SCL Tigers – Emil Pettersson: «Verrückte und ungemütliche Situation»
Im Feilschen um Emil Pettersson haben sich die SCL Tigers gegen die kantonale Konkurrenz durchgesetzt. Der Schwede wagt im Emmental ein neues Abenteuer.

Wenn man so will, haben die SCL Tigers schon lange vor Saisonbeginn zwei Derbys gewonnen – nämlich in den Büroräumen. Emil Pettersson war auch beim SC Bern und in Biel ein Thema gewesen, die Unterschrift aber setzte er letztlich unters Vertragsangebot der Langnauer.
Und so stürmt der 32-Jährige nun also im Emmental, wie sein Copain Jonathan Dahlén, mit dem er vergangene Saison bei Timrå in Schwedens höchster Liga die gegnerischen Abwehrpaare Abend für Abend in die Bredouille brachte.
Während Dahlén 30 Tore schoss, lieferte Pettersson 31 Vorlagen. Er war weit mehr als nur das Anhängsel des Topskorers, vielmehr gilt der Routinier als leiser Architekt auf dem Eis.

Dahlén sagt denn auch: «Emil ist einer der am meisten unterschätzten Spieler, die ich kenne. Er übernimmt enorm viel Verantwortung, offensiv wie defensiv. Er gehört zu jenen Typen, die ein Team besser machen.»
Pettersson ergänzt schmunzelnd: «Ich weiss immer, wo Jonathan steht. Das ist sicher kein Nachteil.»
Nun kann er im eigenen Bett schlafen
Pettersson und Dahlén sind Freunde, auch ihre Ehefrauen verstehen sich gut. Wobei das nicht der Grund dafür ist, dass der Schwede seinen Stammverein Timrå verlassen hat und ebenfalls ins Emmental gezogen ist.
Er wollte nochmals etwas wagen: «Ich möchte mir nie vorwerfen müssen, nicht das Bestmögliche erreicht zu haben.» Dass in der National League üppige Saläre bezahlt werden, war gewiss auch ein Kriterium für den Wechsel.
Vor allem aber schätzt Pettersson, der eine Tochter und einen Sohn hat, die hierzulande überschaubaren Distanzen. «In Schweden übernachteten wir nach den Auswärtsspielen oft im Hotel. Nun kann ich immer im eigenen Bett schlafen und mehr Zeit mit meiner Familie verbringen.»
Der vielseitig einsetzbare Stürmer hat schon so vieles erlebt, seine Karriere gleicht ein wenig der Fahrt in einer Achterbahn. Mit dem Traditionsverein Modo, bei dem er sein Debüt in der höchsten schwedischen Liga gab, stieg er sogleich ab – was ihn noch jahrelang beschäftigten sollte.
Danach lief es ihm in Skellefteå nicht wunschgemäss, und er wurde nach einer halben Saison abgeschoben. 2017 folgte der Wechsel nach Nordamerika in die Organisation der Nashville Predators; doch mit Roman Josi spielte er nie, beim Farmteam in Milwaukee hingegen stürmte er an der Seite von Nationalspieler Tyler Moy.
«Für die NHL war ich zu wenig gut»
Die zwei Jahre in Übersee möchte Pettersson nicht missen, aber er blickt erstaunlich selbstkritisch darauf zurück. «Nashville hatte ein unglaublich starkes Team. Und ich war nicht ganz gut genug für die NHL», hält er fest, wobei es durchaus überraschte, wurde er trotz respektabler Statistiken nie in der weltbesten Liga berücksichtigt.
So wechselte er zurück in die Heimat. Und erlebte bei Växjö Grossartiges: 2021 feierte Pettersson den Meistertitel, Chefcoach war Sam Hallam, der nun Servette betreut. «Auch dank ihm fand ich wieder die Freude am Eishockey, die in den Saisons zuvor nach diversen Rückschlägen ein wenig verloren gegangen war», sagt Pettersson.

