400'000 Franken für Abstimmung, aber kein Geld zum Flicken des Dachs

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Breiter Widerstand gegen das Projekt «Eiger»: Kritiker warnen vor hohen Kosten, offener Finanzierung und zunehmenden Verkehrsproblemen.

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Das Co-Präsidium des Referendumkomitees will lieber in Kultur statt in Beton investieren (von links): Grossrätin Sibylle Plüss, Grossrätin Christine Bühler, Grossrat Samuel Krähenbühl, Grossrat Beat Cattaruzza, Grossrat Samuel Kullmann, Grossrätin Pauline Pauli. - SVP Bern

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Berner Volk stimmt am 14. Juni über den Projektierungskredit von 15,7 Millionen ab.
  • Das Nein-Komitee kritisiert hohe Kosten, unklare Finanzierung und neue Verkehrsprobleme.
  • Bei einer Umsetzung müsste das Kunstmuseum mehrere Jahre geschlossen werden.

Das Kunstmuseum Bern will viel Geld investieren. Nicht weniger als 147 Millionen, bei einer Kostengenauigkeit von ungefähr 25 Prozent, wollen sie in eine Sanierung und einen Neubau stecken. Bezahlen soll vor allem der Kanton Bern: 81 Millionen Staatsbeitrag plus 14 Millionen aus dem Kulturförderungsfonds. Das Berner Volk stimmt am 14. Juni über den Projektierungskredit von 15,7 Millionen ab.

«Marodes Museum»

Die Verantwortlichen des Kunstmuseums Bern zeichnen in diversen Medien ein düsteres Bild des Zustandes ihrer Institution. Laut einem Bericht von SRF ist das Museum «marode». Es habe wiederholt Wassereinbrüche gegeben, weil Rohre undicht seien. In Ausstellungssälen hätten sich Pfützen gebildet. Zudem sei die Infrastruktur gemäss den Verantwortlichen des Museums inzwischen so schlecht, dass bedeutende Leihgaben anderer Museen teilweise nicht mehr nach Bern gebracht würden.

Das überparteiliche Nein-Komitee ist erstaunt über diese alarmierenden Schlagzeilen. Der Kanton Bern unterstützt das Kunstmuseum Bern derzeit mit einem jährlichen Betriebsbeitrag von 6,35 Millionen Franken. Der Betrag gilt gemäss Leistungsvertrag für die Jahre 2023 bis 2026. Doch trotz dieser sehr grosszügigen Betriebsbeiträge wird offenbar seit Jahren der Unterhalt der Gebäude seit Jahren vernachlässigt.

Teure Abstimmungskampagne, aber kein Geld für Dachdecker

Vor diesem Hintergrund zeigte sich das Komitee erstaunt darüber, dass das Pro-Komitee gemäss eigenen Angaben in diversen Medien bis zu 400'000 Franken für den Abstimmungskampf einsetzen will. Aus Sicht des Nein-Komitees wäre dieses Geld besser direkt in kulturelle Angebote investiert. Oder in die Reparatur des undichten Daches. Alternativ könnten auch Mittel durch einen etwas bescheideneren Lohn für die Direktorin freigemacht werden. Gemäss Medienberichten verdient sie rund 300'000 Franken im Jahr und somit mehr als ein Berner Regierungsrat.

Stattdessen fordert das Nein-Komitee eine Kulturpolitik mit Augenmass – und mehr Investitionen in Kunst statt in Beton. Das Nein-Komitee kritisiert insbesondere die hohen Kosten, die unklaren finanziellen Perspektiven sowie die verkehrspolitischen Folgen des Projekts. Aus Sicht des Komitees ist das geplante Bauvorhaben überdimensioniert und mit erheblichen Risiken verbunden.

Kunst soll unter die Menschen – nicht in teure Prestigeprojekte

Beat Cattaruzza, Grossrat GLP Nidau, Gründer und ehemaliger Präsident der Kulturinstitution DISPO in Nidau, kritisiert, dass beim Projekt «Eiger» primär Architekten und nicht Kunstschaffende einbezogen worden seien. Das Projekt wirke austauschbar und wenig inspirierend. Es sei «langweilig» und erinnere stark an bestehende Projekte, etwa an das Museumskonzept der Fondation Beyeler in Basel.

Christine Bühler, Grossrätin Mitte, Romont, verweist darauf, dass gemäss Angaben auf der Website des Kunstmuseums Bern Stand März 2026 weiterhin rund 11 Millionen Franken an gesicherten Mitteln fehlten.

Zudem seien weitere Kosten absehbar, etwa im Zusammenhang mit der Abgrenzung zur benachbarten Polizeiwache. Diese Kosten seien bislang nicht im Projekt enthalten, was zusätzliche finanzielle Risiken mit sich bringe.

Verkehrliche Auswirkungen dürfen nicht unterschätzt werden

Sibylle Plüss, Grossrätin FDP, Vechigen, äussert Kritik an möglichen verkehrlichen Konsequenzen des Projekts. Insbesondere die drohende Schliessung beziehungsweise starke Verkehrsberuhigung der Hodlerstrasse sei weiterhin nicht vom Tisch.

Entscheidend sei dabei, dass die geplanten Verkehrsänderungen keine Erfindung der Gegnerinnen und Gegner seien. Vielmehr halte selbst das Befürworter-Komitee fest, dass die Hodlerstrasse «weitgehend verkehrsberuhigt» werden solle. Genau dies bestätige die Sorgen des Nein-Komitees. Die Interessen von Wirtschaft und Verkehr müssten zwingend stärker berücksichtigt werden.

Stimmvolk soll das letzte Wort haben

Samuel Kullmann, Grossrat EDU, Thun, betont die demokratische Dimension der Abstimmung. Gerade weil die rechtlichen Grundlagen Spielraum liessen und eine vollständige Mitfinanzierung nicht gesichert sei, sei es richtig und wichtig, dass das Stimmvolk über dieses Projekt entscheiden könne.

Es gehe nicht um ein Ja oder Nein zur Kunst. Vielmehr gehe es um Augenmass, klare Prioritäten und einen verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern.

Mehrjährige Schliessung droht auch bei Umsetzung des Projekts

Samuel Krähenbühl, Grossrat SVP, Unterlangenegg, zeigt sich überrascht über die Darstellung, wonach eine Ablehnung des Kredits zu einer teilweisen Schliessung des Kunstmuseums führen würde.

Tatsache sei vielmehr, dass gemäss Angaben des Regierungsrates bei einer Umsetzung des Projekts «Eiger» das Kunstmuseum von 2029 bis 2033, also während rund vier Jahren, vollständig geschlossen wäre. Zudem sei auch für das Nein-Komitee klar, dass das Kunstmuseum Bern saniert werden müsse. «Aber mit einem realistischen Projekt und einer fairen Finanzierung, bei der nicht in erster Linie der Kanton Bern die Hauptlast tragen muss», betont er.

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