Moderne Pkw: Show-Effekte statt echter Nutzen
Autos wandeln sich von Verkehrsmitteln zu Software-Plattformen. Ein aktuelles Mittelklassefahrzeug verarbeitet bereits über 100 Millionen Zeilen Programmcode.

Damit wird die Software moderner Passagierflugzeuge deutlich übertroffen. Doch statt digitaler Perfektion erleben Lenkerinnen und Lenker im Alltag oft unausgereifte Menüstrukturen und künstliche Bezahlschranken.

Hersteller programmieren gezielte Software-Sperren in die Fahrzeugelektronik, um bereits ab Werk eingebaute Bauteile erst nach weiteren Zahlungen freizuschalten.
Fragwürdige Abomodelle für verbaute Fahrzeugtechnik
Wer an frostigen Wintertagen warme Sitze oder mehr Motorleistung wünscht, soll nach den Vorstellungen mancher Hersteller künftig fortlaufende Mietbeträge entrichten. Nachdem BMW sein vieldiskutiertes Sitzheizungs-Abo nach weltweiten Protesten wieder zurückziehen musste, testen Marken wie Mercedes-Benz weiterhin Mietmodelle für Leistungssteigerungen oder Hinterachslenkungen.
Andere Mitbewerber liefern solche Basisfunktionen derweil weiterhin ohne laufende Zusatzkosten an ihre Kundschaft aus. Für den Schweizer Occasionenmarkt bedeuten solche Mietmodelle ein reales Risiko, da Zweitkäufer monatliche Extrakosten meiden und Restwerte somit spürbar sinken könnten.
Zudem transportieren diese Fahrzeuge das tote Gewicht ungenutzter Stellmotoren, Steuergeräte und Kabelbäume dauerhaft über die Strassen. Solche künstlichen Schranken bieten der Kundschaft keinen praktischen Mehrwert, sondern dienen in erster Linie der Maximierung wiederkehrender Konzernerlöse.
Euro NCAP erzwingt die Rückkehr physischer Tasten
Gleichzeitig verdrängten berührungsempfindliche Bildschirme über Jahre hinweg fast alle Schalter und Regler aus modernen Fahrzeugcockpits. Selbst für sicherheitsrelevante Handgriffe wie das Einstellen der Scheibenwischer mussten Fahrende ihren Blick von der Fahrbahn abwenden und verschachtelte Untermenüs durchsuchen.
Dieser Entwicklung schiebt die europäische Sicherheitsorganisation Euro NCAP ab 2026 mit verschärften Prüfkriterien einen Riegel vor. Fahrzeuge ohne physische Bedienelemente für Blinker, Warnblinkanlage, Scheibenwischer, Hupe und Notruf verlieren künftig die Chance auf die Fünf-Sterne-Bestnote.
Während einige Vorreiter weiterhin auf radikal reduzierte Touch-Cockpits beharren, rüstet beispielsweise Volkswagen in neuen Modellen bereits wieder echte Lenkradtasten nach. Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten erhalten damit wieder vermehrt Zugriff auf ergonomische Bedienkonzepte mit deutlich geringerem Ablenkungspotenzial.
Show-Effekte statt echter Effizienz
Weil lautlose Elektroantriebe manchen Autoliebhabern zu steril wirken, entwickeln die Ingenieure zunehmend skurrile Ersatzwelten. Sportliche Stromer wie der Hyundai Ioniq 5 N simulieren Sound über Aussenlautsprecher und integrieren künstliche Drehmoment-Unterbrechungen, um das Ruckeln eines Achtgang-Doppelkupplungsgetriebes nachzuahmen.
Dieser synthetische Krawall amüsiert zwar, steht jedoch im Widerspruch zum technischen Grundgedanken höchster Energieeffizienz. Chinesische Hersteller treiben das Spektakel mit schwimmfähigen Luxusgeländewagen wie dem Jetour G700 oder hüpfenden Fahrwerken gar noch weiter auf die Spitze.
Solche Show-Funktionen treiben das Leergewicht zusätzlich in die Höhe und schaffen fehleranfällige Schwachstellen in der komplexen Bordelektronik. Ein durchdachtes Elektroauto überzeugt im Pendleralltag schliesslich durch niedrigen Stromverbrauch und zuverlässige Ladeleistungen, nicht durch simulierte Fehlzündungen und unnötige Spielereien.