Hallams Assistent war Tobias Thermell, der jene Rolle nun in Langnau ausübt. «Dass ich hier auf bekannte Gesichter getroffen bin, hat bei der Integration geholfen», sagt der 24-fache Nationalspieler. Zumal er nicht als Lautsprecher gilt und eher wartet, bis die Leute auf ihn zukommen.
Beim Eingliedern eine besondere Rolle spielte überdies Captain Flavio Schmutz, der wegen seines dreijährigen Abstechers als Junior im Norden auch schwedisch spricht.
Ungemütliche Tage in Russland
Doch nochmals ein Blick zurück: Nach dem Titel mit Växjö wechselte Pettersson nach Moskau und ergatterte sich in der KHL einen Stammplatz. Doch nach Ausbruch des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine wurde alles anders. Pettersson blieb noch einige Wochen im Land und spielte die Saison fertig, danach löste er seinen Vertrag auf.
Er habe damals ein paar stressige Tage erlebt, «viele fanden, ich hätte sofort nach Schweden zurückkehren sollen. Aber das war alles nicht so einfach, und ich wollte im Klub niemanden enttäuschen. Es war eine verrückte und ungemütliche Situation.»
Petterssons Kontrakt zuletzt in Timrå wäre noch weitergelaufen, der Abschied fiel ihm nicht leicht. Er sieht Parallelen zwischen seinem alten und neuen Arbeitgeber: «Es sind beides Dorfklubs mit begrenzten finanziellen Mitteln, die überperformen müssen, um etwas zu erreichen. Und beide Klubs sind familiär geführt.»
Apropos Familie: In Petterssons Geschichte muss es zwangsläufig um seinen jüngeren Bruder Elias gehen, der sportlich nochmals eine ganz andere Hausnummer ist.
In Vancouver ist er längst zum NHL-Star gereift, mehrmals hat er am All-Star-Game teilgenommen und in einer Saison gar die 100-Punkte-Marke geknackt – das zweistellige Millionengehalt sei auch erwähnt.
Im Schatten des «kleinen» Bruders zu stehen, sei für ihn jedoch nie ein Problem gewesen. «Ich bin enorm stolz auf ihn. Und trotz seiner Erfolge ist er für mich immer noch mein kleiner Bruder, den ich immer beschützt habe.»
Pettersson erinnert sich schmunzelnd an ein gemeinsames Unihockeyspiel als Buben. «Ich gab ihm nie den Ball. Da ist er durchgedreht und hat mir mit dem Schläger an den Nacken gehauen. Danach hatte er freie Bahn. Er wusste schon immer, was er wollte.»
Auch auf dem Golfplatz stark
Emil Pettersson seinerseits hatte in den letzten zehn Saisons stets eine zweistellige Torausbeute vorzuweisen. Es mag flinkere und robustere Spieler geben, aber an offensiven Impulsen sollte es nicht mangeln.
Dass von den sieben Tigers-Ausländern jeweils einer zuschauen muss, sieht Pettersson als Herausforderung, aber nicht als fundamentales Problem. «Wer zuschauen will, kann positiv bleiben und kämpfen – oder aber jammern. Ich weiss, was ich tun würde.»

Mit den fünf Imports im Angriff (Pettersson, Dahlén, Hannes Björninen, André Petersson und Saku Mäenalanen) dürfte Langnau das Minus von der vergleichsweise geringen Schweizer Durchschlagskraft einigermassen korrigieren können.
Pettersson wiederum will sich auch mit 32 noch verbessern. Auf dem Eis natürlich, aber auch auf dem Golfplatz. Sein Handicap von 1,1 ist Extraklasse. Darauf angesprochen, sagt Teamkollege Jonathan Dahlén: «Ich habe es Ihnen ja gesagt: Emil kann alles!»
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im Schweizer Hockey-Magazin «SLAPSHOT» erschienen.












