Myriam Speich: Bernerin bietet nach Auswanderung Bali-Reisen an
2019 wanderte die Bernerin Myriam Speich gemeinsam mit ihrer Tochter nach Bali aus. Sie bietet nun geführte Reisen fern vom Massentourismus an.

Das Wichtigste in Kürze
- Myriam Speich ist 50 Jahre und in Heimberg bei Thun aufgewachsen.
- 2019 ist sie mit ihrer Tochter nach Indonesien ausgewandert.
- Sie ist Mitgründerin des nachhaltigen Tourismusprojekts «Watu Pitu Telu» auf Flores.
- Aktuell pendelt sie zwischen Bern und Indonesien.
BärnerBär: Wie kam es dazu, dass Sie als Bernerin nach Bali ausgewandert sind?
Myriam Speich: Meine Mutter stammt von der indonesischen Insel Flores, mein Vater ist Schweizer. Dadurch haben mich schon früh zwei Kulturen geprägt, auch wenn ich den grössten Teil meines Lebens in der Schweiz verbracht habe.
2019 bin ich gemeinsam mit meiner Tochter nach Indonesien ausgewandert. Dort begann für mich ein völlig neues Kapitel, beruflich wie persönlich.
BärnerBär: Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Speich: Ich bin nicht nach Bali ausgewandert, um ein neues Leben zu suchen, sondern um einen Teil von mir selbst wiederzufinden. Ich wollte meinen Wurzeln näherkommen und meiner Tochter zeigen, dass es sich lohnt, den eigenen Träumen zu folgen, auch wenn sie Mut erfordern.
Bali wurde für mich zu einem Ort der Begegnung, der Inspiration und des Lernens. Ich durfte Menschen aus aller Welt kennenlernen, ein internationales Netzwerk aufbauen und Projekte ins Leben rufen, die Kultur, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft miteinander verbinden.
Diese Jahre haben mir gezeigt, dass Reisen weit mehr sein kann als Ferien. Es kann Menschen verbinden, Horizonte erweitern und neue Perspektiven eröffnen. Genau diese Erfahrung prägt bis heute alles, was ich tue.
BärnerBär: Wie entstand die Idee, Reisen anzubieten?
Speich: Ich habe erlebt, wie sehr Begegnungen mit Menschen den Blick auf ein Land verändern können. Genau daraus entstand die Idee, Reisen anders zu gestalten: persönlicher, bewusster und mit echtem Respekt für die Kultur und die Menschen vor Ort.
Besonders Flores liegt mir dabei am Herzen. Nicht nur, weil dort die Wurzeln meiner Familie liegen, sondern weil ich die Kultur und Herzlichkeit der Menschen mit anderen teilen möchte.
Mit «Watu Pitu Telu» möchten wir unseren Gästen nicht nur Indonesien zeigen, sondern ihnen ermöglichen, das Land wirklich zu erleben. Für mich bedeutet Reisen, mit offenen Augen und offenem Herzen unterwegs zu sein.

BärnerBär: «Watu Pitu Telu» gestaltet bewusst geführte Reisen fern vom Massentourismus. Was bedeutet das?
Speich: Ich glaube nicht an To-do-Listen in den Ferien. Ich glaube an Gespräche, an gemeinsames Essen, an Lachen, an Musik, an Märkte, an Sonnenuntergänge. Und an Momente, die man nicht planen kann. Genau dieses Gefühl möchten wir weitergeben.
BärnerBär: Wie kann man sich diese Reisen vorstellen?
Speich: Unsere Reisen richten sich an Menschen, die Indonesien nicht nur sehen, sondern erleben möchten. Wir reisen in kleinen Gruppen und nehmen uns Zeit für Begegnungen mit den Leuten vor Ort, ihrer Kultur, ihrer Küche und ihrer Lebensweise.
Uns geht es nicht darum, möglichst viele Sehenswürdigkeiten abzuhaken, sondern einen Ort so kennenzulernen, wie ihn die Einheimischen erleben.
BärnerBär: Während der Jahre auf Bali haben Sie das Print- und Online-Magazin «Instant Karma – The mindful Traveler» gegründet und eine Plattform für Frauen initiiert. Wie kam es dazu?
Speich: Eigentlich begann alles mit der Plattform «Bali Bandita». Ich wollte Frauen sichtbar machen, sie miteinander vernetzen und ihnen Mut machen, ihren eigenen Weg zu gehen.
Mir wurde aber schnell klar, dass ich dafür zuerst eine Community und ein internationales Netzwerk aufbauen musste. So entstand das Magazin «Instant Karma – The Mindful Traveler», das ich inzwischen abgegeben habe.
Mich haben vor allem Menschen inspiriert. Ich wollte denjenigen eine Stimme geben, die ein Land wirklich ausmachen und die man viel zu selten sieht oder hört. Ich habe nie ein Reisemagazin gegründet, weil ich Hotels testen wollte. Ich wollte Geschichten erzählen, die man nicht auf Booking.com findet.
Heute fliesst all das in «Watu Pitu Telu» weiter. Ich möchte nicht einfach von Indonesien erzählen, sondern sie einladen, das Land selbst zu erleben.
BärnerBär: Welches sind Ihre aktuellen Projekte?
Speich: Rückblickend fügt sich vieles zusammen, was ich in den letzten Jahren aufgebaut habe. Heute wird daraus mit «Watu Pitu Telu» etwas ganz Reales. Gemeinsam mit meinem Partner entwickeln wir ein Eco Resort direkt am Meer in Maumere auf Flores und gestalten Reisen und Retreats, die Menschen die Kultur, Natur und das Leben auf Flores näherbringen.
Gleichzeitig bin ich Teil des Schweizer Start-ups Hand on Water. Gemeinsam entwickeln wir nachhaltige Lösungen zur Meerwasserentsalzung. Aus Meerwasser entsteht mithilfe von Solarenergie Süsswasser für die Bewässerung von Nutzpflanzen – mit dem Ziel, die Lebensgrundlage von Bauern und Gemeinden in trockenen Regionen langfristig zu sichern.
BärnerBär: Wo leben Sie heute?
Speich: Im Moment lebe ich wieder für einige Monate in Bern – nicht nur, um Zeit mit meiner Tochter zu verbringen, sondern auch, um mein Netzwerk zu pflegen und neue Partnerschaften aufzubauen.
Die Schweiz und Indonesien gehören heute beide zu meinem Leben. Mein Wunsch ist es, künftig zwischen beiden Ländern zu pendeln und das Beste aus beiden Welten miteinander zu verbinden.
BärnerBär: Was haben Sie für die Zukunft geplant?
Speich: Ich freue mich auf alles, was noch kommt. Das Leben beginnt für mich dort, wo die Neugier grösser ist als die Angst. Genau diese Neugier hat mich dorthin geführt, wo ich heute bin.








