Basler Forschende wollen mit Optogenetik Blinden Sehen ermöglichen
Der Medizin-Nobelpreis für Optogenetik hat auch für die Schweizer Forschung grosse Bedeutung. So arbeiten Basler Forschende daran, die Methode zu nutzen, um blinden Menschen einen Teil ihres Sehvermögens zurückzugeben.

«Der Nobelpreis ist extrem wichtig für die Schweiz», sagte Bence György vom Institut für Molekulare und Klinische Ophthalmologie Basel (IOB) und der Universität Basel gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Das IOB sei bei der therapeutischen Anwendung der Optogenetik weltweit führend, sagte György.
Die Auszeichnung mache die Bedeutung der Optogenetik sichtbar und könne dazu beitragen, dass entsprechende Entwicklungen schneller bei Patientinnen und Patienten ankämen, hofft der Forscher.
Licht als Kippschalter
Bei der Optogenetik werden Nervenzellen mithilfe lichtempfindlicher Proteine gezielt durch Licht aktiviert. Die Grundlage dafür lieferten Forschungen an einer winzigen Grünalge. Forschende entdeckten in den 1990er-Jahren Proteine, mit denen die Alge Licht wahrnimmt und sich darauf zubewegt. Später zeigte sich, dass sich solche lichtempfindlichen Proteine auch in Nervenzellen einschleusen lassen. Damit können Forschende deren Aktivität mit Licht gezielt an- oder ausschalten.
«Die Anwendungsmöglichkeiten davon sind gross», so György. Eine davon betrifft blinde Menschen. Forschende am IOB versuchen, mithilfe der Optogenetik erblindeten Menschen einen Teil ihres Sehvermögens zurückzugeben.
Erste Studie am Menschen
Wie das grundsätzlich funktionieren kann, zeigte 2021 eine Studie mit einem damals 58-jährigen Mann, der infolge einer Netzhauterkrankung seit Jahrzehnten blind war. Die Forschenden machten bestimmte Nervenzellen in seiner Netzhaut mithilfe eines lichtempfindlichen Proteins wieder lichtempfindlich. Mit einer speziell entwickelten Brille konnte der Patient danach unter anderem Gegenstände erkennen und greifen. Im Alltag nahm er beispielsweise ein Telefon, eine Tür oder einen Zebrastreifen wahr. «Die Optogenetik ist damit bereits in der Klinik», so der Forscher.
Künftig könnte dabei noch mehr möglich sein, meint György. «Vielleicht können Patientinnen und Patienten dadurch irgendwann wieder Gesichter erkennen oder lesen», sagte er. Bis dahin müsse die Methode jedoch noch weiterentwickelt werden.
Ausserdem könnten künftig auch andere Zellen mithilfe der Optogenetik gesteuert werden. So wäre es laut György etwa denkbar, insulinproduzierende Zellen lichtempfindlich zu machen und ihre Aktivität gezielt mit Licht zu beeinflussen. Damit könnte die Methode eines Tages auch für die Behandlung von Diabetes interessant werden.






