Immer mehr Politiker wechseln auf die kantonale Ebene
Immer mehr bekannte Politiker kehren der nationalen Bühne den Rücken. Die Gründe liegen auf der Hand: In den Kantonen und Städten lockt der politische Einfluss.

Das Wichtigste in Kürze
- Immer mehr Politiker wechseln von der nationalen auf die kantonale oder städtische Ebene.
- Die Vereinbarkeit von Familie und Privatleben ist dabei nur einer von mehreren Gründen.
- Ein Nationalratsmandat gilt als Sprungbrett für ein kantonales Amt.
Die Grünen-Nationalrätin Aline Trede wird Berner Regierungsrätin, SP-Nationalrätin Céline Widmer wechselte in die Zürcher Stadtregierung. Genau gleich Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli.
Und nun folgt die nächste prominente Rochade: FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt will Zürcher Regierungsrat werden. All diese Politiker haben etwas gemeinsam – auch wenn sie politisch kaum unterschiedlicher sein könnten.
Sie kehren der nationalen Bühne den Rücken und wechseln auf die regionale Ebene. Doch weshalb ist dieser Schritt für viele so attraktiv?
Familienleben statt Bundeshaus
FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt begründet seinen Entscheid unter anderem mit familiären Überlegungen, wie SRF berichtet.
Ein Regierungsratsamt lasse sich besser mit dem Familienleben vereinbaren als etwa ein Parteipräsidium.
Denn wer auf nationaler Ebene an der Parteispitze steht, ist ständig unterwegs. Termine, Auftritte, Reisen: Die Präsenz würde für Silberschmidt, der das Präsidium vergangenes Jahr absagte, zur Daueraufgabe.
Das Amt als Regierungsrat hingegen erachtet Silberschmidt als «kompatibel für einen Familienmenschen».
Im Exekutivamt kann man «Dinge wirklich anreissen»
Auch Sean Müller, Politikwissenschaftler an der Universität Bern, sieht klare Gründe für diesen Wechsel.
Die Exekutive biete deutlich mehr Handlungsspielraum, erklärt er gegenüber SRF. «Man kann Dinge wirklich anreissen und dann auch umsetzen.»
Der Weg dorthin führt jedoch häufig über die nationale Politik. Denn wer in ein kantonales Exekutivamt gewählt werden will, muss bekannt sein.
Gerade in grossen Kantonen wie Zürich geschieht das vor allem über Medienpräsenz und die nationale Bühne. «Durch persönliche Bekanntheit oder Umherreisen im Kanton» lasse sich diese Sichtbarkeit kaum erreichen.
Das Nationalratsmandat wird damit zum Sprungbrett. Wer kantonal gestalten will, muss sich oft zuerst auf Bundesebene einen Namen machen.













