Motivationskicks gegen den Homeoffice-Trott

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    Bern,

    Viele Arbeitnehmer haben das Büro schon seit Monaten nicht mehr gesehen – und stecken in einer Motivationskrise. Wie finden sie wieder Schwung und Energie?

    Frau im Homeoffice
    Jeden Tag die gleichen vier Wände: Nach mehreren Monaten Arbeit im Homeoffice, haben nicht wenige etwas von ihrer Arbeitsmotivation eingebüsst. - dpa

    Das Wichtigste in Kürze

    • Zuhause motiviert und konzentriert zu arbeiten, ist für viele eine Herausforderung.
    • Eine gute Planung hilft der Motivation.
    • Ein regelmässiger Austausch mit den Teamkollegen ist wichtig.

    Winterblues statt Neujahrseuphorie, Lockdown
    und Schmuddelwetter – all das geht an den meisten Menschen nicht
    spurlos vorbei. Doch statt noch einen Gang runterzuschalten, bis der
    Spuk vorüber ist, müssen viele trotzdem zu Hause Leistung bringen.

    Wer im Homeoffice arbeitet, hat nicht selten mit seinem inneren
    Schweinehund zu kämpfen. Die Motivation lässt leider oft zu wünschen
    übrig.

    Doch woran liegt das? Und vor allem: Was kann man dagegen tun?

    Eine Frage der Persönlichkeit

    Wie gut und motiviert jemand im Homeoffice klarkommt, hängt von den
    Umständen zu Hause, vor allem aber von der Persönlichkeit ab, wie
    Prof. Florian Becker weiss.

    Der Psychologe beschäftigt sich als Vorstand der Wirtschaftspsychologischen Gesellschaft in Deutschland mit Mitarbeiterpsychologie.

    Ein Faktor sei emotionale Stabilität: Wer nicht so stabil ist, lasse
    sich zu Hause stärker aus dem Gleichgewicht bringen und habe es
    schwerer, den Fokus auf die Arbeit zu richten.

    Ausserdem spiele die Gewissenhaftigkeit eine entscheidende Rolle: Wer gut planen und strukturieren kann und sich daran hält, dem fällt es auch leichter,
    motiviert zu bleiben.

    Im homeoffice
    Im Home Office motiviert zu bleiben, kann ganz schön herausfordernd sein. - Pexels

    Als drittes Persönlichkeitsmerkmal nennt Becker die Selbstregulation:
    «Wie gut ist jemand in der Lage, augenblicklichen Impulsen auch ohne
    soziale Kontrolle zu widerstehen?» Im Klartext: Wie sehr lässt man
    sich vom Handy oder vom Fernseher ablenken?

    Gegen die Ablenkung

    Becker rät, so gut es geht gegenzusteuern. Am besten sucht man sich
    einen festen Ort, an dem man zu Hause arbeitet. Dieser Platz werde
    dann auch gedanklich mit der Arbeit verknüpft.

    Unbedingt sollte man einen Plan aufstellen: Wann stehe ich auf? Wann
    arbeite ich, wann mache ich eine Pause?

    Wann kümmere ich mich um das Essen? Wann gehe ich raus? Wann treibe ich Sport? All das sollte man so verbindlich und detailliert wie möglich festlegen. Nur so werden daraus Gewohnheiten, und man bekommt eine feste Arbeitsstruktur.

    Wer sich ständig ablenken lässt, sollte überlegen, den «Störenfried» zu beseitigen. Becker sagt, er habe keinen Fernseher mehr. Leicht sei all das nicht, räumt er ein: «Es ist derzeit sehr viel intrinsische Motivation und Disziplin nötig, um weiter mit Vollgas zu arbeiten.»

    Nicht mehr als ein Grundrauschen

    Hinzu kommt: Die Online-Meetings sind inzwischen fast jeder leid, viele langweilen sich am heimischen Schreibtisch ohne neue Herausforderungen, und die Bindung zum Team geht nach und nach auch verloren.

    «Bei vielen läuft die Arbeit im Homeoffice wie ein Grundrauschen nebenher», sagt der Karrierecoach Bernd Slaghuis. «Was erledigt werden muss, das wird erledigt. Mehr aber auch nicht.»

    Da hilft dem Coach zufolge nur: aktiv werden, Probleme ansprechen und selbst etwas ändern. Zwar gebe Struktur Sicherheit und Halt, sie enge aber auch ein und führe zu der Routine, die so viele gerade demotiviert.

    Ein Paar am Morgentisch
    Noch im Pyjama ins Home Office ist keine gute Idee. - Pexels

    Gerade deshalb sollte man sich bewusst machen, welche positiven Seiten das Homeoffice hat und was man daraus machen kann: «Viele sitzen da mit zu viel Schwere. Dabei könnte man das Homeoffice total geniessen, aber viele haben die positiven Seiten vergessen.»

    Ein «Abendblitzlicht» frischt die Gruppendynamik auf

    Slaghuis rät, das Heft selbst in die Hand zu nehmen und zum Beispiel nur noch an Online-Meetings teilzunehmen, wenn es eine Agenda gibt. Oder anzusprechen, was einen an den Meetings stört und gemeinsam zu überlegen, was man ändern könnte.

    Führungskräfte sollten möglichst für Abwechslung sorgen, indem sie methodisch mehr Schwung in die Meetings bringen und andere Techniken und Präsentationsformen nutzen.

    Florian Becker schlägt ein «Abendblitzlicht» vor: eine Videokonferenz vor Feierabend, in der alle Teammitglieder sich zu Fragen austauschen wie «Wie geht es mir gerade? Was habe ich heute gemacht? Was lief gut? Was lief nicht so gut?»

    Dies gleiche fehlenden Kontakt vor Ort zumindest ein wenig aus und schaffe wieder eine Gruppendynamik, indem es das Gefühl vermittele: Daheim arbeiten ist normal, alle schaffen etwas.

    Es könne sogar ein kleiner Wettbewerb entstehen, der die Motivation fördert, «weil keiner am wenigsten gemacht haben will».


    ***
    Verfasser des Artikels: dpa

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