So könnten Antikörper die Chemotherapie teilweise verdrängen

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Zürich,

Bei der Krebsbehandlung gilt die Chemotherapie seit Jahrzehnten als Grundpfeiler. In Zukunft könnten klassische Zellgifte ihre dominierende Rolle verlieren.

Chemotherapie
Die Chemotherapie könnte künftig teilweise durch Krebsmedikamente ersetzt werden. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Neue Krebsmedikamente könnten die Chemotherapie künftig teilweise ersetzen.
  • Die Chemotherapie bleibt aber für viele Patienten weiterhin wichtig.
  • Viele der neuen Therapien werden noch getestet und haben ebenfalls Nebenwirkungen.

Die Chemotherapie gilt seit Jahrzehnten als Grundpfeiler der Krebsbehandlung. Doch in den Entwicklungsabteilungen der Pharmakonzerne wird über eine Zukunft diskutiert. In der könnten klassische Zellgifte zumindest einen Teil ihrer dominierenden Rolle verlieren.

Auslöser der Debatte sind Fortschritte bei sogenannten Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADCs), neuen Immuntherapien und bispezifischen Antikörpern. Besonders am diesjährigen Krebskongress ASCO von Ende Mai sorgten entsprechende Studiendaten für Aufmerksamkeit.

Die Hoffnung der Branche: Krebs künftig gezielter behandeln und Patienten die Belastungen klassischer Chemotherapien zumindest teilweise ersparen.

Chemotherapie könnte an Bedeutung verlieren

Onkologen und Pharmaunternehmen erwarten, dass klassische Chemotherapien in vielen Krebsarten an Bedeutung verlieren könnten. Ganz verschwinden werden sie nach Einschätzung von Experten wie Stefan Frings, Deputy Chief Medical Officer bei Roche, aber nicht.

«Krebs entwickelt häufig Resistenzen, viele Tumorarten sprechen unterschiedlich auf Therapien an. Und nicht für jede Erkrankung existieren geeignete Angriffspunkte für moderne Wirkstoffe», sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP.

Wahrscheinlicher erscheint deshalb ein anderes Szenario: «Chemotherapien rücken zunehmend in spätere Behandlungslinien, während gezieltere Therapien früher eingesetzt werden.» So prognostiziert Portfoliomanager Terence McManus von Bellevue Asset Management.

Im Zentrum dieser Entwicklung stehen ADCs. Die Technologie verbindet einen Antikörper mit einem hochwirksamen Zellgift. Der Antikörper soll den Wirkstoff gezielt zum Tumor transportieren und gesundes Gewebe möglichst schonen.

Durchbruch blieb bisher aus

Das Prinzip ist nicht neu. Roche brachte bereits vor mehr als einem Jahrzehnt mit dem Brustkrebsmittel Kadcyla einen der ersten dieser Wirkstoffklasse auf den Markt. Lange blieb der echte Durchbruch mit diesen Wirkstoffen jedoch aus.

Erst neuere Generationen von ADCs haben das Interesse der Branche wieder entfacht. Als wichtiger Meilenstein gilt insbesondere das Brustkrebsmedikament Enhertu von Astrazeneca und Daiichi Sankyo, das die Leistungsfähigkeit der Technologie eindrücklich demonstrierte.

Inzwischen arbeiten praktisch alle grossen Onkologieunternehmen an ADC-Programmen.

Roche hat mehrere Kandidaten in Entwicklung. Der US-Konkurrent Pfizer stieg über die Übernahme von Seattle Genetics in das Feld ein. Während Merck & Co. ebenfalls aus den USA auch grosse Hoffnungen in die Technologie setzt.

Dabei geht es nicht nur um neue Medikamente, sondern um einen möglichen Paradigmenwechsel. Frings von Roche sagt: «Auch wenn ADCs häufig als Alternative zur Chemotherapie beschrieben werden, enthalten sie letztlich selbst hochwirksame Zellgifte.»

«Der Unterschied besteht darin, dass diese gezielter zum Tumor gebracht werden, was das gesunde Gewebe schont», so Frings.

Kombinationstherapien im Fokus

Wie McManus sagt, liegt der Fokus vieler Entwickler inzwischen auf Kombinationstherapien. «Bei fortgeschrittenem Lungenkrebs etwa besteht der heutige Standard häufig aus einer Immuntherapie kombiniert mit Chemotherapie. Künftig könnten solche Kombinationen zunehmend durch ADCs ersetzt werden», zeigt sich der Experte überzeugt.

Besonders viel Aufmerksamkeit erhält derzeit ein Ansatz, der ADCs mit sogenannten VEGF/PD-1-Bispezifika kombiniert. Dabei werden zwei etablierte Wirkmechanismen in einem einzigen Molekül vereint: Einer aktiviert das Immunsystem gegen Krebszellen, der andere greift die Blutversorgung des Tumors an.

Denkst du, die Chemotherapie wird an Bedeutung verlieren?

Mehrere Unternehmen untersuchen bereits Kombinationen aus solchen bispezifischen Antikörpern und ADCs. Branchenbeobachter sehen darin eine mögliche nächste Generation der Krebsbehandlung.

Die Vision lautet: Immuntherapie plus gezielte Chemotherapie statt Immuntherapie plus klassische Chemotherapie.

Experte schränkt ein

Trotz aller Euphorie bleibt aber Vorsicht angebracht. Nicht jede vielversprechende Technologie schafft den Sprung in die klinische Praxis. «Zudem sind die neuen Ansätze keineswegs frei von Nebenwirkungen. ADCs können unter anderem Lungen- oder Augenprobleme verursachen», warnt Roche-Experte Frings.

Weiter schränkt er ein: «Und viele der derzeit diskutierten Kombinationen befinden sich noch in vergleichsweise frühen Entwicklungsstadien.»

Die klassische Chemotherapie dürfte also nicht verschwinden. Ihr jahrzehntelanger Sonderstatus als zentrale Säule der Krebsbehandlung wird jedoch zunehmend in Frage gestellt.

Kommentare

User #4928 (nicht angemeldet)

mir wurde chemo auch angeboten, habe abgelehnt und den krebs so erledigt wie ich ihn selbst verursacht habe nur halt in die andere richtung aber genauso extrem, hat funktioniert ist aber nicht zu empfehlen könte auch nur glück gewesen sein.

User #4557 (nicht angemeldet)

Das ist sehr gefärhlich was ihr hier vermittelt! Es gibt sehr viele, und speziell auf den jeweiligen Patienten zugeschnittene Chemo Therapieen, sowie sehr, sehr viele unterschiedliche Krebsformen, die auch jeweils eine eigens zugeschnittene Behandlung erfordern. Eine Mischung von beidem wird wohl am ehesten Erfolge bringen, aber die Chemo NUR noch durch Antikörpertherpaie zu ersetzen, wird für die Patienten fatale Folgen haben! Ich weiss das, weil ich seit 4 Jahren Gast in einer der weltweit führenden Krebskliniken bin, und da muss mir aus der Schweiz KEINER was erzählen wollen, denn was hier abgeht, ist eine andere Dimension der Versorgung! (Und ja, ich lebe seit Jahren im Ausland, so zu sagen nebenan, und hatte schon genug Krebsfälle in meiner Familie, welche in der Schweiz "behandelt" wurden!)

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