Martin Suter denkt täglich «20 Mal» an verstorbene Ehefrau
Drei Jahre nach dem Tod seiner Frau Margrith spricht Schriftsteller Martin Suter über Trauer, Glücksmomente und warum Zeit keine Wunden heilt.

Das Wichtigste in Kürze
- Drei Jahre nach Margriths Tod denkt Suter täglich zwanzig Mal an seine verstorbene Frau.
- In seinem Denken sei sie noch immer da – beim Schreiben vermisse er sie als erste Leserin.
- Er plädiert für Demut statt Kraft im Umgang mit Verlust: Zeit heile keine Wunden.
Vor drei Jahren verlor Martin Suter (78) seine Frau Margrith, mit der er fast 50 Jahre zusammen gewesen war. Sie starb mit 72 Jahren an den Folgen einer Sepsis. Nach einem langen Kampf gegen den Krebs, den sie zunächst überwunden zu haben schien.
In einem Gespräch mit Radio-SRF-1 macht der Zürcher Autor nun deutlich, wie präsent sie für ihn noch immer ist: «Ich denke am Tag zwanzig Mal an Margrith.»
In seinem Denken sei sie noch immer da – auch beim Schreiben. Denn Margrith war seine erste Leserin und eine kritische Stimme, auf die er sich verlassen konnte. «Sie war immer meine erste Leserin und eine gute Kritikerin.»
Bereits im Dezember 2024 hatte Suter gegenüber dem «St. Galler Tagblatt» erzählt, dass er ihre Sachen bis heute nicht weggeräumt habe. «Die Kleider, die Schuhe – alles ist noch da», sagte er damals. Es sei für ihn noch immer so, als wäre sie nicht gestorben.
Martin Suter wünscht sich Demut statt Kraft
Die Zeit heile keine Wunden, ist Martin Suter überzeugt. «Die Zeit hilft, einem beizubringen, mit den Wunden des Verlusts zu leben», sagt er im Radio-Interview weiter.
Nach Margriths Tod habe er auch totale Glücksmomente erlebt – und sich dafür zunächst geniert. Heute sehe er das anders: Trauer und Freude schliessen sich nicht aus. «Man kann traurig sein, ohne sich das selbst immer zu zeigen, geschweige denn den anderen.»

Es ist nicht das erste schwere Leid in Suters Leben. 2009 verlor er seinen dreijährigen Adoptivsohn Toni bei einem häuslichen Unfall. An ihn denke er heute etwa zweimal täglich – etwas häufiger, wenn sein Handy Erinnerungsfotos einblende.
Den gut gemeinten Wunsch nach Kraft, den ihm viele Menschen nach den Verlusten ausgesprochen hätten, will Suter umdeuten. «Besser wäre es, jemandem viel Demut zu wünschen.» Überheblichkeit sei eine «ekelhafte Eigenschaft» – Demut hingegen etwas, das man aktiv pflegen sollte.

Das Leben geht weiter
Trotz allem bleibt Suter aktiv. Er schreibt, trifft Menschen und hat den Kopf voller Pläne. Bald erscheint ein neues Buch.
Mit seinem langjährigen Freund Stephan Eicher (65) arbeitet er ausserdem an einem zweiten «Song Book». Danach haben die beiden eine Oper im Visier.








