Berns Grosser Rat will nationalen Bericht zur Spermienqualität

Keystone-SDA Regional
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Bern,

Die Spermienqualität junger Männer soll systematisch erhoben werden – und zwar auf nationaler Ebene. Dieser Meinung ist der bernische Grosse Rat. Mit 87 zu 62 Stimmen hat er am Dienstag einen überparteilichen Vorstoss in der Form des Postulats überwiesen.

Die Spermienqualität hat nachgelassen. (Symbolbild)
Die Spermienqualität hat nachgelassen. (Symbolbild) - Keystone/ANTHONY ANEX

Romeo Arnold (GLP) und Mitunterzeichnende von links bis rechts wiesen darauf hin, dass die Qualität der Spermien in Nordamerika, Europa und Australien drastisch abnimmt. Auch die Schweiz ist davon betroffen, wie Arnold unter Berufung auf eine Studie von 2019 betonte: «Bei jedem sechsten Mann ist die Spermienqualität so schlecht, dass eine natürliche Empfängnis erschwert wird.»

In einer weiteren Studie aus dem Jahr 2025 wertete die Universität Genf die Spermienproben junger Schweizer aus, die im Rahmen der militärischen Rekrutierung untersucht worden waren. Dabei zeigten sich regionale Unterschiede; so gilt die Region zwischen Bern und Thun als Gebiet mit besonders niedriger Spermienqualität.

Für Manuela Kocher Hirt (SP) handelt es sich somit um ein «konkretes Gesundheitsproblem, das den Kanton Bern direkt betrifft». Es gehe nicht um Alarmismus, sondern um Verantwortung, ergänzte Melanie Beutler-Hohenberger (EVP). Vertiefte Abklärungen wünschten sich auch die EDU und die Grünen.

Der Vorstoss forderte ursprünglich einen Bericht über die Spermienqualität junger Männer im Kanton Bern. Die Ratsmehrheit war jedoch wie die Regierung der Ansicht, dass belastbare Ergebnisse grosse Datenmengen erfordern. Eine umfassende Erhebung sei daher nur schweizweit sinnvoll und müsse koordiniert erfolgen.

Die Gründe für die schlechte Spermienqualität seien komplex, betonten mehrere Rednerinnen und Redner. Der Regierungsrat nannte als mögliche Ursachen Umwelt- und Lebensstilfaktoren. Dazu zählen unter anderem Pestizide, industrielle Schadstoffe und PFAS-Chemikalien sowie Rauchen, Alkoholkonsum, Übergewicht und Hitze.

Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg (SVP) zeigte sich bereit, sich auf Bundesebene für die Erarbeitung eines Berichts einzusetzen. Zugleich wolle die Regierung das Thema in den kantonalen Strukturen weiterverfolgen: Die bestehende «One Health»-Plattform solle sich damit befassen und den Austausch mit den Bundesstellen koordinieren.

Gegen den Vorstoss stimmten die SVP, fast die gesamte Mitte-Fraktion sowie ein Teil der FDP. Martin Lerch (SVP) warf die Frage auf, ob es sinnvoll sei, dass der Kanton Bern in dieser Frage vorangehe. Damit sei womöglich ein unverhältnismässiger Aufwand verbunden.

Sein Parteikollege Jann Fritz Bangerter fragte zudem, was man mit allfälligen Erkenntnissen zu den Ursachen anfangen würde. Auch wenn sich das Rauchen als einer der Gründe bestätige und beispielsweise 5G-Strahlen hinzukämen, werde man beides am Ende wohl trotzdem nicht verbieten wollen.

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