Im Aufwind: So viele Hinrichtungen gibt es weltweit
Eine gescheiterte und eine angekündigte Hinrichtung in den USA sorgen für Aufsehen. Weltweit wurde die Todesstrafe zuletzt vermehrt vollzogen.

Das Wichtigste in Kürze
- Die USA planen erstmals seit Jahrzehnten eine öffentliche Hinrichtung.
- Amnesty International registrierte 2025 weltweit mindestens 2707 Hinrichtungen – so viele wie seit 1981 nicht mehr.
- In den USA befürwortet eine Mehrheit die Todesstrafe für Mörder.
Die USA sorgen aktuell mit Hinrichtungen für Schlagzeilen.
Letzte Woche scheiterte im Bundesstaat Tennessee der Versuch, die Todesstrafe gegen Christa Pike zu vollstrecken. Die verurteilte Mörderin überlebte die Giftspritze und wurde schwer verletzt ins Spital gebracht.

Am Donnerstag kündigte Verteidigungsminister Pete Hegseth dann eine öffentliche Hinrichtung im Dezember an.
Konkret geht es um den Vollzug der Todesstrafe gegen den ehemaligen US-Militärpsychiater Nidal Hasan. Dieser hatte 2009 auf einem Stützpunkt das Feuer eröffnet – 13 Menschen kamen ums Leben, 32 weitere wurden verletzt.

Hasan soll gemäss Hegseth im Dezember durch ein Erschiessungskommando getötet werden. Die Hinrichtung auf einem Militärstützpunkt in Texas, auf dem auch Hasan seine Tat beging, will er per Livestream übertragen lassen.
Gemäss US-Medien wäre es die erste Militärhinrichtung seit über 60 Jahren. Zuletzt kam es 1945 zu einer Hinrichtung durch ein Erschiessungskommando. Die letzte öffentliche Hinrichtung in den USA ereignete sich im Jahr 1936.
Hinrichtungen nehmen zu
In den Vereinigten Staaten wurden in den letzten Jahren vermehrt Menschen hingerichtet. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International meldete in ihrem Todesstrafenbericht 2025 47 Hinrichtungen. Damit erreichte die Zahl den höchsten Stand seit 2009.
Die USA führten zum 17. Mal in Folge als einziges Land in Nord, Zentral- und Südamerika Hinrichtungen durch. Nach einem Rückgang schiesst die Zahl seit 2021 wieder in die Höhe.
Weltweit verzeichnete Amnesty International 2025 insgesamt 2707 Hinrichtungen in 17 Ländern – und schlug Alarm.
«Das entspricht einem Anstieg von 78 Prozent gegenüber den bekannten 1518 Hinrichtungen im Jahr 2024», schrieb die Menschenrechtsorganisation. «Damit wurde der höchste Stand seit 1981 erreicht, als Amnesty International 3191 Hinrichtungen (ohne China) erfasste.»

Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty Deutschland, sagte: «Die Todesstrafe ist die extremste Form staatlicher Gewalt: Sie ist unmenschlich, endgültig und lässt keinen Raum für Fehler oder Gerechtigkeit. Dass immer noch Regierungen darauf setzen, zeigt eine erschreckende Missachtung des Rechts auf Leben.»
Spitzenreiter ist China, dessen tatsächliche Zahl aber unbekannt bleibt. Die Zahl von 2707 festgestellten Hinrichtungen enthält «die vermutlich mehrere Tausend umfassenden Hinrichtungen in China» nicht.
Ebenfalls nicht mit einbezogen sind Vietnam und Nordkorea. Dort wird die Todesstrafe nach Einschätzung von Amnesty International «ebenfalls in grossem Umfang angewendet».
Im Iran wurden 2159 Hinrichtungen erfasst und damit mehr als doppelt so viele wie 2024.
Die meisten Hinrichtungen vollstreckten 2025 nach China (1000+) und dem Iran (2159+) Saudi-Arabien (356+), Jemen (51+) und die USA (47).
Zwei andere Länder mit öffentlichen Hinrichtungen
Öffentlich vollzogen wurde die Todesstrafe 2025 mindestens 17 Mal – sechsmal in Afghanistan und elfmal im Iran. Mit der jüngsten Ankündigung rücken die USA diesbezüglich also näher an Staaten, deren Vorgehensweisen sie an anderer Stelle anprangern.
Offen bleibt, was genau Donald Trumps Regierung mit dem Livestream bezweckt. Verteidigungsminister Hegseth sagte, «die Menschen müssen verstehen, dass solche Taten schwerwiegende Konsequenzen haben».
Unklar ist auch, ob es Zugangsbeschränkungen geben wird, um zu verhindern, dass beispielsweise Kinder die Hinrichtung verfolgen.
Amerikaner befürworten Todesstrafe für Mörder
Eine Umfrage des nichtstaatlichen US-Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center ergab im August: 66 Prozent der US-Amerikanerinnen und Amerikaner befürworten die Todesstrafe für verurteilte Mörderinnen und Mörder.

68 Prozent der Befragten finden die Todesstrafe für wegen Mord verurteilte Personen moralisch gerechtfertigt. Gleichzeitig sehen nur 39 Prozent eine abschreckende Wirkung auf Straftäter. 59 Prozent sagen, die Todesstrafe wirke nicht abschreckend.
Die Zustimmung zur Todesstrafe lag insgesamt 6 Prozent höher als noch 2021.












