Diese Schweizer können auf NHL-Einsätze hoffen
Die Schweizer NHL-Spieler gehören kaum zu den Topfavoriten auf den Stanley Cup. Thomas Roost sieht für 13 Schweizer gute Chancen.

Keiner unserer Fixstarter spielt in einem Top-Favoriten-Team um den Stanley Cup. Für mich sind die Colorado Avalanche und die Carolina Hurricanes die Topfavoriten. Im erweiterten Favoritenkreis sehe ich die Florida Panthers, Tampa Bay Lightning, die Edmonton Oilers, die Vegas Golden Knights und die Dallas Stars.
Dies würde bedeuten, dass nur gerade Akira Schmid (Florida Panthers) und Lian Bichsel, (Dallas Stars) Chancen haben, die wohl geschichtsträchtigste Sporttrophäe in die Schweiz zu bringen.
Die New Jersey Devils mit den drei Schweizern Nico Hischier, Timo Meier und Jonas Siegenthaler sind ein talentiertes Team, aber mit Fragezeichen betreffend physische Härte, Wasserverdrängung und sogenanntem «Heavy Hockey».
Zudem sind einige ihrer Leistungsträger tendenziell verletzungsanfällig. Trotzdem, der Skill-Level bei den Devils ist sehr hoch und falls die Top-2-Center Jack Hughes und Nico Hischier weitestgehend verletzungsfrei bleiben, dann traue ich ihnen die Playoffqualifikation zu. Ein Titelgewinn wäre aber für mich eine ziemlich grosse Überraschung.
Nico Hischier – New Jersey Devils
Nico Hischier ist in der NHL ein herausragender Zweiweg-Center, der in der Wahl zur Selke Trophy (bester Defensiv-Stürmer) in den letzten vier Jahren dreimal in den Top Ten landete, in der Saison 2022/23 sogar als Runner Up (2. Platz).
Seine Bully-Stärke mit knapp 56 Prozent in den letzten drei Jahren zeichnen ihn ebenfalls aus. In den letzten fünf Saisons waren die Werte bei 5 vs. 5 mit Nico Hischier auf dem Eis ausnahmslos positiv für die Devils – in einem nicht überragenden Team.

Seine Beständigkeit auf hohem Niveau ist beeindruckend. Er ist nicht ganz der High-End-Nummer 1 Center betreffend Skorerpunkteproduktion wie die absoluten, an einer Hand abzuzählenden Nr. 1 Center der Liga, aber mit geschätzten gut 70 Skorerpunkten gepaart mit seinem extrem smarten Zweiwegspiel gehört er für mich zu den Top-15-Centern in der NHL.
Die Devils sind gefährlich, wenn beide Center (Hughes und Hischier) verletzungsfrei bleiben. Kaum ein anderes Team ist auf den Centerpositionen eins und zwei derart gut aufgestellt.
Roman Josi – Nashville Predators
Roman Josi hat vor allem an den Olympischen Spielen und an der Weltmeisterschaft in der Schweiz einmal mehr bewiesen, dass er zu den weltbesten Offensivverteidigern gehört. Unglaublich seine Präsenz, sein Rendement, wenn er auf dem Eis steht. Die Schweizer Eishockeynationalmannschaft ist mit oder ohne Josi eine andere.
Seine Leistungen in der NHL sind etwas in den Hintergrund geraten, weil in der letzten Saison mit Schaefer und Hutson zwei sehr junge Offensivverteidiger die Schlagzeilen dominiert haben. Josi spielt oft eine Position als «Rover», dem keine Position zugeordnet werden kann.

Mit dem Puck oft als vierter Stürmer, um ohne Puck die Verteidigerposition wieder einzunehmen. Viele der jungen Offensivverteidiger in der NHL versuchen, Josi zu kopieren, er hat sie mit seiner Interpretation des Spiels inspiriert.
Josi trägt nach wie vor zu viel Last bei den mittelmässigen Predators. Sein Supporting-Cast ist nicht gut genug, um ernsthaft um den Stanley Cup mitspielen zu können. Wie lange kann er diese Last noch tragen?
Ich erwarte von ihm knapp einen Punkt pro Spiel. Die Medienmitteilung, dass er weiter für die Schweizer Nationalmannschaft spielen will, war wohl die wichtigste im Schweizer Eishockey der letzten Jahre.
Zum Autor
Thomas Roost ist seit 1995 NHL-Scout für den zur NHL gehörenden Central Scouting Service und seit 2010 Scout für den EHC Biel. Hauptberuflich war er 25 Jahre CHRO und Mitglied der Konzernleitung in einer internationalen Touristikfirma mit weltweit 1500 Mitarbeitenden und berät heute als Consultant Eishockeyspieler, mit dem Ziel, dass sie ihr Potenzial während und nach ihrer sportlichen Karriere voll ausschöpfen können.








