Bestseller-Autorin Christine Brand lernte im Leichenwagen fahren

    Christine Brand wuchs als Tochter eines Bestatters auf. Schon als Kind gehörten Särge, Tote und ungewöhnliche Fahrten ganz selbstverständlich zu ihrem Alltag.

    Christine Brand
    Christine Brand machte sich als Gerichtsreporterin einen Namen. Heute gehört die Schweizerin zu den erfolgreichen Krimiautorinnen. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Christine Brand wuchs im Emmental als Tochter eines Bestatters auf.
    • Autofahren lernte die Bestseller-Autorin ausgerechnet im Leichenwagen ihres Vaters.
    • Als Kind stand sie auf Särgen und durfte ihre tote Urgrossmutter schminken.

    Für die meisten Menschen dürfte ein Leichenwagen ein ziemlich ungewöhnliches Familienauto sein. Für Christine Brand (53) gehörte er ganz selbstverständlich zum Alltag.

    Die Schweizer Bestseller-Autorin («Blind», «Vermisst») wuchs im Emmental als Tochter eines Bestatters auf. Der lange, dunkle Kombi ihres Vaters wurde nicht nur für dessen Arbeit gebraucht. Sondern war gleichzeitig das einzige Auto der Familie.

    Mit 18 Jahren lernte Brand darin sogar Autofahren.

    «Es war ein super Auto für die Lernfahrten», erzählt sie gegenüber Nau.ch. Besonders praktisch: «Man konnte problemlos im dritten Gang anfahren, wenn man den ersten nicht erwischte.»

    Ihr Vater habe ihr zudem erklärt, der Tacho zeige stets fünf Kilometer pro Stunde zu wenig an. Das stimmte allerdings gar nicht. Brand sei deshalb «immer überkorrekt und zu langsam» gefahren.

    Schulgspänli durften mitfahren

    Schon Jahre zuvor gehörte der Leichenwagen für Brand ganz selbstverständlich zum Schulalltag. Normalerweise ging sie zu Fuss zur Schule, manchmal wurde sie jedoch von ihrem Vater gefahren.

    Trafen sie unterwegs ein Schulgspänli, durfte dieses ebenfalls einsteigen.

    Der Leichenwagen sei dabei natürlich leer gewesen, stellt Brand gegenüber Nau.ch klar. Auf den ersten Blick habe man dem langen Kombi ohnehin nicht angesehen, wofür er normalerweise eingesetzt wurde.

    Leichenwagen Der Bestatter
    Ein Leichenwagen war für Christine Brand nichts Ungewöhnliches: Das Bild zeigt einen Leichenwagen aus der SRF-Serie «Der Bestatter». - keystone

    «Darum machte es den meisten Schulkollegen nichts aus, darin zu fahren», erzählt sie. Einige Kinder, die wussten, dass ihr Vater Bestatter war, seien allerdings weniger begeistert gewesen.

    Das seien aber die wenigsten gewesen. Brand glaubt: «Kinder haben da weniger Berührungsängste.»

    Mutprobe zwischen 50 Särgen

    Särge gehörten für Brand schon früh zum Alltag. Ganz ohne Gruselfaktor waren sie für sie als Kind trotzdem nicht.

    «Wir haben uns nachts, möglichst zur Geisterstunde, ins Sarglager geschlichen», erzählt sie gegenüber Nau.ch.

    Hast du Angst vor dem Tod?

    Dort standen rund 50 Särge. Besonders unheimlich fanden die Kinder einen grauen Transportsarg, der bei Unfällen und Verbrechen zum Einsatz kam.

    Gleichzeitig waren Särge für sie aber auch etwas ganz Alltägliches. So half Brand ihrem Vater dabei, sie mit Satintüchern auszustatten. Ihre verstorbene Urgrossmutter durfte sie im Sarg sogar schmücken.

    «Das war für mich total normal», sagt sie. Und auch heute empfindet Brand ihre Kindheit nicht als besonders aussergewöhnlich.

