Mike Egger: «Will einfach nicht Zustände wie in Paris»

Max Kern
Max Kern

St. Margrethen,

Der St. Galler SVP-Nationalrat Mike Egger kämpft für ein Ja zur Neutralitätsinitiative. Im Interview spricht er über Politik, Windeln und Blocher.

Egger
Lisa Vincenz Egger und Mike Egger auf einem Spaziergang mit Söhnchen Max, der am 12. August das Licht der Welt erblickte. - pd

Das Wichtigste in Kürze

  • Mike Egger spricht im grossen Interview über Politik, Windeln und Blocher.
  • Der SVP-Nationalrat sieht in Parallel-Gesellschaften eine gefährliche Entwicklung.
  • Mike Egger: «Ich will einfach nicht Zustände wie in Paris»

Der St. Galler SVP-Nationalrat Mike Egger (34) kämpft neben dem Job als Fleischfachmann für ein Ja zur Neutralitätsinitiative. Er spricht über Windeln, Politik und Blocher.

Redaktion: Wie tief ist Ihr Schlaf neu gewordener Vater in letzter Zeit?

Mike Egger: Nicht sehr tief und auch kürzer. In der Regel erwacht Max alle zwei Stunden. Und in dem Fall der Papa auch. Aber ich muss fairerweise sagen: Max und meine Frau Lisa machen das sehr gut.

Ich schlief schon vor seiner Geburt am 12. August im Schnitt nur etwa fünf Stunden. Ich stehe morgens um viertel nach vier Uhr auf, ich fahre spätestens um fünf Uhr ab, damit ich etwa um sechs Uhr an meinem Arbeitsort in der Lucarna Macana in Hinwil im Zürcher Oberland bin.

Redaktion: Sie wohnen in Berneck, im Rheintal. Kein kurzer Arbeitsweg …

Egger: … das ist definitiv so. Unsere Gruppe ist schweizweit operativ – und in Hinwil ist einer der grössten Standorte mit über 220 Arbeitsplätzen.

Redaktion: Wie geht's mit Windeln wechseln?

Egger: Gut eingeübt, würde ich sagen. Als bekannt wurde, ob es ein Mädchen oder ein Bub werden wird, haben unsere Familienmitglieder uns getestet, mit einer Puppe.

Wir mussten mit verbundenen Augen die Windeln wechseln, schon damals habe ich nicht so schlecht abgeschnitten. Somit funktioniert’s auch jetzt gut.

Mike Egger SVP
Mike Egger, Nationalrat der SVP, spricht am Rednerpult. - keystone

Redaktion: Als Namensvetter ihres kleinen Jungen darf ich fragen: Wie kamen Sie auf den antiquierten Vornamen Max?

Egger: Das ist lustig. Meine Frau war so begeistert vom Holz-Muni am ESAF im Glarnerland, sie schwärmte immer von Max. Einer der drei Eigentümer unserer Unternehmung heisst mit zweitem Vornamen Max.

Darum haben meine Frau und ich gefunden, das passt. Und wenn unser Max nur halbwegs so erfolgreich ist wie der Eigentümer unserer Unternehmensgruppe, dann kommt es gut.

Redaktion: Wann hatten Sie letztmals «Lämpä» mit Ihrer Schwiegermutter Susanne Vincenz-Stauffacher, die Co-Präsidentin der FDP ist?

Egger: Wichtig ist mir zu betonen, dass wir trotz politischer Differenzen ein sehr gutes Verhältnis haben. Aber wir haben selbstverständlich Differenzen, wenn es um Asyl-Fragen geht, dort wäre aus meiner Sicht gut, wenn die FDP konsequenter wäre.

Die letzte Auseinandersetzung war aber sicher bei der Nachhaltigkeits-Initiative, wo wir bekannterweise unterschiedliche Meinungen hatten. Das konnte ich auch nicht kitten. Und in Zukunft kommen dann ja die EU-Unterwerfungs-Verträge, da haben wir komplett andere Meinungen.

Redaktion: Wie wichtig ist für Sie die Neutralitäts-Initiative, über die wir am 27. September abstimmen werden?

Egger: Die Neutralitäts-Initiative ist für die Schweiz sehr wichtig. Ich finde auch, das Plakat der Neutralitäts-Initiative bringt das wichtigste Argument auf den Punkt: «Kein Krieg». Die Neutralität hat uns seit dem Wiener Kongress 1815 genau vor dem bewahrt: Kein Krieg.

Auch in Krisenzeiten, im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Im Zweiten noch stärker, wo wir uns nicht reinziehen liessen von den Konflikt-Parteien, das war damals überlebenswichtig, damit die Schweiz und ihre Bevölkerung vor grossem Elend und Leid verschont wurde. Und man sollte sich gerade in Friedenszeiten auf das zurückbesinnen.

