HSG-Experte: Wirtschaft kann CO2-Emissionen und Wachstum entkoppeln
Unternehmen können ihren Umsatz steigern und gleichzeitig ihre absoluten CO2-Emissionen senken. Wie gut das gelingt, hängt laut Rolf Wüstenhagen, Professor für Management erneuerbarer Energien an der Universität St. Gallen (HSG), vom Geschäftsmodell ab.

«Für einen Öl- und Gasproduzenten ist es schwieriger, weil der Umsatz davon abhängt, wie viel Öl und Gas verkauft wird», sagt er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Auch die Luftfahrt stehe vor einer grossen Herausforderung.
Für Dienstleistungsunternehmen sei eine solche Entkopplung hingegen vergleichsweise einfach, wenn die Emissionen etwa durch Heizung und Kühlung von Gebäuden entstehen. Die Heizung lässt sich beispielsweise durch eine Wärmepumpe ersetzen.
Bereits heute gebe es in CO2-intensiven Branchen nachhaltige und wettbewerbsfähige Lösungen. «Speditionen können mit Elektro-Lkw ihre CO2-Emissionen senken und sich gleichzeitig unabhängig von hohen Ölpreisen machen», erklärt Wüstenhagen.
Nachhaltigkeit kann sich dabei auch wirtschaftlich auszahlen. Unternehmen können laut Wüstenhagen mit klimafreundlichen Technologien unter anderem ihre Abhängigkeit von schwankenden Ölpreisen verringern.
Schwieriger wird die Reduktion der Emissionen, wenn sie bei Lieferanten oder Kunden entstehen. Diese sogenannten Scope-3-Emissionen sind für Firmen weniger direkt steuerbar. «Das ist eine Knacknuss», sagt Wüstenhagen. Unternehmen könnten aber auch hier Einfluss nehmen, etwa indem sie nachhaltigere Lieferanten auswählen oder Kunden klimafreundliche Produkte anbieten.
Für die meisten Unternehmen sei der Weg zur Klimaneutralität grundsätzlich möglich. Bei Konzernen wie BP und Shell sei die Umstellung allerdings besonders anspruchsvoll, da ihr Kerngeschäft auf fossilen Brenn- und Treibstoffen beruhe.
Wüstenhagen warnt hier vor einer zu kurzfristigen Sicht auf die Rendite: «Solange das Geschäft profitabel ist, vernachlässigen die Marktteilnehmer die Klimarisiken.»










