Kanton Zürich kämpft weiter gegen die Schafskrankheit Moderhinke
Der Kanton Zürich will die Schafskrankheit Moderhinke so weit wie möglich eliminieren. Derzeit sind noch 16 von 808 Schafhaltungen von der bakteriellen Klauenkrankheit betroffen.

Mitten in einer Herde weidender Schafe tummeln sich Tiere, die offensichtlich unter Schmerzen leiden. Sie lahmen, entlasten ihre Klauen und grasen deshalb kniend oder liegend.
Diese Schafe leiden an Moderhinke, ausgelöst vom bösartigen Stamm des weltweit vorkommenden Bakteriums «Dichelobacter nodosus». Ohne Behandlung können Entzündungen, stinkende Nekrosen und in sehr schweren Fällen Hornablösungen folgen.
Seien Schafe bereits sichtbar krank, gehe es auch um Tierschutz-Fragen, sagt Andrea Gál-Stoller, amtliche Tierärztin des Kantons Zürich, auf Anfrage von Keystone-SDA. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat es sich die Schweiz zum Ziel gesetzt, die Moderhinke quasi auszurotten und ihr Vorkommen innert maximal fünf Jahren auf weniger als ein Prozent aller Haltungen zu reduzieren.
Erreicht werden soll dies mit einem nationalen Bekämpfungsprogramm, das seit Herbst 2024 läuft. Dabei werden in fünf Untersuchungsperioden jeweils zwischen 1. Oktober und 31. März sämtliche Schafhaltungen auf Moderhinke getestet. Bei kleinen Herden bis 20 Schafen entnehmen die Kontrollpersonen allen Tieren Proben, bei grösseren Herden 30 Tieren. «Epidemiologisch reicht diese Zahl, um bei Schafen den Nachweis einer Seuche zu erbringen.»
In der Regel ist das Laborresultat innert 48 Stunden da. Sind alle Proben negativ, erhält der Betrieb den Status «frei». Kommt es im Sommerhalbjahr nicht zu einem Verdachtsfall mit positivem Testergebnis, wird der Betrieb laut Gál-Stoller erst wieder in der nächsten Untersuchungsperiode beprobt.
«Bei einem positiven Befund indes lassen wir den Betrieb sofort sperren.» Der Vermerk «gesperrt» ist in der Tierverkehrsdatenbank sichtbar und führt zu Massnahmen, mit denen die Infektionswege unterbrochen werden sollen.
Zum einen dürfen diese Schafe nicht auf Wanderschaft oder an Ausstellungen und Märkten teilnehmen sowie nur unter strengen Auflagen gesömmert werden. Dies, damit Tiere aus gesperrten Betrieben nicht auf Artgenossen mit Status «frei» treffen.
Erlaubt sind mit Erlaubnis des Veterinäramts nur die Fahrt zum Schlachter und der Wechsel in einen anderen gesperrten Betrieb, wo alle Schafe gemeinsam gegen Moderhinke behandelt werden.
Schafhaltende sind verpflichtet, ihre gesamte Herde zu «sanieren». «Wöchentlich Klauen beschneiden plus ein bis zwei Bäder. Danach die Füsse auf einem befestigten Boden trocknen lassen und die Tiere in einen sauberen Stall oder auf eine neue Weide bringen», beschreibt Gál-Stoller die Aufgaben.
Die betroffene Weidefläche dürfe mindestens vier Wochen nicht genutzt werden, da das Bakterium im Boden bis zu 24 Tage überleben könne. An Schuhen oder Werkzeugen sind es fünf Tage, weshalb auch diese stets zu desinfizieren und reinigen sind.
Sechs bis acht Wochen dauert die Sanierung im Schnitt. Bei sehr grossen Herden erhalten die Schafhaltungen maximal zwölf Wochen Zeit. «Nach Sanierungsabschluss nehmen wir wieder Proben, und ist das Bakterium nicht mehr nachweisbar, heben wir die Sperre des Betriebes auf.» Bei positiven Ergebnissen muss die Sanierung weitergeführt werden.
Acht Zürcher Haltungen hätten es seit dem Start des Programms im Oktober 2024 nicht geschafft, die Sanierung abzuschliessen. Die Tiere seien zwar nicht klinisch krank, das Bakterium sei aber immer noch nachweisbar, so Gál-Stoller.
Im vergangenen Winter seien 29 infizierte Betriebe hinzugekommen, wovon 21 bereits wieder erfolgreich saniert hätten. Nach zwei Untersuchungsperioden sind im Kanton derzeit 16 Betriebe respektive 1,9 Prozent der 808 Haltungen gesperrt. Für die amtliche Tierärztin Gál-Stoller ist das Bekämpfungsprogramm «ein Erfolg».
«Vor dem Start haben wir mit 25 Prozent betroffener Betriebe gerechnet, nach der ersten Untersuchungsperiode waren es elf Prozent.» Diesen Frühling habe man die Zwei-Prozent-Marke geknackt. «Nun hoffen wir, dass wir noch tiefer in die dritte Untersuchungsperiode starten können.» Damit kommt der Kanton Zürich dem Ziel, die Moderhinke zum Wohl seiner gut 20'000 Schafe auf unter ein Prozent der Betriebe zu reduzieren, einen grossen Schritt näher.






