USA und Iran verkünden neue gegenseitige Angriffe
Die USA haben laut Trump erneut iranische Ziele nahe der Strasse von Hormus angegriffen. Der Iran meldet Vergeltungsschläge auf US-Stützpunkte in der Region.

Das Wichtigste in Kürze
- Die USA griffen erneut iranische Revolutionsgarden-Ziele nahe der Strasse von Hormus an.
- Der Iran kündigte Vergeltung an und beschoss US-Stützpunkte in Jordanien und Bahrain.
- Die Ölpreise erreichten wegen der Eskalation den höchsten Stand seit zweieinhalb Monaten.
Die USA und der Iran haben neue gegenseitige Angriffe gemeldet. Die Vereinigten Staaten nahmen nach Angaben von Präsident Donald Trump iranische Ziele nahe der Strasse von Hormus ins Visier.
Die iranischen Revolutionsgarden teilten wenig später in einer von mehreren Staatsmedien veröffentlichten Erklärung mit, eine Vergeltungsaktion habe begonnen. Demnach sollten US-Stützpunkte in der Region mit Raketen und Drohnen beschossen werden, wie unter anderem die regierungsnahe Nachrichtenagentur Mehr meldete.
Mehrere Staatsmedien berichteten, Ziel der Angriffe seien erneut US-Stützpunkte in Jordanien gewesen. Zudem sei eine US-Basis in Bahrain attackiert worden.
In der Nacht zum Montag hatte es erstmals seit Ende Juli wieder gegenseitige Angriffe zwischen dem Iran und den USA gegeben. Dass die militärische Auseinandersetzung nun weitergeht, unterstreicht, dass eine dauerhafte Beilegung des Kriegs auch mehr als sechs Monate nach seinem Beginn noch weit entfernt zu sein scheint.
Ölpreise legen stark zu
Die Ölpreise legten angesichts der Zuspitzung der Lage im Nahen Osten deutlich zu. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Referenzsorte Brent aus der Nordsee kletterte zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit rund zweieinhalb Monaten (95,44 Dollar).
Es handele sich um «grosse und gewaltige» Angriffe, die als Vergeltung für den gescheiterten Versuch der Iraner ausgeführt würden, Seeminen in der Strasse von Hormus zu verlegen, schrieb Trump über das jüngste Vorgehen seines Militärs auf der Plattform Truth Social.
Er bekräftigte in dem Zuge die US-Darstellung, dass es in der für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtigen Meerenge aktuell keine Seeminen gebe.
Trump stellte die neuen US-Angriffe auch als Reaktion auf den jüngsten iranischen Raketenbeschuss auf Stützpunkte des US-Militärs in Jordanien dar, der erfolgreich abgewehrt worden sei.
Trump droht Iran «vollständig auszulöschen»
Der US-Präsident drohte dem Iran zudem für den Fall einer Vergeltungsaktion mit einer Ausweitung der Angriffe: «Sollte die gescheiterte Nation Iran auf diesen völlig gerechtfertigten Angriff reagieren, wird sie erneut noch viel härter und in grösserem Umfang getroffen werden», warnte er.
Gleichzeitig betonte Trump, dass ein solcher Angriff nicht «der grösste Angriff von allen sein» würde. Dieser stehe noch in den Startlöchern – und «wenn er vorbei ist, wird von der Islamischen Republik Iran nur noch sehr wenig übrig sein!»

Der Sender Fox News zitierte Trump wiederum nach einem Gespräch mit der Drohung, den Iran bei einem potenziellen weiteren Angriff vollständig auszulöschen. Der US-Präsident hatte dem Iran im Laufe des Kriegs bereits mehrfach martialisch mit Vernichtung gedroht.
Iran: USA hat zivile Gebiete bombardiert
Vor Trump hatte bereits das US-Militär über seine neuen Angriffe gegen den Iran informiert. Diese hätten um 12.00 Uhr US-Ostküstenzeit (19.30 Ortszeit in Teheran) begonnen und richteten sich gegen Ziele der iranischen Revolutionsgarden im Land, teilte das für die Region zuständige US-Militärkommando Centcom auf der Plattform X mit. Nähere Angaben zu den genauen Zielen machten die US-Streitkräfte zunächst nicht.
In der Erklärung der iranischen Revolutionsgarden hiess es, die USA hätten mehrere Orte bombardiert, darunter auch zivile Gebiete. Durch diese Angriffe würde die Blockade der Strasse von Hormus durch den Iran verschärft werden.
Iranische Staatsmedien berichteten über Explosionen in mehreren Regionen des Landes. Davon betroffen sein sollen die Insel Gheschm und die Grossstadt Bandar Abbas an der Strasse von Hormus sowie weiter im Osten der Raum Konarak sowie die Hafenstadt Tschabahar. Darüber hinaus wurden Explosionen von der im Persischen Golf liegenden Insel Lavan gemeldet.
Medienberichten zufolge kamen durch einen Angriff auf eine Hochzeitsfeier im Raum Sirik vier Menschen ums Leben, darunter ein vierjähriges Kind. Mehr als 50 seien verletzt worden, berichtete unter anderem der staatliche iranische Rundfunk unter Berufung auf Mitarbeiter der Rettungsteams. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig geprüft werden.
Iran will seine Radar- und Raketenkapazitäten wieder aufbauen
Das US-Nachrichtenportal «Axios» schrieb, die neuen US-Angriffe seien Teil eines Plans, den Trump und seine ranghohen Berater in den vergangenen Tagen in Erwägung gezogen hätten. Dieser sehe begrenzte Angriffe in der Strasse von Hormus vor, um den Iran daran zu hindern, seine Radar- und Raketenkapazitäten zum Angriff auf Schiffe wieder aufzubauen, berichtet «Axios» unter Berufung auf US-Beamte.
Der Plan ist demnach in der vergangenen Woche von Centcom ausgearbeitet worden. Die Idee dahinter sei, das Risiko iranischer Angriffe auf Öltanker sowie Schiffe und Flugzeuge des US-Militärs zu verringern, zitierte das Nachrichtenportal einen US-Beamten.
Die Strasse von Hormus hat sich im Verlauf des Kriegs zum zentralen Streitpunkt zwischen Washington und Teheran entwickelt: Der Iran blockiert mit Drohungen und Angriffen auf Schiffe den Verkehr durch die wichtige Meerenge weitestgehend. Laut US-Medienberichten eskortiert das US-Militär jedoch immer wieder erfolgreich Schiffe entlang der omanischen Küste durch die Passage zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman.
Vereinbartes Rahmenabkommen ist gescheitert
Ein im Juni zwischen den USA und dem Iran vereinbartes Rahmenabkommen sollte auf die Öffnung der Meerenge hinwirken – doch es zerfiel angesichts fortdauernder Spannungen schnell in sich zusammen.
Das Abkommen habe – wie Trump gesagt habe – nicht funktioniert, weil der Iran nicht bereit für ein Abkommen gewesen sei, sagte US-Finanzminister Scott Bessent am Dienstag am Rande eines G20-Ministertreffens in Asheville im Bundesstaat North Carolina. Seine Aufgabe sei, dafür zu sorgen, dass der Iran einen Deal wolle. Die USA hatten zuletzt verkündet, den Iran mit weiterem wirtschaftlichen Druck in die Knie zwingen zu wollen.

Der Sender Fox News zitierte Trump nun wenig optimistisch, was eine diplomatische Einigung mit dem Iran angeht. «Ich glaube, ein Abkommen mit ihnen ist das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben steht», sagte er demnach. «Wir haben ihnen viele Chancen gegeben.»












