HC Ajoie

Eine neue Ära im HC Ajoie

Nicola Berger
Nicola Berger

Mit neuem Schwung will der HC Ajoie den Rückstand auf die Konkurrenz verkleinern. Gleichzeitig richtet sich der Blick auf Sportdirektor Julien Vauclair.

HC-Ajoie-Sportdirektor Julien Vauclair.
HC-Ajoie-Sportdirektor Julien Vauclair. - keystone

Am Tag, bevor Mitte Mai in Fribourg und Zürich die WM begann, wandte sich der HC Ajoie mit einer Art Hirtenbrief an seinen Anhang. Und schrieb:

«Fünfmal in fünf Saisons in Folge Letzter. Machen wir uns nichts vor – weder uns selbst, noch unseren Fans oder unserer Region. Die Lage ist eindeutig, und genau deshalb haben wir beschlossen, zu handeln. Auf allen Ebenen.»

Flankierend kommunizierte der Klub dazu verschiedene Massnahmen, unter anderem: die Einstellung des Trainers Ville Peltonen, mit dem sich auch der SC Bern beschäftigt hatte.

Dazu: Das Engagement des Athletiktrainers Sergio Gaggioni, der aus Davos nach Pruntrut wechselt. 17 Spieler verlassen den Klub, darunter altgediente Stützen wie Jonathan Hazen, Bastien Pouilly und Reto Schmutz.

Der kanadische Stürmer Hazen verabschiedet sich mit der eindrücklichen Bilanz von 300 Toren und 358 Assists in 526 Einsätzen für Ajoie. Mit seinem kongenialen Sturmpartner Philip-Michaël Devos führte er den Klub 2020 zum sensationellen Cup-Sieg über Davos und 2021 zum Aufstieg.

National League
Sportdirektor Julien Vauclair. - keystone

Anders als Devos hat Hazen, 36, keine unmittelbaren Aussichten auf einen Schweizer Pass. Die Trennung ist darum logisch, emotional aber trotzdem hart.

Der Vertrag des Sportchefs läuft 2027 aus

Das Signal ist klar: Ajoie will nichts unversucht lassen beim Unterfangen, sich auch mittelfristig in der Liga halten zu können. Im Kader ist jede qualitative Aufwertung willkommen, egal, wie klein sie auf den ersten Blick wirken mag.

Ein Upgrade ist dem Team fraglos zwischen den Pfosten gelungen: Das alternde, schwächelnde Tandem Benjamin Conz/Damiano Ciaccio ist durch das Trio Tim Wolf/Antoine Keller/Noah Patenaude abgelöst worden.

Vom Rückkehrer Wolf darf mehr Stabilität erwartet werden, über das Talent der Jünglinge Keller und Patenaude wird geschwärmt. Seit Januar 2022 ist Julien Vauclair so etwas wie der «Chef de Mission». Vauclair ist ein Sohn des Juras, sein Vater kämpfte einst mit der Bélier-Bewegung.

Er war lange weg und machte sich im HC Lugano unsterblich. Aber Pruntrut ist seine Heimat, der Klub liegt ihm am Herzen. Er sagt: «Der Misserfolg schmerzt. Aber man darf nicht vergessen, dass die meisten Vereine sich finanziell in anderen Sphären bewegen als wir.

Das ist einfach die Realität. Uns bleibt nichts anderes übrig als mit harter Arbeit zu versuchen, die Unterschiede kleiner zu machen.» Vauclair, 46, betreibt den Job fast bis zur Selbstaufgabe – so wie die meisten General Manager der Liga.

HC Ajoie
Ajoie will nichts unversucht lassen beim Unterfangen, sich auch mittelfristig in der Liga halten zu können. (Archivbild) - keystone

Er sagt: «Natürlich fahre ich im Sommer mit meiner Familie in die Ferien. Aber Tage ohne Mails oder Telefonate gibt es eigentlich nicht.»

Seit dem Aufstieg hat sich das Budget verdreifacht – und ist im Vergleich doch sehr tief

Es ist ein stressiger Job – und natürlich macht es ihn härter, wenn sich die Niederlagen häufen. Vauclair ist nicht zu beneiden, er wird sich überlegen müssen, ob er ihn weiterhin ausführen will: Sein Vertrag endet 2027.

Ajoie hat das mit Abstand kleinste Budget der Liga, auch wenn es seit dem Aufstieg sukzessive erhöht wurde und mit 14 Millionen Franken heute knapp dreimal grösser ist als noch vor fünf Jahren.

Traust du dem HC Ajoie in dieser Saison den Ligaerhalt zu?

Aber selbst wenn Ajoie bei den Verhandlungen mit Spielern ein Konkurrenzangebot egalisieren kann: Wer Alternativen hat, den zieht es eher nicht in den Jura, diesen unterschätzten, aber halt doch strukturschwachen und etwas vergessenen Landstrich.

Das macht den Einbau von Eigengewächsen umso wichtiger. Seit einigen Jahren wirkt Juliens jüngerer Bruder Tristan als Ausbildungschef, aber noch immer befindet Ajoie sich im Nachwuchsbereich in der Aufbauphase.

Ein ermutigendes Zeichen ist immerhin, dass es die U16-Elit und die U21-Top-Equipe jeweils in den Playoff-Halbfinal schafften. Der U21-Erstliniencenter Lorin Froidevaux ist nun in den Kader der National League befördert worden.

Es sind kleine Puzzlestücke, die sich zu einem grossen Ganzen zusammenfügen sollen: zu einer prosperierenden Zukunft des Kleinstklubs aus dem 7000-Seelen-Ort Porrentruy.

Julien Vauclair

Geboren: 2. Oktober 1979

Beim HC Ajoie seit: 2022

Bisherige Klubs als Funktionär: HC Ajoie (Sportchef, Head Coach), HC Lugano (Direktor of Scouting)

Bisherige Klubs als Spieler: HC Lugano (NL), Binghamton Senators (AHL), Ottawa Senators (NHL), Grand Rapids Griffins (AHL), HC Lugano U20 (Elite Jr. A), HC Ajoie (NLB)

Grösste Erfolge als Spieler: Aufnahme Swiss Hockey Hall of Fame, Silber-Medaillen-Gewinner WM 2013, All-Star Team WM 2013, 2x Schweizer Meister mit HC Lugano

«Jetzt geht es an die Arbeit. Konzentriert, ohne unnötigen Lärm, mit Demut angesichts der bevorstehenden Herausforderungen. Fünf letzte Plätze in Folge lassen sich nicht mit einer Pressemitteilung ungeschehen machen.»

«Sie werden durch harte Arbeit, bewusste Entscheidungen, Durchhaltevermögen und die neu gewonnene Verbundenheit zwischen dem Team und seiner Region überwunden. Weitere Ankündigungen folgen in den kommenden Wochen. Der Wandel ist umfassend und schreitet im gleichen Tempo wie unsere Ambitionen voran.»

Mit diesen Worten beschloss Ajoie Mitte Mai die Medienmitteilung. Punkto Kommunikation hat Ajoie 2026 schon einmal vieles richtig gemacht. Die Frage ist, ob das reicht, um die rote Laterne endlich weiterreichen zu können.

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