Im April wird der 20-jährige Daunte Wright von einer Polizistin erschossen. Die weisse Beamtin will ihren Elektroschocker mit der Dienstwaffe verwechselt haben. Die Jury folgt dieser Argumentation nicht.
Die Familie von Daunte Wright jubelt nach der Urteilsverkündung. Foto: Christian Monterrosa/AP/dpa
Die Familie von Daunte Wright jubelt nach der Urteilsverkündung. Foto: Christian Monterrosa/AP/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Fall der Tötung des Afroamerikaners Daunte Wright in den USA ist die angeklagte weisse Ex-Polizistin des Totschlags für schuldig befunden worden.

Die Geschworenen sprachen die 49-Jährige in Minneapolis in beiden Anklagepunkten schuldig - das Strafmass soll zu einem späteren Zeitpunkt verkündet werden. Der Fall hatte das Land aufgewühlt. Nach dem Tod des Mannes kam es zu massiven Protesten.

Der 20-jährige Wright war im April nördlich von Minneapolis bei einem Polizeieinsatz erschossen worden. Die Ex-Beamtin hatte behauptet, dass sie statt eines Elektroschockers (Taser) irrtümlich ihre Pistole gezogen habe. Sie hatte nach dem Vorfall ihre Kündigung eingereicht.

Wright starb nur wenige Kilometer entfernt von jenem Verhandlungssaal in Minneapolis, in dem der Prozess um den brutalen Tod von George Floyd lief. Floyd war ebenfalls bei einem Polizeieinsatz getötet worden.

Ein vermeidbarer Tod

Die Ex-Polizistin wurde von den Geschworenen des Totschlags ersten und zweiten Grades für schuldig befunden. Im deutschen Rechtsgebrauch entspricht Totschlag ersten Grades wohl am ehesten dem des Totschlags. Totschlag zweiten Grades entspricht hingegen eher der fahrlässigen Tötung. Die Richterin gab einem Antrag nicht statt, die 49-Jährige bis zur Verkündung des Strafmasses auf freiem Fuss zu lassen.

Die ehemalige Polizistin Kim Potter hatte während der Verhandlung ausgesagt, Wright bei der Verkehrskontrolle versehentlich angeschossen zu haben. Es handle sich um einen bedauerlichen Fehler, kein Verbrechen, sagte ihr Anwalt. Wright habe versucht, den Beamten zu entkommen, als diese versucht hätten, ihm Handschellen anzulegen, weil gegen ihn ein Haftbefehl wegen Waffenbesitzes vorgelegen hätte.

Die Staatsanwaltschaft argumentierte, dass die Angeklagte fahrlässig und rücksichtlos gehandelt habe. Wrights Tod sei vermeidbar gewesen.

Die Angeklagte war während der Verhandlung in Tränen ausgebrochen und hatte sich entschuldigt. Das Urteil nahm sie äusserlich gelassen entgegen. Auf Totschlag ersten Grades stehen bis zu 15 Jahre Haft. Die Justiz in Minnesota hält sich jedoch an Richtlinien, die in der Regel ein geringeres Strafmass vorsehen.

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