Harri Pesonen: «Der Schnaps wird mir fehlen»
Sieben Saisons prägte Harri Pesonen die SCL Tigers als Captain, Torgarant und Publikumsliebling. Zum Abschied blickt der Finne auf seine Zeit in Langnau zurück.

Sieben Saisons spielte Harri Pesonen bei den SCL Tigers, er war Captain, Torgarant und Publikumsliebling. Mit dem Finnen verabschiedet sich einer der prägendsten Spieler der jüngeren Klubgeschichte. Er spricht über seine besten Mitspieler und verrät, in welcher Phase er ein paar Jahre gealtert ist.
SLAPSHOT: Harri Pesonen, sind Sie in Langnau zum Schnapstrinker geworden?
Harri Pesonen: Ich weiss, worauf Sie anspielen: Es begann vor drei Jahren, da reichte mir ein Fan, der beim Kabineneingang sass, nach einem guten Spiel seinen Flachmann. Das wurde zum Ritual – aber nur nach Siegen. Ich nahm immer einen Schluck, was drin war, wusste ich nicht. Aber es war recht stark. Der Schnaps wird mir fehlen (lacht).
SLAPSHOT: Nach sieben Saisons bei den SCL Tigers erhalten Sie keinen Vertrag mehr. Schmerzt der Entscheid nach wie vor?
Pesonen: Ich hatte nun genug Zeit, um alles zu verdauen. Meine Erwartungen waren anders, und ich war sehr enttäuscht. Weil Langnau für mich mehr ist als irgendein Verein, tat es weh. Aber wir gehen im Guten auseinander. Und ich bin froh, konnte ich dem Team bis zum Schluss helfen. Nur das Ende hätte anders sein müssen.
SLAPSHOT: Langnau verlor zehn der letzten elf Spiele und verpasste das sicher geglaubte Play-In …

Pesonen: … was nie hätte passieren dürfen. Es ist unverständlich, zumal es im Team keine Probleme gab. Während meiner letzten Woche sass ich in einer Achterbahn: Es ging emotional rauf und runter. Der Abschied von den Fans war sehr bewegend.
SLAPSHOT: In Langnau lebten Sie lange im selben Block wie Trainer Thierry Paterlini. War das nie heikel?
Pesonen: Es war locker und nie unangenehm. Thierry ist nicht nur ein toller Trainer, sondern auch ein feiner Mensch. Wenn es nicht lief, haben wir vor den Spielen einen Kaffee getrunken und geredet. Und er hat oft seinen Schlüssel vergessen, ich musste ihn immer wieder mal ins Gebäude lassen (lacht).
SLAPSHOT: Nun geht es zurück nach Finnland, Sie werden mit Jyväskylä in Verbindung gebracht.
Pesonen: Wir sind in Gesprächen, ich will weiterspielen. Jyväskylä ist meine Heimat, wir haben dort ein Haus, meine Eltern und die Schwiegereltern leben dort. Die Rückkehr nach Finnland ist ein grosser Schritt, meine Tochter ist zweieinhalb Jahre alt, sie hat in Langnau ihre Freunde.
Mein Sohn ist in der zweiten Klasse und ihm gefällt es auch. Aber Kinder passen sich zum Glück schnell an Neues an.
SLAPSHOT: Nach so vielen Jahren im Emmental ist es Zeit für ein «Best of»: Wie sieht Ihr bestes Langnauer Team aus?
Pesonen: Im Tor steht Stéphane Charlin, was er in der Saison 2024/2025 zeigte, war unfassbar. In der Verteidigung hat Anthony Huguenin einen Fixplatz, er spielte gut nach vorne und war ein cooler Typ, der in der Garderobe Einfluss nahm. Daneben nominiere ich Vili Saarijärvi – das wäre in der Defensive ein bisschen «offensiver Wahnsinn».
SLAPSHOT: Und im Angriff?
Pesonen: Chris DiDomenico, ganz klar. Wir respektierten und verstanden uns auf dem Eis sehr gut. Klar, wir haben ganz andere Lebensstile und denken in vielen Bereichen anders. Aber irgendwie passte die Chemie. Als Center setze ich auf Marc Michaelis.
Und der zweite Flügel ist Pascal Berger. Päscu war bis zum Schluss wertvoll, er hat jede Rolle akzeptiert und blieb ein Leader. Nach seinem Rücktritt hat bei uns etwas gefehlt.

SLAPSHOT: Wer war Ihr härtester Coach?
Pesonen: Heinz Ehlers! Er war sehr anspruchsvoll und fordernd. Bezüglich Taktik und Spielweise war er sehr strikt, wobei die Ausländer etwas mehr Freiheiten genossen als die Schweizer.
Heinz strahlte eine unglaubliche Autorität aus: Wenn er in die Garderobe kam, hörten sofort alle zu. Er war an meinem Wechsel nach Langnau massgeblich beteiligt.
SLAPSHOT: Inwiefern?
Pesonen: Im Winter 2017/2018 spielte ich mit Lausanne gegen die Tigers. Draussen beim Einlaufen kam Heinz auf mich zu und fragte, was ich für Pläne habe. Ich hatte tatsächlich noch keinen Vertrag.
Es war noch schwieriger zu jener Zeit, weil nur vier Ausländer spielen durften – und weil klar war, dass Heinz auf mich setzen würde, war ich am Wechsel interessiert. Eine Woche später meldete sich Langnau bei meinem Agenten.
SLAPSHOT: Welches war die beste Reise mit der Mannschaft?
Pesonen: In meiner ersten Saison erreichten wir die Playoffs, danach reisten wir nach Barcelona. Fast alle Spieler kamen mit, im Ausgang lernte ich einige von einer neuen Seite kennen (lacht).
Wir waren auch ein paar Mal in Zermatt. Und letztes Jahr ging es nach Ischgl, es war Päscu Bergers letzte Reise. Die Ski hatten wir nicht dabei, es ging nur um Après-Ski.

SLAPSHOT: Und was war Ihr schwierigster Moment?
Pesonen: Die Playout-Serie gegen Ajoie war brutal. Viele im Klub hatten Job-Angst – der negative Druck war gewaltig. Ich bin in diesen Tagen gefühlt ein paar Jahre älter geworden. Als ich im sechsten Spiel in der 94. Minute das Siegtor erzielte und wir uns damit den Ligaerhalt sicherten, kam es zu einer Explosion der Gefühle.
SLAPSHOT: Zum Schluss ein Blick voraus auf die WM in der Schweiz: Was ist für Finnland möglich?
Pesonen: Der Trainer musste lange heftige Kritik einstecken. Aber mit Olympia-Bronze hat sich die Lage entspannt, das Vertrauen ins Team und in den Staff ist wieder da. Ich würde an der WM auf einen Top-4-Rang wetten. Irgendwie finden wir immer einen Weg, um die Medaillen kämpfen zu können.
SLAPSHOT: ie sind Olympiasieger und zweifacher Weltmeister. Ist das Nationalteam für Sie noch ein Thema?
Pesonen: Letztes Jahr wurde ich gefragt, ob ich zurücktreten werde. Aber es ist nicht nötig, dass ich dieses Kapitel selbst schliesse. Ich hatte seit einem Jahr keinen Kontakt mehr zu den Verantwortlichen. Mit 37 ist meine Zeit im Nationalteam wohl vorbei.












