Partei von Ex-Rapper steuert bei Wahl in Nepal auf Erdrutschsieg zu
Bei der als richtungsweisend geltenden Parlamentswahl in Nepal zeichnet sich ein Erdrutschsieg für die Partei des ehemaligen Bürgermeisters von Kathmandu, Balendra Shah, ab. Die relativ junge Partei RSP (Rastriya Swatantra Party) gewann amtlichen Teilergebnissen zufolge bis zum Sonntagmittag (Ortszeit) 114 von 165 Direktmandaten im Unterhaus. In 13 weiteren Wahlkreisen lag sie vorn. Das Unterhaus ist die mächtigere der beiden Parlamentskammern.

Mit dem Sieg der zentristischen RSP hat ihr 35-jähriger Spitzenkandidat und frühere Rapper Shah alias Belen gute Chancen, nächster Premierminister des Himalaya-Staats zu werden. Auch bei der Auszählung der Zweitstimmen lag die Partei deutlich in Führung. Insgesamt geht es um die Verteilung von 275 Sitzen, von denen 110 nach dem proportionalen Stimmenanteil an Listenkandidaten vergeben werden.
Die vorgezogene Wahl vom Donnerstag war die erste Wahl in Nepal nach den tödlichen Unruhen vor sechs Monaten, die zum Rücktritt des damaligen Regierungschefs Khadga Prasad Sharma Oli und zur Auflösung des Parlaments führten. Sie gilt auch als Test für den Einfluss der jüngeren Wähler. Eine Sperrung von Social-Media-Plattformen hatte im September Zehntausende, meist junge Menschen der «Generation Z» auf die Strasse getrieben. Sie prangerten weit verbreitete Korruption und Vetternwirtschaft an. Im Zuge der Unruhen kamen mehr als 70 Menschen ums Leben.
Der RSP waren neben den zwei früheren Regierungsparteien Nepali Congress und Kommunistische Partei Nepals (Vereinigte Marxisten-Leninisten) die grössten Siegchancen eingeräumt worden. Mit Shah, der sich seit den früheren 2010er Jahren in Nepals Hip-Hop-Szene einen Namen gemacht hatte, verbinden besonders junge Menschen die Hoffnung auf Reformen und einen politischen Neuanfang. In den einheimischen Medien wird er auch als populistisch beschrieben. Vor vier Jahren gewann er als unabhängiger Kandidat die Wahl zum Bürgermeister der Hauptstadt Kathmandu. Anfang dieses Jahres trat er zurück und schloss sich der RSP an.









