Vier von fünf Menschen in der Schweiz finden Nachhaltigkeit bei ihren Versicherungen wichtig. Doch die Rendite ist ihnen wichtiger als ihre Prinzipien.
Vertrockneter Mais im Sommer 2019
Vertrockneter Mais im Sommer 2019 - AFP/Archiv

Mehr als 80 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer wollen, dass ihre Versicherungen nachhaltiges Verhalten fördern. Gleich viele wissen auch Bescheid über das Thema Nachhaltigkeit, wie aus einer Befragung des Beratungsunternehmens Bearing Point hervorgeht.

Die Befragten glauben aber auch, dass gerade im Nachhaltigkeitsbereich viele falsche Versprechungen gemacht werden. Deshalb fordern sie Transparenz. «Die Versicherer müssen genau informieren und erklären, was dies für den Kunden im Einzelnen bedeutet», wird Bearing-Point-Versicherungsexperte Claudio Stadelmann in der Mitteilung zitiert.

Nur Hälfte verzichtet auf Rendite für Nachhaltigkeit

Doch die Konsumenten werfen Steine im Glashaus: Obwohl 80 Prozent der Befragten nachhaltige Versicherungsprodukte wollen, verzichte nur die Hälfte bei ihrer Vorsorge zugunsten von Nachhaltigkeit auf Rendite. Wenn es ums Geld geht, hört bei vielen Versicherungskunden der Wunsch nach Nachhaltigkeit auf.

Dass Nachhaltigkeit für viele eine leere Worthülse ist, der keine Taten folgen, zeigt sich auch bei der Auswahl der Produkte. Trotz hohem Bedürfnis nach Nachhaltigkeit gab nur rund die Hälfte der Befragten an, sie würden ihre Versicherung aufgrund des Angebots an nachhaltigen Produkten auswählen.

Staat soll Definition von Nachhaltigkeit liefern

Dass nachhaltiges Verhalten häufig zwar verlangt, aber selber nicht gelebt wird, dürfte aber auch mit der Verwirrung zusammenhängen, die mit den Nachhaltigkeitsstandards zusammenhängt. So wünschen sich gemäss der Umfrage 33 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer, dass der Staat in der Pflicht sei, zu definieren, was denn überhaupt ein nachhaltiges Produkt ist.

Weitere 20 Prozent der Befragten finden, dass es Marktstandards geben müsse. Nur eine Minderheit will die Definition, was Nachhaltigkeit ist, den Unternehmen selbst überlassen. Allerdings gibt es auch diejenigen, die finden, dass es keine Vorgaben zur Einstufung nachhaltiger Produkte geben soll. So denkt immerhin jeder Sechste in der Schweiz.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Mehrheit der Schweizer will, dass ihre Versicherung nachhaltig handelt.
  • Doch die Hälfte ist nicht bereit, dafür Rendite zu verzichten.

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