    Viel ungewöhnlicher findet sie etwas anderes: «Ich finde es eher nicht normal, wie tabuisiert der Tod in unserer Gesellschaft ist.»

    In anderen Kulturen sei der Tod viel präsenter und weniger stark tabuisiert als hierzulande.

    Tod prägte ihren Blick aufs Leben

    Diese Nähe zum Tod habe ihre Einstellung zum Leben stark geprägt. In der SRF-Sendung «Persönlich» erzählt Brand: «Ich habe schon früh gelernt, dass jeder Mensch, egal wie alt, jederzeit sterben kann.»

    Wenn Freunde heute davon sprächen, dass sie einmal 80 Jahre alt würden, frage sie sich deshalb: «Wieso hast du das Gefühl, du wirst 80?»

    Christine Brand
    Christine Brand beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Verbrechen und der Frage, was Menschen zu Tätern macht. Heute verarbeitet sie diese Erfahrungen in ihren Kriminalromanen. - keystone

    Angst vor dem Tod habe sie nicht unbedingt, vor dem Sterben hingegen schon eher. Dieses könne schliesslich «ziemlich unangenehm» werden.

    Trotzdem empfindet Brand ihre Kindheit heute als Privileg. Das frühe Bewusstsein dafür, dass das Leben jederzeit vorbei sein könne, habe sie gelehrt, stärker im Moment zu leben. Und weniger vorauszuplanen.

    «Ich denke, das ist ein Geschenk», sagt sie.

    Schon als Kind wollte sie Detektivin werden

    Dass Brand später ausgerechnet bei Kriminalfällen landete, wirkt vor diesem Hintergrund beinahe folgerichtig. In «Persönlich» erzählt sie, dass sie bereits in der vierten Klasse in ein Freundschaftsbuch schrieb, sie wolle später Detektivin oder Schriftstellerin werden.

    Sie spielte als Kind Detektiv, beobachtete mit anderen Kindern die Nachbarn und verschlang Kriminalgeschichten. Woher diese frühe Faszination für das Morbide kam, weiss Brand selbst nicht genau.

    «Vielleicht vom Bestattervater», mutmasst sie.

    Hast du auch schon ein Buch von Christine Brand gelesen?

    Noch bevor sie als Journalistin arbeitete, zog es sie in Gerichtssäle. Als ungefähr 19-Jährige schwänzte Brand den Unterricht, um einen Mordprozess zu verfolgen.

    Sie sei damals einfach neugierig gewesen, erzählt sie. Besonders fasziniert hätten sie die unterschiedlichen Lebenswege, die in einem Gerichtssaal aufeinanderprallen, und die Frage, warum Menschen bestimmte Dinge tun.

    Später berichtete Brand während vieler Jahre als Gerichtsreporterin aus Schweizer Gerichtssälen.

    Jetzt kommt «Blind» ins Fernsehen

    Heute macht Brand damit im Grunde genau das, was sie schon als Kind wollte: Sie beschäftigt sich mit Verbrechen und schreibt Geschichten darüber.

    Mit 43 Jahren stellte sie ihr Leben nochmals komplett um. Während einer siebenmonatigen Weltreise schrieb sie den Roman «Blind», gab danach ihre Festanstellung und ihre Wohnung auf und wurde zur Schreibnomadin.

    Berner Zibelegässli
    Für die SRF-Verfilmung von Christine Brands Krimireihe «Blind» wurde 2025 auch im Berner Zibele Gässli gedreht. - BärnerBär

    Heute pendelt sie zwischen Sansibar, Bali und Zürich.

    Mit «Blind» folgt nun der nächste grosse Schritt. SRF hat Brands erfolgreiche Buchreihe als sechsteilige Krimiserie verfilmt. Im Zentrum stehen der blinde Barkeeper Nathaniel, die Journalistin Milla und der Kriminalpolizist Sandro.

    SRF Blind
    SRF verfilmt mit «Blind» einen internationalen Bestseller der Schweizer Krimiautorin Christine Brand. - zvg

    Am 27. September feiert die Serie am Zürich Film Festival Weltpremiere und startet am selben Tag auch auf SRF 1.

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