Das fünfte Rad: Die Park-Revolution von damals

Maia Schmied
Maia Schmied

Ein ausfahrbares fünftes Rad als Einparkhilfe? Erfahren Sie alles über Brooks Walkers kuriose Erfindung und warum die geniale Mechanik dennoch scheitern musste.

Auto mit 5. Rad
Zu teuer für die Serie und der Kofferraum zu klein: Das geniale Konzept setzte sich nie bei den grossen Herstellern durch. - FlexPost (Screenshot)

Die Parkplatzsuche in engen Innenstädten strapaziert seit jeher unsere Nerven. Während wir heute auf Sensoren und Kameras vertrauen, suchten Tüftler früher nach rein mechanischen Lösungen.

Ein ausfahrbares Reserverad im Kofferraum sollte das seitliche Einparken nach der Idee des US-Amerikaners Brooks Walker revolutionieren. Diese Technik nutzte die physikalische Hebelwirkung, um das gesamte Fahrzeugheck sanft anzuheben.

Der Wagen schwenkte daraufhin wie ein Kreisel präzise in die kleinste Parklücke. Wir werfen heute einen Blick auf diesen faszinierenden Vorläufer moderner Einparkassistenten.

Die Mechanik des Schwenkens

Der Erfinder Brooks Walker präsentierte bereits in den 1930er Jahren den ersten funktionsfähigen Prototyp. Ein quer eingebautes Rad senkte sich per Knopfdruck aus dem Heckbereich auf den Asphalt ab.

Sobald das Rad festen Bodenkontakt hatte, hob es die Hinterräder des Wagens komplett an. Über eine direkte Verbindung zum Getriebe drehte sich das fünfte Rad und manövrierte das Auto seitlich.

1950er Auto mit einem 5. Rad.

Diese Konstruktion erforderte eine äusserst komplexe Anbindung an die Hydraulik und die Kardanwelle des Fahrzeugs. Der Fahrer konnte so theoretisch in Lücken gleiten, die kaum länger als der eigentliche Wagen waren.

Warum der Durchbruch scheiterte

Trotz der beeindruckenden Vorführungen im Alltag setzten sich diese Systeme niemals flächendeckend auf dem Markt durch. Das grösste Hindernis stellte der enorme Platzbedarf im hinteren Teil des Automobils dar.

Das zusätzliche Rad und die wuchtige Hubmechanik beanspruchten fast den gesamten Stauraum im Kofferraum. Zudem trieben die hohen Produktionskosten den Preis für Neuwagen massiv in die Höhe.

Mechanische Defekte an der Aufhängung führten zudem oft zu äusserst kostspieligen Reparaturen in der Fachgarage. Schliesslich erwies sich das hohe Zusatzgewicht als Belastung für das Fahrverhalten und den Benzinverbrauch.

Das Comeback in den Siebzigern

In den 1970er Jahren erlebte die Idee aufgrund der zunehmenden Verkehrsdichte eine kurze, aber intensive Renaissance. Ingenieure versuchten, das System mit moderneren Elektromotoren kompakter und wesentlich effizienter zu gestalten.

Doch auch die verbesserten Versionen konnten die grundlegenden konstruktiven Mängel nicht vollständig beheben. Die Kundschaft bevorzugte damals lieber mehr Laderaum für den Familieneinkauf statt technischer Spielereien.

Zeitgenössisches Dokument zur Entwicklung ...

Heutige Softwarelösungen und feine Ultraschallsensoren haben die mechanische Schwerstarbeit längst überflüssig gemacht. Dennoch bleibt das schwenkbare Reserverad ein wichtiger Meilenstein für den Erfindergeist im weltweiten Automobilbau.

Parallelen zur heutigen Technik

Aktuelle Fahrzeuge nutzen statt mechanischer Hebel lieber die intelligente Lenkung der vorhandenen Hinterachse. Diese moderne Allradlenkung verbessert den Wendekreis in engen Parkhäusern ganz ohne ein klobiges Zusatzrad.

Sensoren berechnen heutzutage den perfekten Einschlagwinkel für das vollautomatisierte Manövrieren in absoluter Echtzeit. Der Geist von Walkers Erfindung lebt somit in jedem modernen Parkassistenten unserer Zeit weiter.

Nostalgiker blicken heute bewundernd auf die kühnen Versuche der vergangenen Jahrzehnte und Epochen zurück. Technische Innovation erforderte eben schon immer den Mut zu aussergewöhnlichen und manchmal riskanten Ideen.

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