Neutralitätsinitiative
Die Neutralitätsinitiative verlangt unter anderem ein weitgehendes Sanktionsverbot. - keystone

Am Schluss, und da bin ich der festen Überzeugung, sollte die Schweiz innerhalb von Europa das Land sein, das jederzeit zwischen zwei Konflikt-Parteien die guten Dienste anbieten kann, Verhandlungen führen, weil wir neutral sind.

Und dazu gehört eben auch die Grösse zu haben, jemanden nicht zu verurteilen, auch wenn man persönlich eine andere Meinung hat.

Als Vermittler-Staat muss man neutral bleiben. Krieg kennt nur Verlierer, auf beiden Seiten. Auf beiden Seiten sind es am Schluss junge Menschen, die sterben, weil sich die Politik nicht einig ist. Und das ist etwas Schlimmes.

Und die Schweiz könnte da gute Dienste leisten, indem sie die Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien führt. Und deshalb ist diese Initiative wichtig, und es wäre ein Zeichen in die Welt hinaus für mehr Frieden und weniger Macht- und Selbstdarstellungs-Politik.

Würdest du für die Neutralitätsinitiative stimmen?

Redaktion: Ein Zeichen auch an Russland?

Egger: Auch an Russland, an die Ukraine, an die USA, an die Europäische Union. Es würde einfach nochmals unseren Standpunkt unterstreichen, dass wir der Ort sein wollen, an dem Frieden an einem runden Tisch und nicht auf dem Schlachtfeld entstehen kann. Und das ist etwas sehr Nobles für ein Land.

Redaktion: Wie wichtig war für Sie der Sieg in Sachen Unverjährbarkeit von Mord? Es war ein langer Kampf, oder?

Egger: Ja, das war ein sehr langer Kampf. Ich muss da ein wenig zurückbuchstabieren: Denn es gab im Ständerat dazu einen Rückkommens-Antrag.

Redaktion: Von wem?

Egger: Das darf ich nicht sagen, sonst würde ich das Kommissions-Geheimnis brechen. Man kann es sich ja in etwa vorstellen. Die Kommission für Rechtsfragen ist letzte Woche leider dem Antrag der Schwesterkommission gefolgt.

Nun müssen die beiden Räte nochmals über die Unverjährbarkeit von Mord befinden. Ein solches Vorgehen ist sehr untypisch, da beide Räte der Unverjährbarkeit bereits zugestimmt haben. Ich hoffe deshalb inständig, dass sowohl der Ständerat als auch der Nationalrat an ihren Entscheiden festhalten.

Alles andere wäre eine grosse politische Enttäuschung. Das Thema ist für mich sehr wichtig, da es die Menschen sehr bewegt. Immer noch. Ich bekomme immer wieder positive Zuschriften zu diesem Thema.

Redaktion: Wann war der Doppelmord an den beiden Mädchen in der Kristallhöhle in Oberriet?

Egger: Das war in den 80er-Jahren.

Redaktion: Folglich haben Sie mit Jahrgang 1992 nur davon gehört.

Egger: Richtig! Ich habe nur davon gehört. Ich kam auf die Idee wegen der Unverjährbarkeit von Morden, weil mir ein Kriminalpolizist gesagt hat, das sei etwas vom Schlimmsten, wenn man den Angehörigen sagen müsse:

Wir können jetzt nicht mehr weiterermitteln, das Thema wird jetzt zur Seite gelegt, es ist nicht mehr strafbar, auch wenn man den Täter finden würde. So kam das Ganze ins Rollen. Und politisch war es auch sehr spannend. Daniel Jositsch

Redaktion: … der Zürcher Ständerat, damals noch SP-Mitglied …

Egger: Ja, er hat mich von Anfang an massiv unterstützt. Und ich muss sagen: Ohne Dani Jositsch wären wir im Ständerat gescheitert.

Redaktion: Thema-Wechsel. Wann waren Sie zuletzt im «Haus der Freiheit» von Ex-SVP-Präsident Toni Brunner im Toggenburg?

Egger: Vor gut eineinhalb Monaten. Und Freitag vor einer Woche hätte ich dort ein Nachtessen mit zwei Metzger-Kollegen gehabt. Aber aufgrund der Geburt unseres Sohnes am 12. August musste ich diesen Termin schieben.

Es zieht mich aber immer wieder nach Ebnat-Kappel ins «Haus der Freiheit» zu Esther und Toni. Dort kann ich nicht nur die Zeit geniessen, sondern wir schmieden auch politische Themen.

Redaktion: Ständerätin Esther Friedli war Gast an Ihrer Hochzeit, ihr Gatte Toni Brunner fehlte, weshalb?

Egger: Ja, er hatte einen Termin mit Christoph Blocher und Walter Frey. Da das «Haus der Freiheit» geöffnet war, musste Toni Brunner vor Ort sein – als Wirtesohn kenne ich dies nur zu gut. Und Christoph Blocher schickte dafür seine Tochter Magdalena Martullo-Blocher an die Hochzeit (lacht).

