Leute verarscht? Vorwürfe gegen Klopapierkönig nach Tank-Aktion
Mit pinkem WC-Papier und grossen Spendenversprechen wurde Beat Mörker als «Klopapier-König» bekannt. Nun lancierte er eine Gratis-Tankaktion. Es gibt Kritik.

Das Wichtigste in Kürze
- Beat Mörker wurde mit pinkem WC-Papier und Spendenaktionen als «Klopapier-König» bekannt.
- In Buckten BL lancierte er kürzlich eine Tank-Aktion, die für Aufsehen gesorgt hat.
- Auf Instagram gibt es viel Kritik. Doch der Veranstalter weist die Vorwürfe zurück.
Beat Mörker wurde mit pinkem WC-Papier, Spendenversprechen und lautem Auftritt im Netz bekannt. Als «Klopapier-König» inszeniert er sich regelmässig mit grossen Aktionen. Nun sorgt eine Gratis-Tankaktion in Buckten BL für Aufsehen.
Auf Instagram kündigte Mörker an, Benzin im Wert von 10'000 Franken zu verschenken. Die Aktion richtete sich laut Veranstalter in erster Linie an Familien aus der Region.
Vor Ort war der Andrang jedoch so gross, dass sich schon früh lange Kolonnen bildeten.
Unter dem Instagram-Beitrag wurde der Ton danach schnell scharf. Nutzer schrieben, sie fühlten sich von der Aktion «verarscht», weil sie trotz Anfahrt und Warten wieder weggeschickt worden seien. Andere zweifelten sogar daran, ob die Aktion überhaupt wie angekündigt stattfand.
Inzwischen ist klar: Sie fand statt. Das Bündnis KinderSchutz Schweiz bestätigt gegenüber Nau.ch, dass Benzin im Gesamtwert von 10’000 Franken übernommen wurde. Auch die Schloss-Garage in Buckten bestätigt, dass der Anlass auf ihrem Areal durchgeführt wurde.
150 Fahrzeuge sollen profitiert haben
Wie viele Autos effektiv betankt wurden, wurde laut Veranstalter nicht erfasst. Aufgrund des Ablaufs und der Menge geht das Bündnis jedoch von rund 150 Fahrzeugen aus.
Betankt worden seien laut Veranstalter «in erster Linie Familien aus der Region». Genau dieser Punkt dürfte weitere Diskussionen auslösen. Denn in den Kommentaren beklagen sich auch Personen, die sich benachteiligt oder abgewiesen fühlten.
Eine Mutter schreibt, sie sei eine Viertelstunde vor Beginn (14.45 Uhr) dort gewesen. Aber: «Wir wurden weggeschickt, es sei abgesagt. Um 15:10 haben wir unser Glück nochmals probiert und wurden wieder weggeschickt. Jetzt sehe ich, dass sie es doch durchgeführt haben. Sehr enttäuschend.»
Eine andere: «Ich bin mir wirklich ein bisschen verarscht vorgekommen. Ich habe nicht viele Kinder da gesehen. Hauptsache, man schickt die mit Kindern weg.»
Und eine Ditte schreibt, es habe fast keine Kinder da gehabt. «Die mit den teuren Autos standen da, aber ohne Kinder.»
Viele Besucher gingen trotzdem leer aus
Der Veranstalter bestätigt, dass vor Ort Personen abgewiesen wurden. Das geschah laut Stellungnahme «ausschliesslich aufgrund der sehr hohen Nachfrage und der bereits langen Warteschlange».
Gleichzeitig weist das Bündnis einen zentralen Vorwurf klar zurück. «Die Aktion wurde zu keinem Zeitpunkt als ‹abgesagt› kommuniziert.» Dass manche Besucher die Lage anders wahrnahmen, erklärt der Veranstalter mit der aussergewöhnlichen Situation. Bereits früh hätten sich lange Kolonnen gebildet, weshalb «vor Ort situativ entschieden werden musste».
Kritik zielt nun auf Auswahl und Kommunikation
Unter dem Instagram-Beitrag schildern mehrere Nutzer, sie seien trotz rechtzeitiger Ankunft wieder heimgeschickt worden. Andere ärgern sich darüber, dass sie mit Kindern anreisten oder zusätzlichen Treibstoff verbrauchten und am Ende leer ausgingen.
Den Vorwurf einer reinen Social-Media-Inszenierung weist der Veranstalter ebenfalls zurück. Die Aktion sei organisiert und finanziert worden, «mit dem Ziel, Familien in einer angespannten wirtschaftlichen Situation konkret zu unterstützen».
Gleichzeitig macht das Bündnis kein Geheimnis daraus, dass Reichweite ein Teil des Modells ist. Durch die grosse Aufmerksamkeit und den wirtschaftlichen Erfolg der Toilettenpapier-Marke würden laufend neue Spenden generiert. So würden überhaupt erst Aktionen in diesem Umfang möglich.
Carsten Stahl war Teil des Konzepts
Zusätzliche Fragen wirft die Rolle von Carsten Stahl auf. Der Deutsche war nicht nur im Werbeclip präsent, sondern auch vor Ort Teil der Tank-Aktion in Buckten. Laut Bündnis KinderSchutz stand das «im direkten Zusammenhang» mit seinem Engagement. Die Aktion wurde also auch über seine Person mitgetragen und aufgeladen.

Stahl tritt heute mit «Camp Stahl» und «Stoppt Mobbing» als Anti-Mobbing-Aktivist auf. Unumstritten ist er dabei nicht. Kritiker werfen ihm seit Jahren einen lauten, konfrontativen Stil und viel Selbstinszenierung vor.
Umstrittener Klopapierkönig
Für Mörker ist es nicht das erste Mal, dass eine öffentlichkeitswirksame Aktion kritische Fragen auslöst. Bereits im März berichtete Nau.ch über Vorwürfe rund um sein pinkes Roosa-Klopapier.
Damals ging es um den Vorwurf irreführender Verkaufspraktiken und um die Frage, wie viel vom Verkaufspreis tatsächlich beim Hilfswerk ankommt.








