St. Galler Forschung am alternden Gehirn

    Franz Welte
    Franz Welte

    Stadt St. Gallen,

    Für den Forschungsstandort St.Gallen ist eine bedeutende Ansiedlung im Gesundheitsbereich erfolgt: Der renommierte Neuropathologe Adriano Aguzzi hat im Switzerland Innovation Park Ost das «Institute for the Science of the Aging Brain» (ISAB) eröffnet.

    Adriano Aguzzi am Eröffnungsanlass des ISAB. ⋌we
    Adriano Aguzzi am Eröffnungsanlass des ISAB. - Marino Walser

    Wie wichtig es ist, biomedizinische Grundlagenforschung und daraus neue Ansätze für Prävention, Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des alternden Gehirns zu entwickeln, ergibt sich aus der Tatsache, dass 30 Prozent der Über-85-Jährigen dement sind, wie anlässlich der Eröffnung erwähnt wurde. Die Verlängerung der Lebensdauer vieler Menschen unterstreicht die Bedeutung der Hirnforschung für die Bekämpfung von Alterskrankheiten.

    Kooperationen geplant

    Das Institut verbindet Molekularbiologie, Neurowissenschaften und Genomforschung mit der Medizin. Dazu stehen auch grosse Hightech-Laboratorien an der Lerchenfeldstrasse 3 zur Verfügung. Es ist eine enge Zusammenarbeit mit regionalen Partnern aus Forschung, Medizin und Industrie geplant wie beispielsweise eine Partnerschaft mit dem Spitalverbund HOCH Health Ostschweiz.

    Vorgesehen ist auch eine enge Zusammenarbeit mit der Empa und Kooperationen mit der Industrie.

    Dass es zu dieser Ansiedlung kam, ist zur Hauptsache dem St.Galler Regierungsrat Bruno Damann, Vorsteher des Gesundheitsdepartements, zu verdanken, der vor anderthalb Jahren unter Mitwirkung eines Mediziners des Kantonsspitals St.Gallen mit Aguzzi Verbindung aufgenommen und ihm den Standort St.Gallen schmackhaft gemacht hat. An der Eröffnung bezeichnete Damann das ISAB als grossen Fortschritt für den Forschungsstandort St.Gallen: «Neurodegenerative Erkrankungen sind eine grosse Herausforderung für unsere alternde Gesellschaft.» Er bezeichnete es als grossartig für die Ostschweiz, dass die ISAB-Gründung in St.Gallen stattfinden kann.

    Auch Regierungsrat Beat Tinner, Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements, trug einen Beitrag zum ISAB-Standort St.Gallen bei, indem er eine Leistungsvereinbarung für die Jahre 2026 bis 2029 ausarbeitete, welche eine Anschubfinanzierung von insgesamt 1,25 Millionen Franken vorsieht. Gegenwärtig beschäftigt das ISAB 15 Mitarbeitende. Die Zahl der Beschäftigten soll in Kürze auf rund 40 anwachsen.

    Glücklich mit der Standortwahl

    Spitzenforscher Aguzzi ist als langjähriger Direktor des Instituts für Neuropathologie am Universitätsspitals Zürich einer der bedeutendsten Forscher auf dem Gebiet der Neurodegeneration. Der 66-Jährige wirkte beim Eröffnungsanlass richtiggehend euphorisch.

    Er zeigte sich glücklich mit der Standortwahl, die weniger Bürokratie verspricht, und lobte wiederholt die Schnelligkeit der Beschlüsse dank den hiesigen kurzen Entscheidungswegen, zeigte sich aber auch dankbar für die Anschubfinanzierung. Seine Hoffnung ist, dass sich in der Ostschweiz neben den etablierten Forschungsräumen Zürich, Basel und Genf ein weiterer Pol für Spitzenforschung entwickelt. Der Innovation Park Ost plant denn auch nach einer Stagnationsphase eine räumliche Ausweitung mit einem Neubau.

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst in den «St. Galler Nachrichten» erschienen.

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