Was für die Schweiz bei den US-Zwischenwahlen auf dem Spiel steht
In knapp vier Wochen wählen die USA einen neuen Kongress. Die US-Zwischenwahlen entscheiden nicht nur über Präsident Donald Trumps politischen Spielraum. Ihr Ausgang beeinflusst auch die Schweizer Wirtschaft – etwa bei den US-Zöllen, dem Dollarkurs und an den Finanzmärkten.

Am 3. November stehen alle 435 Sitze im US-Repräsentantenhaus und 35 der 100 Senatssitze zur Wahl. Zwischenwahlen gelten traditionell als Denkzettel für den Präsidenten. Bei den vergangenen fünf Wahlen wechselte jeweils mindestens eine Kongresskammer die politische Farbe.
Für die Zeit danach gibt es drei Szenarien: Gewinnen die Demokraten beide Kammern, wäre Donald Trumps Handlungsspielraum am stärksten begrenzt. Bei einem geteilten Kongress kontrollieren die Demokraten das Repräsentantenhaus, die Republikaner aber weiter den Senat. Halten die Republikaner beide Kammern, könnte Trump seine Steuer-, Handels- und Deregulierungsagenda am einfachsten fortsetzen.
Der Ausgang der Wahl ist dabei keineswegs nur für die USA relevant. Die Vereinigten Staaten gehören zu den wichtigsten Wirtschaftspartnern der Schweiz: Der bilaterale Waren- und Dienstleistungshandel erreichte 2025 insgesamt rund 293 Milliarden Dollar. Zugleich beeinflussen US-Zölle die Schweizer Exportwirtschaft, die amerikanische Finanzpolitik die weltweiten Zinsen und der Dollar die Erträge von Unternehmen und Anlegern.
Für die Schweiz dürfte sich der Wahlausgang besonders über die Handelspolitik bemerkbar machen. «Zölle sind schliesslich keine Postkarten mit freundlichen Grüssen», schreibt Migros-Bank-Ökonom Santosh Brivio. Sie verteuerten Exporte und erschwerten Unternehmen die Planung. Besonders relevant ist das für Branchen mit einem starken US-Geschäft wie Pharma, Maschinenbau oder Uhren.
Eine demokratische Mehrheit in beiden Kammern könnte laut der Bank J. Safra Sarasin gegenüber Verbündeten zu einer «selektiven Deeskalation» führen. Ein Machtverlust im Kongress würde Trump allerdings nicht vollständig ausbremsen. Clientis weist darauf hin, dass der Präsident sein Vetorecht behält und «weiterhin per Executive Order am Kongress vorbeiregieren» kann.
Bei einem geteilten Kongress dürften bestehende Zölle laut Migros Bank bleiben, neue Verschärfungen würden aber schwieriger. Für Schweizer Exporteure nähme damit zumindest das Risiko neuer Handelsbarrieren ab. Bei republikanischer Kontrolle sieht die Migros Bank dagegen weiteres Eskalationspotenzial.
Für Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten können die Wahlen auch über den Dollar spürbar werden. Welche Richtung der Greenback nach der Wahl einschlägt, ist laut Lombard Odier allerdings offen. Ein blockierter Kongress könnte zusätzliche Staatsausgaben bremsen, die US-Zinsen drücken und damit den Dollar schwächen. Zugleich könnte weniger politischer Druck auf die Notenbank das Vertrauen in die US-Währung stärken. Die Bank sieht deshalb keinen eindeutigen Effekt der Zwischenwahlen auf den Wechselkurs.
Für Schweizer Konsumenten ist vor allem wichtig: Ein schwächerer Dollar verbilligt für Schweizer Ferien und Einkäufe in den USA, schmälert aber tendenziell die in Franken umgerechneten US-Einnahmen von Schweizer Unternehmen. Bei einem stärkeren Dollar gilt das Gegenteil.
Für Schweizer Anleger dürfte weniger entscheidend sein, welche Partei gewinnt. «Für die Aktienmärkte ist es gar nicht so entscheidend, wer wie viele Sitze gewinnt oder verliert», schreibt VP-Bank-Chefökonom Thomas Gitzel. In den vergangenen 75 Jahren habe der US-Leitindex S&P 500 in den 100 Tagen nach den Zwischenwahlen stets zugelegt, im Mittel um 10 Prozent. Entscheidend blieben längerfristig Unternehmensgewinne, Inflation und Geldpolitik.
Beim Tanken oder Heizen dürfte der Wahlausgang dagegen zunächst kaum den grössten Unterschied machen. Clientis sieht den kriegs- und energiebedingten Inflationsschub als wichtigeren Faktor. Für Schweizer Haushalte bleibt damit der Ölpreis wohl unmittelbarer spürbar als die Sitzverteilung im US-Kongress.
Ein knappes Ergebnis könnte aber auch politische Unruhen auslösen. Vor allem Trump und Teile der Republikaner könnten eine Niederlage anfechten. Der Präsident verbreitete zuletzt weiterhin unbelegte Vorwürfe über Wahlmanipulationen. Proteste oder Ausschreitungen könnten im schlimmsten Fall auch die Finanzmärkte verunsichern.
Knapp vier Wochen vor der Wahl drohen die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus zu verlieren. Auf dem Prognosemarkt Polymarket wurde die Wahrscheinlichkeit für eine demokratische Mehrheit am Dienstag mit rund 93 Prozent gehandelt. Im Senat ist das Rennen offener; dort lag die entsprechende Wahrscheinlichkeit bei rund 65 Prozent.
Auch Umfragen sehen die Demokraten vorne. In einer Reuters/Ipsos-Erhebung lagen sie bei registrierten Wählern landesweit mit 44 zu 37 Prozent vor den Republikanern. Für den Senat sind nationale Umfragen allerdings nur begrenzt aussagekräftig, da dort einzelne Rennen in den Bundesstaaten über die Mehrheit entscheiden.






