die Versorgungslage in dem Bürgerkriegsland ist ohnehin angespannt. «Dieser Krieg im Nahen Osten trifft uns alle. Aber in Ländern wie dem Sudan hat er besonders dramatische Auswirkungen.»
Wegen des Krieges, der am 15. April 2023 durch einen Machtkampf zwischen de-facto Machthaber Abdel-Fattah al-Burhan und dessen früherem Stellvertreter Mohamed Hamdan Daglo ausgelöst wurde, ist die humanitäre Lage im Sudan katastrophal: Mehr als 19 Millionen Menschen leiden unter Hunger, 11,6 Millionen Menschen sind auf der Flucht, beiden Konfliktparteien werden schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.
Für Hilfsorganisationen sei der Sudan eines der derzeit gefährlichsten Einsatzgebiete, so Mogge. Die Erwartungen an die Berliner Konferenz am Mittwoch, die von der Bundesregierung, den USA, Grossbritannien, Frankreich sowie EU und AU ausgerichtet wird, seien: «Wir brauchen jetzt uneingeschränkten Zugang für Hilfsorganisationen, den Schutz der Zivilbevölkerung und deutlich mehr verlässliche und flexible Finanzierung.» Nach UN-Angaben sind für das Jahr 2026 bislang nur rund 16 Prozent der benötigten Mittel gedeckt.










