Appenzellerland

    Was wollen Sie in Herisau AR verändern, David Zuberbühler?

    Andreas Lehmann
    Andreas Lehmann

    Herisau,

    David Zuberbühler empfiehlt sich für das Gemeindepräsidium. Im Interview spricht «Dä Zubi» über seine Motivation und seine Pläne für Herisau AR.

    Zubis Herz schlägt für Herisau und er möchte als Gemeindepräsident den Hebel am richtigen Ort ansetzen.
    Zubis Herz schlägt für Herisau AR und er möchte als Gemeindepräsident den Hebel am richtigen Ort ansetzen. - Andreas Lehmann

    David Zuberbühler möchte es noch einmal wissen und empfiehlt sich für das Gemeindepräsidium. Die Nomination durch die SVP-Ortspartei dürfte Formsache sein.

    Im Interview erzählt «Dä Zubi», wie er im Volksmund genannt wird, was ihn antreibt und wo er als «Gmendshöptlig» den Hebel in Herisau AR ansetzen würde.

    Redaktion: David Zuberbühler, Sie vermissen die Politik. Was genau fehlt Ihnen – und was reizt Sie am Gemeindepräsidium mehr als ein weiteres politisches Mandat auf kantonaler oder nationaler Ebene?

    David Zuberbühler: Mir fehlt der direkte Austausch mit den Menschen: diskutieren, zuhören, Lösungen suchen. Die Politik begleitet mich, seit der Jugend. Ein kantonales oder nationales Mandat reizt mich aber heute nicht mehr. Herisau ist meine Heimat – hier möchte ich mich einbringen.

    Jetzt möchte ich etwas zurückgeben und mich dort engagieren, wo ich zu Hause bin, wo ich die Menschen kenne und wo politische Entscheidungen unmittelbar spürbar sind.

    Redaktion: Sie gaben Ihren Rücktritt aus dem Nationalrat aus beruflichen Gründen. Was hat sich seither verändert, dass Sie nun wieder ein politisches Vollamt anstreben?

    Zuberbühler: Mein Rücktritt hatte einen klaren beruflichen Grund. Nach dem Weggang unseres Verkaufsleiters übernahm ich die operative Verantwortung der Hälg Markenschuhe AG. Zehn Jahre Nationalrat waren zudem ein guter Zeitpunkt für Veränderung.

    Eingang der Gemeindeverwaltung in Herisau. - Nau.ch / Simone Imhof
    Eingang der Gemeindeverwaltung in Herisau. - Nau.ch / Simone Imhof

    Als mich die SVP erstmals fragte, ob ich mir eine Kandidatur vorstellen könnte, habe ich abgesagt. Später, als die Findungskommission mögliche Kandidaten angefragt hatte, kam die Partei nochmals auf mich zu.

    Je länger ich mich damit auseinandersetzte, desto klarer wurde mir: Diese Chance möchte ich nicht verpassen. Die Firma ist heute in gutem Zustand und wir sind zuversichtlich, eine gute Nachfolgelösung zu finden.

    Redaktion: Sie bezeichnen Herisau als Ihre politische Heimat und sagen, Sie wollten ihr noch etwas geben. Was fehlt Herisau aus Ihrer Sicht heute – und was könnten Sie als Gemeindepräsident konkret dazu beitragen?

    Zuberbühler: Herisau fehlt es an nichts Grundlegendem. Wir haben vielseitige Einkaufsmöglichkeiten, gute Schulen, ein starkes Vereinsleben, engagierte Menschen, attraktive Arbeitsplätze und eine gute Verkehrslage. Diese Ausgangslage dürfen wir nicht verspielen.

    Ich möchte Herisau als Wohn- und Wirtschaftsstandort attraktiv halten, eine bürgernahe Verwaltung fördern und sorgfältig mit den Finanzen umgehen.

    Redaktion: Sie sprechen davon, Bewährtes erhalten und gleichzeitig neue Ideen entwickeln zu wollen. Wo sehen Sie in Herisau aktuell den grössten Handlungsbedarf – und wo würden Sie als Erstes den Hebel ansetzen?

    Zuberbühler: Die Finanzen sind für mich die grösste Herausforderung. Wir müssen die finanzielle Handlungsfähigkeit sichern, Prioritäten setzen und den Steuerfuss möglichst stabil halten. Bei allen anderen Themen gilt für mich: Luege, Lose, Laufe – zuerst hinschauen und zuhören, dann handeln.

    Zubi 2
    David Zuberbühler. - Andreas Lehmann

    Redaktion: Wenn Sie heute drei Dinge nennen müssten, die Sie in Herisau in den nächsten vier Jahren verändern oder vorantreiben möchten: Welche wären das?

