Martin Jucker: «Wer Stabilität im Leben will, muss mittanzen!»

    Martin Jucker
    Martin Jucker

    Wetzikon,

    «Ich lade Sie herzlich ein, unsere glorreiche Zukunft jeden Tag mitzugestalten.» Eine Kolumne von Martin Jucker.

    Martin Jucker.
    Martin Jucker schreibt regelmässig Kolumnen auf Nau.ch. - zVg

    Das Wichtigste in Kürze

    • Martin Jucker betreibt die bekannte «Jucker Farm» in Seegräben ZH.
    • Auf Nau.ch schreibt Jucker regelmässig Kolumnen.
    • Heute schreibt Jucker darüber, dass Stillstand Rückschritt bedeutet.

    Die Welt ist rund und dreht sich. Das ist Physik. Die Menschheit als Ganzes ist ein Teil des natürlichen Systems dieser Welt.

    Unser Leben hängt im Wesentlichen von einem intensiven Zusammenspiel aller Akteure ab. Von den kleinsten Viren, Bakterien und Pilzen bis zum grossen Elefanten. Sie können sich das wie einen grossen Vogelschwarm vorstellen, der in perfekter Formation am Himmel tanzt.

    Niemand weiss, wie das genau funktioniert. Aber es funktioniert. Alles synchron, ohne einen Dirigenten oder Chef weiss jeder Vogel, was er zu tun hat. Ein harmonisches Zusammenspiel.

    Ein Vogelschwarm ist keine Menschengruppe. Trotzdem ist der Vergleich nicht falsch.

    Ein Vogelschwarm
    Ein Vogelschwarm. - AFP

    Unser Leben ist immer in Bewegung

    Bei uns Menschen gibt es ähnliche Verhaltensmuster, zum Beispiel an einem Konzert. Voller Euphorie applaudiert das Publikum wild durcheinander. Nach einer gewissen Zeit beginnt sich das Klatschen der Hände von selbst zu synchronisieren und ehe wir uns versehen, klatschen wir alle im selben Takt. Harmonisch und aufeinander abgestimmt.

    Für mich ist das ein Zeichen dafür, dass wir uns in einer Welt befinden, in der alles im Fluss ist und nichts stehen bleibt. Wie der Vogelschwarm, der weiterfliegt und dabei immer wieder seine Formation ändert, ist auch unser Leben immer in Bewegung.

    Wie die meisten Menschen suche ich nach Stabilität und Sicherheit.

    Um diese zu erreichen – auch wenn es im ersten Moment widersprüchlich klingen mag – muss ich dieses System der stetigen Veränderung mitmachen. Oder schöner gesagt: mittanzen.

    Bist du bereit für Veränderungen?

    Man stelle sich vor: Ein Vogel in einem grossen Schwarm fühlt sich total gut und wohl. Wenn er will, dass das so bleibt, dann muss er mitfliegen und dabeibleiben. Wenn er sich gegen neue Formationen sträubt, wird er sofort kollidieren. Und steht er gar still, fällt er aus dem Schwarm. Und er prallt zu Boden.

    Stillstand bedeutet Rückschritt

    Sie haben es bestimmt schon gemerkt, es geht hier nicht um Vogelkunde. Stattdessen will ich mit diesem Vergleich eine Brücke zu uns als Gesellschaft und zur Politik schlagen.

    Wir haben einen hohen Lebensstandard erreicht. Den möchten wir bewahren. Wir wollen das Erbe unserer Vorfahren schätzen. Und wir wollen, dass es uns weiterhin so gut geht wie jetzt – oder noch besser.

    Dabei laufen wir Gefahr, Stabilität durch Stillstand erreichen zu wollen. Stillstand jedoch bedeutet Rückschritt.

    Aber warum ist Stillstand so verlockend? Hier spielt uns unser Hirn oft einen Streich.

    Wir müssen uns weiterentwickeln

    Wir vergessen sehr schnell die schlechten Dinge. Und wir erinnern uns nur noch an die glorreichen Zeiten der Vergangenheit. Es entwickelt sich ein Gefühl der Nostalgie. Wir wollen auch in Zukunft Gutes erfahren. Es muss also alles so sein wie früher, so der Trugschluss.

    Ich möchte mit meiner ganzen Kraft dazu beitragen, dass wir auch weiterhin glorreiche Zeiten erleben werden. Dazu müssen wir uns aber weiterentwickeln.

    Es darf nicht sein, dass wir unsere ganze Kraft dafür aufwenden, dass alles in unserem Leben und unserer Umwelt so geregelt ist, dass sich nichts mehr ändern darf und kann.

    Wenn wir hartnäckig auf Stillstand pochen, ist garantiert, dass wir unseren Lebensstandard verlieren werden. Und es stellt sich nur noch die Frage, wie hart wir auf dem Boden aufschlagen werden.

    Ich lade Sie herzlich ein, unsere glorreiche Zukunft jeden Tag mitzugestalten.

    Niemand muss den ganzen Vogelschwarm organisieren. Das geht von allein, wenn alle mittanzen und alle in ihrem direkten Umfeld mitmachen.

    Die Politik lade ich ein, aus der Vergangenheit zu lernen, aber keinesfalls zurück zu wollen.

    Die Zukunft liegt nie in der Vergangenheit. Das Zitat des 1957 verstorbenen italienischen Schriftstellers Giuseppe Tomasi di Lampedusa: «Wenn du willst, dass alles so bleibt wie es ist, musst du alles ändern», regt zum Nachdenken an. Und richtet sich hier an alle Schutzverbände als Hilfe zur Selbstreflexion.

    Martin Jucker Klimawandel
    Martin Jucker von der bekannten «Jucker Farm» in Seegräben ZH. - zVg

    Zur Person

    Martin Jucker ist gelernter Obstbauer und hat sich mit der «Jucker Farm» in Seegräben ZH über die Landesgrenzen hinweg einen Namen gemacht. Er steht für innovative, nachhaltige und unabhängige Landwirtschaft. 2014 wurde er zusammen mit seinem Bruder Beat als bisher einziger Bauer zum Schweizer Unternehmer des Jahres gewählt.

    Kommentare

    User #2680 (nicht angemeldet)

    Mit der Schwarmintelligenz der Gutmenschen, oder derjenigen, welche Glauben, Ihre eigenen Überzeugungen als Massstab für die Masse verwenden zu können, tanze ich nicht mit.

    User #5341 (nicht angemeldet)

    Alle tanzen zur digitalisierung mit, wie sie auch zur wohnungsnot und teuerung und E-ID und cashless mittanzen, dann tanzen alle mit mit der KI und dann frisst die KI alle tanzenden auf..

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