Alles perfekt – plötzlich Saisonende

Kristian Kapp
Kristian Kapp, SLAPSHOT

Luca Hollenstein spielte beim HC Davos eine starke Saison. Eine Verletzung verhinderte jedoch seinen Einsatz in den Playoffs.

Hollenstein
Luca Hollenstein ist beim HC Davos seit 2024. - keystone

Luca Hollenstein erlebte in Davos eine Saison der Superlativen – bis die Verletzungshexe zuschlug und ihm die Playoffs verwehrte. Der 26-Jährige bildete mit Sandro Aeschlimann ein Goalie-Duo, das mit Konstanz glänzte. Zum HCD wechselte er auch, weil er in Zug in eine spezielle Situation geriet.

Eine Goaliekarriere zeichnete sich bei Luca Hollenstein schon früh ab. So zumindest erzählte es einst das «Bündner Tagblatt»: Der noch nicht einmal achtjährige Luca soll im Unihockeytraining eines der wenigen Kinder gewesen sein, die sich darauf freuten, wenn die Rotation, wer diesmal ins Tor müsse, sie traf.

Um etwas mehr Fläche zu bieten, habe er dann sogar die für ihn zu grossen Turnschuhe der Mutter angezogen. Hollenstein lacht, als er diese Geschichte hört. Sie sei aber zu lange her, er könne darum nicht mit Sicherheit sagen, ob sich all das wirklich so abgespielt habe. Heute, rund 18 Jahre später, ist er aber nicht nur Profi auf höchstem Level.

Luca Hollenstein
Luca Hollenstein erlebte in Davos eine Saison der Superlativen – bis die Verletzungshexe zuschlug und ihm die Playoffs verwehrte. - imago

Er erlebte lange auch eine Spielzeit der Superlativen. Er startete in Davos mit zwei Shutouts in die Saison. Als diese in die Olympia-Pause ging, hatte er inklusive Spengler Cup in 21 Starts nur zwei Niederlagen nach 60 Minuten, aber 17 Siege erlebt.

Alles schien perfekt: Er hätte seinen persönlichen Rekord von 22 NLSpielen in einer Saison übertroffen. Auch mit dem HCD lief es: klare Nummer 1 in der Tabelle plus Spengler Cup-Sieger in einem für den Gastgeber denkwürdigen Turnier mit fünf Spielen in fünf Tagen.

Doch dann zog er sich Ende Februar einen Riss des Innenbands im rechten Knie zu: Operation, Saisonende! Dahin war sie, die möglicherweise fast perfekte Saison Hollensteins. Ein paar Tage zuvor sagte Hollenstein noch dies: Im Hinterkopf sei es ihm bewusst, wie speziell das alles sei. Und so lange alles so gut laufe, dürfe man dies aber auch geniessen.

Aber: «Allzu viel denke ich nicht darüber nach. Es kann nämlich schnell gehen, und alles sieht anders aus.» Er dachte kaum, wie schnell dieser Satz bittere Realität werden würde. Die Aussage an sich war aber eine typische beim Leader Davos.

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Schon ganz früh, als der HCD erst drauf und dran war, einen Rekordstart in die Saison hinzulegen mit 18 Siegen und nur einer Shootout-Niederlage, war das Relativieren konstant und der Fokus gross.

Hollenstein beschreibt das Davoser Erfolgsrezept so: «Wir wissen, dass es erst in den Playoffs zählt. Jeder in der Garderobe will Ende Saison gewinnen. Jeder weiss, was es braucht, jeder akzeptiert seine Rolle.» Konstanz auf hohem Niveau herrscht in Davos auch auf der Goalieposition.

Bevor die Regular Season nach dem Olympia-Break in die Endphase ging, wiesen Hollenstein und Sandro Aeschlimann praktisch identische Statistiken auf: beide 2,21 Gegentore pro Spiel, sowie 92,4 (Aeschlimann) respektive 92,2 Prozent gehaltene Schüsse.

Doch aus Zahlen macht sich Hollenstein nichts, erst recht nicht aus jenen mit den Prozenten: «Hinter einem gut verteidigenden Team sieht diese Statistik automatisch besser aus, als wenn in jedem Spiel zehn bis 15 Schüsse aus dem Slot auf dich kommen.»

HC Davos
Konstanz auf hohem Niveau herrscht in Davos auch auf der Goalieposition. - iamgo

Darüber, ob er ein gutes oder schlechtes Gefühl habe, entscheiden andere Dinge: Wie war seine Rebound-Kontrolle? Wie gut war sein Stickhandling bei Pucks hinter Tor oder beim Passspiel? «Das sind Details, die die Fans wahrscheinlich gar nicht beachten.»

