Iranische Anwältin Sotudeh gewinnt Vaclav-Havel-Preis
Der renommierte Vaclav-Havel-Preis des Europarats geht in diesem Jahr an die bekannte iranische Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh.

«Eines Tages wird die Sonne der Freiheit auch über unserem Land scheinen», sagte Sotudeh, die nicht bei der Verleihung in Strassburg vor Ort sein konnte, in einer Videoansprache. Den Preis nahm ihre Tochter für sie entgegen.
Die 63 Jahre alte Sotudeh gilt als eine der einflussreichsten Anwältinnen im Iran. Sie vertrat laut Mitteilung des Europarats Aktivistinnen und Aktivisten, Medienschaffende, Minderheiten sowie von der Hinrichtung bedrohte Kinder und setzt sich gegen Gesetze zur Kopftuch-Pflicht sowie die Todesstrafe ein. Die Anwältin wurde in den vergangenen Jahren mehrfach inhaftiert und verbrachte lange Jahre hinter Gittern. Im Jahr 2020 erhielt sie auch den Alternativen Nobelpreis.
Neben Sotudeh waren in diesem Jahr die iranisch-amerikanische Journalistin und Frauenrechtsaktivistin Masih Alinejad und die ungarische Menschenrechtsanwältin Marta Pardavi für den Preis nominiert. Jede von ihnen stehe für prinzipientreuen Mut, moralische Integrität und ein aussergewöhnliches Engagement für die Menschenrechte, sagte die Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung, Petra Bayr.
Vor der Verleihung hielt zudem die belarussische Oppositionelle Maria Kolesnikowa eine Ansprache, die selbst 2021 ausgezeichnet worden war. Sie rief dazu auf, zu helfen, die Unabhängigkeit von Belarus gegen russische Dominanz zu verteidigen.
Mit dem Vaclav-Havel-Preis zeichnet die Parlamentarische Versammlung des Europarats seit 2013 Engagement für die Menschenrechte aus. Der Preis ist mit 60.000 Euro dotiert und nach dem verstorbenen Bürgerrechtler und früheren Präsidenten der Tschechischen Republik benannt.
Die Verleihung findet für gewöhnlich im Rahmen der Herbsttagung der Parlamentarischen Versammlung statt. Zu der Versammlung kommen viermal im Jahr Abgeordnete der 46 Staaten des Europarats zusammen. Der Europarat mit Sitz in Strassburg wacht über die Menschenrechte in seinen Mitgliedsländern und ist kein Organ der Europäischen Union.










