Inflation

    Wann die Inflation abflauen könnte

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    Ukraine,

    In den vergangenen Monaten sind die Preise in Deutschland so stark gestiegen, wie seit Jahrzehnten nicht. Lässt sich darauf hoffen, dass wir irgendwann wieder günstigere Preise als jetzt haben?

    Müssen Sie aktuell genau rechnen, um über die Runden zu kommen? Viele Menschen in Deutschland belastet die hohe Inflation.
    Müssen Sie aktuell genau rechnen, um über die Runden zu kommen? Viele Menschen in Deutschland belastet die hohe Inflation. - Christin Klose/dpa-tmn

    Das Wichtigste in Kürze

    • Ob Semmeln, Strom oder Sprit: Die Lebenshaltungskosten in Deutschland haben in den vergangenen Monaten stark angezogen.

    So stark, dass gerade der ärmere Bevölkerungsteil teils nicht mehr weiss, wie er seine Rechnungen begleichen soll.

    Nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes sprang die jährliche Teuerungsrate im September auf 10,0 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit rund 70 Jahren. Die Folge: Verbraucher können sich für ihr Geld immer weniger leisten.

    Die Frage ist: Lässt sich darauf hoffen, dass die Preise irgendwann wieder den Vorkrisenzustand erreichen? Die Wirtschaftsweise Prof. Monika Schnitzer gibt Antworten auf drängende Fragen.

    Frau Prof. Schnitzer, wie lange, glauben Sie, werden die Preise in Deutschland in dem Masse weiter steigen, wie wir es aktuell sehen?

    Prof. Monika Schnitzer: Wir erleben zunehmend, dass die Unternehmen die gestiegenen Energiekosten an ihre Kunden weitergeben. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Preise bis ins nächste Jahr noch ähnlich stark steigen werden wie aktuell. Wenn die Energiepreise nicht weiter steigen, sollten sich die Preissteigerungen aber im nächsten Jahr allmählich abflachen.

    Auf welche Inflationsrate müssten wir etwa kommen, damit wir wieder von einem gesunden Mass der Preissteigerung reden?

    Schnitzer: Die hohe Inflation ist in ihrem Ursprung durch die gestiegenen Importpreise für Energie verursacht, die uns als Land ärmer machen. Die aktuellen Inflationsraten sind aber gerade für die ärmere Bevölkerung, deren Einkommen gerade so reicht und die keine Ersparnisse hat, schwer zu verkraften.

    Eine rasche Senkung der Inflation auf das Zielniveau von zwei Prozent ist deshalb wünschenswert, kann aber auch durch Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank nicht sofort erzwungen werden. Deshalb wird es zu Anpassungen der Transferzahlungen und Löhne sowie staatlichen Hilfsmassnahmen kommen müssen.

    Können wir darauf hoffen, dass die Preise irgendwann wieder auf die Werte des Vorjahreszeitraums fallen? Oder müssen wir ab jetzt damit leben, dass die Preise von diesem Niveau aus weiter steigen - wenn auch moderater?

    Schnitzer: Wenn die Importpreise für Energie nicht mehr steigen, sondern sogar wieder zurückgehen, wird es - bei genügend Wettbewerbsdruck - auch wieder zu Preissenkungen kommen. Das ist aber erst in zwei Jahren zu erwarten, wenn ausreichend Alternativen insbesondere für die russischen Gaslieferungen verfügbar sind.

    Wie stark die Preise in der Zwischenzeit noch steigen werden, wird davon abhängen, wie stark die gestiegenen Energieimportkosten an die Kunden weitergegeben und wie stark die Löhne steigen werden.

    ZUR PERSON: Prof. Monika Schnitzer ist Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, umgangssprachlich die «Wirtschaftsweisen» genannt. Sie hat an der Ludwig-Maximilians-Universität München den Lehrstuhl für Komparative Wirtschaftsforschung inne.

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