Den Druck, dass Aussenstehende Goalies meist nur über kassierte Tore beurteilen, könne er ausblenden. «Das musst du können, weil du dich ansonsten selbst kaputt machst.» Er habe das Glück, damit keine Probleme zu haben. «Ich weiss aber, dass es auch andere Fälle gibt.»

Hollenstein kam 2024 nach Davos. Er war in Zug nach sieben Saisons und 24-jährig in eine spezielle Situation geraten. Einerseits spielte er mit seinem Kindheitsidol im selben Team: «Es war eindrücklich zu sehen, wie Leonardo Genoni trainiert, wie er neben dem Eis lebt und wie er als Person ist.»

Aber Genoni sei gleichzeitig auch der beste Goalie der Schweiz, sagt Hollenstein. Die Perspektiven beim EVZ auf die Nummer 1-Rolle waren entsprechend bescheiden. Auch in Davos traf er mit Aeschlimann zwar auf einen Torhüter, der in der Hierarchie vor ihm steht, aber nicht im gleich klaren Ausmass.

Hollenstein
Hollenstein verlängerte schon vor der Saison seinen Vertrag in Davos bis 2028. - keystone

Der HCD habe ihm zudem kommuniziert, dass es in Davos nicht zu einer A/B-, sondern einer 1A/1B-Situation kommen würde. Das trifft vor allem diese Saison ein, in der die Starts zwischen Aeschlimann und Hollenstein bis zu dessen Verletzung im Verhältnis 60:40 verteilt wurden.

An Hollensteins Ziel, einst die Nummer 1 zu werden, hat sich aber nichts geändert. Er verlängerte schon vor der Saison seinen Vertrag in Davos bis 2028 – gleichzeitig mit Aeschlimann, der sogar bis 2031 zusagte.

Dies habe seinen Entscheid indes nicht beeinflusst, sagt Hollenstein: «Ich wusste, dass für ihn Davos beim Verhandeln hohe Priorität hatte, doch ich schaute dabei vor allem auf mich, egal, ob er bleibt oder nicht.»

Konstanz erlebte Hollenstein in seiner Karriere bislang auch mit Goalietrainern. Sieben Jahre hatte er in Zug mit Simon Pfister zusammengearbeitet, in Davos ist nun Markus Ketterer sein Coach.

Speziell und anders an den Trainings mit dem Finnen sei der Fokus aufs Schlittschuhlaufen – ein Faktor, den Aussenstehende kaum in erster Linie mit Torhütern in Verbindung bringen würden. «Doch das ist auch bei uns wichtig», sagt Hollenstein, «das Skating ist bei Goalies ganz anders als bei Feldspielern.»

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Luca Hollenstein war bisher beim EV Zug (NL), EVZ Academy (SL), EHC Chur (U17). - keystone

Keinen Einfluss aufs gemeinsame Training hat der klar unterschiedliche Stil der beiden HCDTorhüter – Aeschlimann ist diesbezüglich ein Unikat. Und auch wenn ein Wechsel des Goalietrainers für einen Schlussmann meist eine grössere Bedeutung hat als jener des Headcoachs, hat Ketterer bei Hollenstein nichts Grundsätzliches verändert.

«Den Stil kann man in meinem Alter eh nicht mehr ändern», sagt der Bündner. Auch hier gilt: «Wir arbeiten nur an Details.» Dass er sein Spiel an seine für einen Goalie eher kleine Körpergrösse von 178 Zentimetern anpassen muss, versteht sich schon seit langem von selber.

Luca Hollenstein

Geboren: 5. März 2000

Grösse: 178 cm

Gewicht: 81 kg

Beim HC Davos seit: 2024

Vertrag bis: 2028

Bisherige Klubs: EV Zug (NL), EVZ Academy (SL), EHC Chur (U17)

Allzu oft habe er in seiner Karriere aber nicht gehört, dass er zu klein sei, beteuert Hollenstein. Dass gerade in Nordamerika diesbezüglich aber konservativer gedacht wird, weiss auch er.

Er habe die NHL-Zusammenfassungen als Kind auch geschaut, sagt Hollenstein. Träume habe er aber andere gehabt: «Bis 14 spielte ich in Chur, und das Eishockey war nicht viel mehr als ein Hobby.» Als ein Jahr später die Anfrage aus Zug im Hinblick für die Academy kam, habe er geträumt, es einst in die NLA zu schaffen.

«Natürlich wäre Nordamerika cool. Aber unsere Liga ist mittlerweile so gut. Ich bin zufrieden und habe kein Problem damit, in der Schweiz zu sein.»

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