Britischer Nordirland-Minister verbietet Protestanten-Parade
Nach wochenlangem Streit um die geplante Parade des protestantischen Oranier-Ordens in der nordirischen Stadt Portadown hat der britische Nordirland-Minister den Marsch untersagt.

Die Marschroute durch die mehrheitlich von Katholiken bewohnte Garvaghy Road war zum ersten Mal seit knapp drei Jahrzehnten von einer Kommission wieder genehmigt worden. Das hatte jedoch zu Protesten von Anwohnern, Aktivisten und Politikern geführt, die den Marsch durch Gegendemonstrationen bislang verhinderten.
Die Suche nach einem Kompromiss war zuvor gescheitert. «Wir haben darüber gesprochen, um eine Lösung zu finden, aber leider waren wir nicht in der Lage dazu», sagte Nordirland-Minister Chris Bryant der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge. Nordirlands Regierungschefin Michelle O'Neill von der katholisch-republikanischen Partei Sinn Fein zeigte sich erleichtert über die Entscheidung. Der Oranier-Orden kündigte an, die Entscheidung vor Gericht anzufechten.
Der Oranier-Orden ist eine protestantische Organisation, die nach dem niederländischen Adligen und britischen König Wilhelm von Oranien benannt ist. Der errang in der Auseinandersetzung mit seinem Schwiegervater und Vorgänger, dem abgesetzten katholischen König Jakob II. bei der Schlacht am Boyne 1690 einen entscheidenden Sieg, der die Unterwerfung Irlands und die jahrhundertelange Vorherrschaft der Protestanten besiegelte.
Mit ihren Paraden erinnern die Oranier an diesen Sieg. Sie werden daher von katholischer Seite als Demütigung und Symbol der Unterdrückung wahrgenommen, insbesondere, wenn die Züge durch mehrheitlich katholische Wohngegenden führen. In der Vergangenheit kam es im Streit um die Märsche immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen.










