Das traditionelle Familiensystem wird vermehrt kritisiert. Dabei würde Familienarbeit mehr Wertschätzung verdienen. Ein Gastkommentar von Franziska Keiser.
SVP Baar
Fränzi Keiser, SVP Baar. - SVP Baar

Wie die Zahlen der Sozialversicherungsanstalt Zürich zeigen, beziehen nur knapp die Hälfte der Väter ihren zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub, auf welchen sie seit 1. Januar 2021 ein Anrecht hätten. Der Präsident des Gewerkschaft-Dachverbandes Travailsuisse fordert deshalb Plakate, Inserate und Info Clips in sozialen Medien. Ich frage mich: Aus welcher Motivation?

Wer, wenn nicht die Väter, hat ein Interesse daran, dass sich an dieser Situation etwas ändert? Müssten wir nicht einfach akzeptieren, dass es verschiedene Bedürfnisse und Familienstrukturen gibt/geben darf? Im Kommentar schreibt R. Schuppisser: «Wer wirklich etwas tun will für die Familien, fördert Tagesschulen, bezahlbare Kitas und Teilzeitarbeit.»

Auch im Zuger Kantonsrat ist eine Motion der Mitte betreffend bedarfsgerechte Einführung von Tagesschulen hängig. Forderungen nach mehr Fremdplatzierungsmöglichkeiten mögen in der heutigen Zeit durchaus ihre Berechtigung haben.

Angriff auf das tradtionelle Familiensystem

Bei all diesen Diskussionen aber stört mich, dass es immer darum geht, Karriere und Familie zu vereinbaren, als ob dies das alleinig «Seeligmachende» wäre. Das «traditionelle Familiensystem» wird viel zu oft heruntergemacht, als nicht modern, ja gar als schlecht taxiert und bleibt total auf der Strecke.

Es darf doch nicht sein, dass Steuererleichterungen nur Familien zugutekommen, die ihre Kinder fremd betreuen lassen, dass sich Hausfrauen/-männer rechtfertigen müssen, wenn sie ihre Kinder zu Hause betreuen oder, dass ein Kind von seinen Mitschülern ausgegrenzt wird, weil es nicht an den Mittagstisch oder in die Tagesbetreuung geht.

Laut dem Mainstream gehört man heute leider nur zu den «Guten», zu den sogenannt modernen Familien, wenn Karriere und Familie gleichzeitig verwirklicht werden. In meiner langjährigen Tätigkeit als Kleinkinderzieherin, Krippenleiterin und Sozialpädagogin habe ich Vieles gesehen und dabei festgestellt, dass sich eine Fremdbetreuung in einer Kita, Tagesschule, ja sogar im Internat absolut positiv auf ein Kind auswirken kann.

Familien verdienen mehr Wertschätzung

Allzu oft musste ich aber auch miterleben, dass viele Kinder wohlstandsverwahrlost waren und dies aus dem einfachen Grund, weil den Eltern die Arbeit, vielleicht auch das Ansehen einer sogenannt modernen Familienführung oder das Geld wichtiger waren. All diesen Kindern hätte ein bisschen mehr Familie besser getan.

Nicht zuletzt deshalb bin ich der Überzeugung, dass die Haus- und Familienarbeit viel mehr Wertschätzung verdient ja sogar entschädigt werden müsste, denn sie ist nicht zu unterschätzen und beugt, wenn sie mit Herzblut und Überzeugung ausgeführt wird, vielen Schwierigkeiten vor, welche dann wieder über den Staat aufgefangen und getragen werden müssen.

Familien mit ihren Kindern verdienen besonderen Schutz, Achtung und Wertschätzung in unserer Gesellschaft. Darum müssen wir toleranter mit all den verschiedenen Familienformen sein. Väter, die ihren Urlaub nehmen, sind genauso ok, wie Väter, die dies nicht möchten. Familien, die ihre Kinder zu Hause betreuen, sind genauso wertvoll und dürfen nicht benachteiligt und/oder auf eine herablassende Art kritisiert werden.

Zudem ist es immer wieder wichtig den Eltern aufzuzeigen, wie wertvoll ihre Arbeit im Bereich Erziehung und Bildung ist. Die Familie muss auch in Zukunft ihre Rolle als tragende Säule der Gesellschaft spielen. Dazu braucht es Freiräume und möglichst wenig Eingriffe des Staates oder moralisierende Worte.

Zur Autorin

Franziska Keiser ist Kantonsratskandidatin der SVP in Baar.

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