Basel: Wenn der Küchentisch zum Forschungsfeld wird
Eine Sozialanthropologin der Universität Basel macht Alltagserzählungen ihrer Kinder zu Forschungsdaten – über Zugehörigkeit im eigenen Quartier.

An Michelle Engelers Küchentisch ist immer etwas los. Wie bei vielen Menschen findet dort ein wichtiger Teil des Alltags statt. «Hier frühstücken meine Kinder, sie erzählen, basteln, schimpfen und lachen», berichtet die Sozialanthropologin.
Für sie ist der Esstisch zudem auch ein Ausgangspunkt für Feldforschung.
So berichtete eine ihrer beiden Töchter einmal beim Zvieri an diesem Tisch von einer Begegnung vor dem Haus: Eine Passantin habe sie aufgefordert, leiser zu sein, und erklärte: «Hier bei uns ist man nicht so laut.» Die Wortwahl zeigt, dass die Frau Engelers Kind aufgrund seines Aussehens als «nicht von hier» eingeordnet hatte. Solche vermeintlich beiläufigen Erzählungen aus dem Alltag ihrer Töchter werden zu ethnografischen Momenten und somit zu wissenschaftlichen Daten, die in die Forschung der Sozialanthropologin einfliessen können.
Sie zeigen, wie Kinder Zugehörigkeit zu einem Quartier erfahren und dass diese nicht immer selbstverständlich ist.
Aus Alltag wird Forschung
Diese Begebenheit ist ein Beispiel dafür, dass Aufwachsen in einer Stadt, in der Menschen unterschiedlicher Herkunft aufeinandertreffen, auch bedeutet, dass Kinder mit Grenzziehungen in Berührung kommen und sich derer bewusst werden. Aufwachsen in der postmigrantischen Stadt kann so auch ein erstes Aufwachen gegenüber sozialen Erwartungen sein.






