Nobelpreisträger Halzen sperrt sich erst einmal im Hotel weg
Nach seinem Gewinn des Physik-Nobelpreises hält sich Francis Halzen erst einmal nicht für öffentlichkeitstauglich.

«Ich werde so lange wie möglich in diesem Raum bleiben», sagte der Forscher in einem Hotel in Italien mit einem Lachen auf die Frage der Deutschen Presse-Agentur, wie er feiern werde. Sein Telefon klingele seit Mittag ununterbrochen. «Es gibt keine Möglichkeit, selbst einen Anruf zu machen, und mein Posteingang ist nicht mehr zu bewältigen.» Am Mittwoch stehe ein Arbeitstreffen an. Er hoffe, dort angesichts des Nobelpreis-Rummels «nicht allzu sehr die Ruhe zu stören», scherzte Halzen.
Der frischgebackene Nobelpreisträger hat nach eigenen Worten in den vergangenen Jahren regelmässig mit ein wenig Enttäuschung auf die Nobelpreis-Verkündung geblickt. «Um diese Jahreszeit habe ich mich immer miserabel gefühlt, weil ich den Preis nicht gewonnen hatte», sagte der 82-Jährige. Dabei sei es ihm weniger um sich selbst gegangen, er habe den Preis immer als eine unglaubliche Möglichkeit gesehen, «die Menschen zu würdigen und ihnen etwas zurückzugeben, die dieses Projekt möglich gemacht haben». Er habe deshalb jedes Jahr im Oktober das Gefühl gehabt, das Team enttäuscht zu haben, sagte Halzen. «Dieses Problem ist nun endlich gelöst.»
Der belgisch-amerikanische Forscher hat mit der Vision für einen gigantischen Eiswürfel entscheidend dazu beigetragen, winzigste Elementarteilen zu erfassen. Halzen habe bedeutende Beiträge zum Neutrino-Observatorium «IceCube» geleistet, hiess es von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften in Stockholm – einem Kubikkilometer Gletschereis in der Antarktis, der mit Sensoren ausgestattet ist. Halzen, Professor an der Universität von Wisconsin in Madison und inzwischen 82 Jahre alt, erkannte, dass sich das Eis am Südpol zur Verfolgung von Neutrinos – oft Geisterteilchen genannt – eignet. Seine Pläne präsentierte er erstmals 1988.
Bei einer Feierlichkeit an seiner Universität von Wisconsin in Madison wurde Halzen vor allem als Visionär, Wegbereiter und hartnäckiger Vorkämpfer bezeichnet. Viele Menschen hätten sein Vorhaben immer für eine «süsse Idee» gehalten, die niemals funktionieren würde, sagte der Wissenschaftler. «Und wir wussten selbst nur zu gut, dass das passieren könnte. Die grosse Belohnung für uns – und die grösste Überraschung – ist deshalb, dass wir es tatsächlich geschafft haben, dass es funktioniert.»











