Musik ist seine Mission - Riccardo Muti wird 80

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    Italien,

    Er gilt als einer der grössten Dirigenten der heutigen Zeit und wurde auch schon «King of Verdi» genannt: Riccardo Muti, der für Strenge und Präzision bekannt ist.

    Riccardo Muti sorgt sich um die Zukunft der italienischen Oper und seines Metiers. Foto: Hans Punz/APA/dpa
    Riccardo Muti sorgt sich um die Zukunft der italienischen Oper und seines Metiers. Foto: Hans Punz/APA/dpa - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Kurz vor seinem runden Geburtstag hat Stardirigent Riccardo Muti die Schwermut gepackt.

    «Ich bin des Lebens müde», sagte der Italiener, der am 28. Juli 80 Jahre alt wird, kürzlich in einem Interview.

    Die Prinzipien der Kultur, mit denen er aufgewachsen sei, sieht Muti in der heutigen Welt auf den Kopf gestellt und klagte im «Corriere della Sera» über eine sich einschleichende Bequemlichkeit im Dirigentenberuf.

    Anfänger hätten heutzutage oft kein langes und ernsthaftes Studium absolviert, meinte der Maestro. Er selbst studierte erst am traditionsreichen Konservatorium San Pietro e Majella in Neapel Klavier, am Konservatorium in Mailand kamen später Dirigieren und Komposition dazu.

    Sein umfangreiches Wissen und die langjährige Erfahrung bringt Muti an der nach ihm benannten Riccardo Muti Italian Opera Academy dem Dirigenten-Nachwuchs näher. Zum Schutz von Schönheit und Tiefgründigkeit der italienischen Oper sieht der Maestro dies als seine moralische Pflicht, wie es auf der Webseite der Akademie heisst.

    Voller Terminplan

    Von der beklagten Müdigkeit merkt man zumindest Mutis Terminplan nichts an: In den Wochen vor dem Geburtstag war er auf zahlreichen Podien unterwegs, darunter im armenischen Jerewan, in Ravenna und Venedig in Norditalien sowie in Taormina auf Sizilien. Im August hat er gleich mehr Grund zum Feiern, wenn er sein 50. Salzburger Bühnenjubiläum begeht.

    Zu diesem Anlass wird Muti bei den Festspielen mit den Wiener Philharmonikern Ludwig van Beethovens «Missa solemnis», eines der unbestrittenen Gipfelwerke sakraler Musik, spielen. Während des Lockdowns bereitete er sich intensiv darauf vor. An dem Werk arbeite er seit mehr als einem halbem Jahrhundert, es zu dirigieren habe er sich aber bisher nicht getraut. «Es ist die Sixtinische Kapelle der Musik», sagte Muti ehrfürchtig.

    Als Dirigent arbeite man nicht für den Erfolg, betonte der Meister, den man auch «King of Verdi» nennt. «Man macht es, weil man weiss, der Beruf ist eine Mission.» Seine musikalische Berufung hat den Maestro in die namhaftesten Opernhäuser der Welt gebracht: Fast 20 Jahre lang (1986-2005) war er Musikdirektor der Mailänder Scala, die er schliesslich in einem dramatischen Streit um die Intendantennachfolge verliess. Es folgten unter anderem Engagements in Salzburg, an der New Yorker Metropolitan Opera und beim Chicago Symphony Orchestra.

    Mit strengem Taktstock

    Muti - der auch schon die Berliner Philharmoniker, das London Philharmonic Orchestra, das Philadelphia Orchestra und die Wiener Philharmoniker dirigierte - polarisierte schon immer. Zu den grössten Dirigenten der heutigen Zeit gehört er dennoch, oder gerade deshalb. Er wurde bereits «letzter Monarch unter den Dirigenten», «Feuerkopf» oder «Präzisionsfanatiker» genannt. Er ist ein Dirigent, der mit strengem Taktstock regiert, wie es heisst.

    Über die Inszenierungen von Verdis «Rigoletto», «La Traviata» und «Il Trovatore» sagte Muti zum Beispiel einmal: «Hier werden wir uns nicht mit dem Tand zufriedengeben, den man in manchen Opernhäusern, wo Sänger und Dirigenten keinen Respekt vor dem Notentext haben, hören kann. Wir gehen zu dem zurück, was Verdi wirklich geschrieben hat.»

    Kaum zu glauben, dass es in der Kindheit kurzzeitig Zweifel am musikalischen Talent des späteren Stardirigenten gab. «Der kleine Riccardo ist nicht geschaffen für die Musik», habe sein Vater gesagt, als Muti zunächst mit Gesangsübungen haderte. Über eine Geige als Weihnachtsgeschenk habe er als Junge sogar geweint - aber schliesslich fand er doch noch seine Liebe zur Musik.

    Nur für seine Beerdigung wünscht sich der Maestro «absolute Stille» und bloss keinen Applaus, wie er betont. «Wenn jemand applaudiert, schwöre ich, dass ich zurückkomme, um ihn nachts in den intimsten Momenten zu stören».

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