Toni Brunner
Toni Brunner war von 2008 bis 2016 Parteipräsident der SVP. - keystone

Nein, ernsthaft, ich hatte grosse Freude, dass unter anderem Magdalena, Thomas Aeschi und Marcel Dettling ebenfalls zu den Gästen zählten. Es war auch dank ihnen ein unvergessliches Fest.

Redaktion: Wie würden Sie das Werk von SVP-Übervater Christoph Blocher würdigen?

Egger: Unbeschreiblich – in einem Wort. Unbeschreiblich, was dieser Mensch für die Schweiz geleistet hat. Sie wäre ohne Christoph Blocher eine andere, ohne seinen unglaublichen Einsatz für die Schweiz.

Er hat die Politik und das Interesse der Schweizer Bevölkerung und das Wohl für die Schweiz über alles gestellt, auch über die eigene Karriere. So jemanden gibt es kein zweites Mal.

Redaktion: Was steht für Sie als Nächstes auf der politischen Agenda?

Egger: Der nächste grosse Kampf ist der EU-Unterwerfungs-Vertrag. Da müssen wir alles investieren, damit wir dieses Vertrags-Monster bodigen können. Ich habe mir erlaubt, den gesamten Vertrag auszudrucken, das sind eben nicht nur die 2228 Seiten, sondern auch die über 20 000 Seiten Verordnungstexte.

Zur Person

Name: Mike Egger

Bürgerort: Berneck / SG

Geboren: 2. August 1992

Zivilstand: Verheiratet mit Lisa Vincenz-Egger

Kinder: Seit 12. August 2026 Vater von Söhnchen Max

Beruf: Gelernter Metzger, Fleischfachmann, Executive MBA FH GR. Stv. CEO der MALU Holding AG (Schweizer Unternehmungsgruppe mit Schwerpunkt in der Fleisch- und Wurstbranche) mit Sitz in Stettfurt / TG.

Polit-Ämter:

2012 – 2019: Kantonsrat für die SVP des Kantons St. Gallen.

Seit 2019 Nationalrat für die SVP des Kantons St. Gallen.

Seit 2019 Vize-Präsident der SVP des Kantons St. Gallen und Mitglied der Parteileitung.

Der ganze Stapel ist höher als mein Bürotisch. Wer hier sagt, er wolle mit diesem Vertrag weniger Bürokratie und mehr Stabilität, verkennt die Realität.

Redaktion: Und sonst?

Egger: Wichtig ist sicher, dass wir im Asylbereich dranbleiben und die Verschärfungen vorantreiben. Mehrere Schweizer Medien haben kürzlich berichtet, dass ein grosser Teil der Maghrebiner, über 80 Prozent, die in der Schweiz sind, straffällig werden.

Und da gibtss nur eines: Verschärfung der Einreisebestimmungen und zurück in die Heimat für Leute, die sich nicht an unsere Regeln und Gesetze halten. Und der zweite Punkt ist die Kriminalität im Ausländerbereich im Allgemeinen, dass da Strafrechtsverschärfungen vorangetrieben werden.

Und der dritte Punkt, das als kleiner Primeur, ich durfte ein Strategiepapier schreiben mit dem Thema Parallel-Gesellschaft, das ich wirklich auch als gefährliche Entwicklung anschaue. Man sieht auf den Strassen, es sind wieder immer mehr junge Frauen verhüllt oder verschleiert.

Bist du gut über die Schweizer Politik informiert?

Man sieht es auch bei verschiedenen Barber-Shops, die wie Pilze aus dem Boden rauskommen, Kebab-Shops, die wachsen ohne Ende, verschiedene Märkte, die neu entstehen von diesen Gesellschaften.

Ich will einfach nicht Zustände wie in Frankreich, in Paris zum Beispiel, oder in Deutschland, in München, Frankfurt und Berlin, wo die Geschäfte sogar auf Arabisch oder wie auch immer angeschrieben sind. Ich finde, das darf nicht passieren, denn so verliert man die Kontrolle immer mehr.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «St. Galler Nachrichten» erschienen.

Kommentare

User #2198 (nicht angemeldet)

Parallelgesellschaften funktionieren auf Dauer nicht, eine Illusion, alles ist mit allem verbunden

User #4365 (nicht angemeldet)

SPische Ideologie bedeutet die Schweiz in die NATO und EU zu ziehen und damit gegen Russland als Bauernopfer in Stellung zu bringen. So verblendet sind sie mit ihrer Anti-Neutralität. Statt humanitäre Hilfe und Diplomatie sind sie auf der Seite von BlackRock, Banken und anderen Vermögensverwaltern, die vom Krieg profitieren. Hat der Mensch nichts dazugelernt?

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