    Zuberbühler: Erstens gesunde Finanzen, zweitens ein attraktiver Wohn- und Wirtschaftsstandort und drittens Bürgernähe. Herisau soll auch in Zukunft ein Ort sein, an dem man gerne lebt, arbeitet und eine Familie gründet. Gleichzeitig soll die Verwaltung nahe bei den Menschen sein.

    Redaktion: Herisau steht – wie viele Gemeinden – vor finanziellen Herausforderungen. Sie betonen, dass Steuergelder sorgfältig eingesetzt werden müssten. Wo würden Sie sparen, wo investieren und wo allenfalls auch bewusst Prioritäten setzen?

    Zuberbühler: Ich würde heute keine konkreten Spar- oder Investitionsprojekte nennen. Dafür kenne ich die einzelnen Dossiers und Zahlen noch zu wenig. Entscheidend ist für mich: Was ist notwendig?

    Was können wir uns leisten? Und wo bringt eine Investition Herisau tatsächlich weiter? Es geht nicht einfach um den Rotstift, sondern um klare Prioritäten.

    Redaktion: Als Unternehmer verfügen Sie über viel Führungserfahrung. Was kann Herisau von einem Unternehmer als Gemeindepräsident erwarten?

    Zuberbühler: Ich bin es gewohnt, sorgfältig mit finanziellen und personellen Ressourcen umzugehen. Wir dürfen nicht auf Kosten kommender Generationen leben. Bei neuen Projekten muss man genau hinschauen. Manchmal ist ein Nein nicht destruktiv, sondern ein Ja zu einer besseren Lösung.

    Genauso wichtig ist mir der Umgang mit den Mitarbeitenden: Man muss Menschen mögen, ihnen zuhören und Wertschätzung entgegenbringen.

    Redaktion: Wo unterscheidet sich die Führung einer Gemeinde am stärksten von der Führung eines Unternehmens?

    Zuberbühler: In einem Unternehmen kann man vieles selbst und relativ schnell entscheiden. In einer Gemeinde gibt es gesetzliche Vorgaben und politische Prozesse. Unterschiedliche Meinungen müssen ernst genommen werden. Das braucht Zeit, Zuhören und den Willen, gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden.

    Würdest du David Zuberbühler als Gemeindepräsident von Herisau wählen?

    Redaktion: Sie sagen, Sie möchten Gemeindepräsident für alle Herisauer sein. Was bedeutet dieser Anspruch für Sie konkret – gerade auch gegenüber Menschen, die politisch ganz anders denken als Sie?

    Zuberbühler: Ich bin SVP-Mitglied und stehe zu meinen Überzeugungen. Als Gemeindepräsident geht es aber in erster Linie um die Menschen in Herisau. Deshalb will ich den Austausch mit allen suchen, unabhängig von ihrer politischen Richtung. Im Gemeinderat darf es auch einmal richtig zur Sache gehen.

    Entscheidend ist, sachlich zu bleiben, zuzuhören und gemeinsam die beste Lösung für Herisau zu suchen. Ich möchte als Gemeindepräsident keine Parteipolitik machen, sondern mich für Herisau einsetzen.

    Redaktion: Wenn Sie heute mit dem Blick des erfahrenen Politikers auf Ihre Heimatgemeinde schauen: Was macht Sie stolz auf Herisau – und was ärgert Sie, weil Sie überzeugt sind, dass es besser gehen könnte?

    Zuberbühler: Stolz machen mich das starke Gewerbe, die guten Schulen, das Vereinsleben, das freiwillige Engagement und die Nähe zur Natur. Herisau hat eine hohe Lebensqualität. Beim Thema Sicherheit müssen wir beim Kanton auf genügend Polizeipräsenz hinwirken.

    Herisau Appenzell Ausserrhoden
    Blick auf Herisau und die Appenzeller Hügellandschaft. - Gemeinde Herisau

    Ich bin im Quartier Säge aufgewachsen, das seit rund 70 Jahren unter der enormen Verkehrsbelastung leidet. Deshalb ist mir wichtig, dass die Umfahrung Alpsteinstrasse endlich vorankommt.

    Zudem möchte ich die zentralen Areale Lindenhof und Alter Schlachthof sowie das Gebiet Nordhalde sinnvoll entwickeln – Herisau braucht Wohnraum und Gewerbeflächen. Auch über mehr Eigenverantwortung der Gemeinden bei der Sozialhilfe sollte man diskutieren.

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst in den «Herisauer Nachrichten» erschienen.

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