Recyclingbaustoffe sind bereit – der Bau noch nicht ganz

    Nico Wrzeszcz
    Nico Wrzeszcz

    Bodensee,

    Mineralische Bauabfälle sind wertvolle Rohstoffe. Damit sie im Kreislauf bleiben, müssen sie nach dem Rückbau aufbereitet und wieder eingesetzt werden.

    Thomas Imhof, Präsident Baustoff Kreislauf Thurgau, erläutert die Vorteile und Chancen von Recyclingbaustoffen
    Thomas Imhof, Präsident Baustoff Kreislauf Thurgau, erläutert die Vorteile und Chancen von Recyclingbaustoffen - Nico Wrzeszcz

    Mineralische Recyclingbaustoffe haben sich in der Bauwirtschaft etabliert. Seinen Ursprung hat der Recyclingbaustoff im Jahr 2016, als die VVEA (Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen) die gesetzliche Grundlage geliefert hat. «Die Schweiz ist kein ressourcenreiches Land. Daher liegt es an uns, ressourcenschonend zu bauen», erklärt Thomas Imhof, Präsident Baustoff Kreislauf Thurgau.

    Im Thurgau werde sogar schon seit rund 20 Jahren Baustoffrecycling betrieben, durch die VVEA fand eine Neuausrichtung statt.

    Recycling beginnt auf der Baustelle

    Noch bevor mit einem Neubau begonnen wird, muss meist der Altbau abgerissen werden. Bereits beim Abbruch beginne das wertvolle Recycling von Baustoffen. «Auf der Baustelle werden die verschiedenen Baustoffe sortiert und grob verkleinert. Anschliessend wird der Bauschutt in Werke, wie etwa nach Weinfelden in die Aufbereitungsanlage BRT (Baustoff Recycling Thurgau AG) transportiert.»

    Hier werden die Materialien weiter verkleinert und sortiert mit dem Ziel, möglichst viel wieder im Bau zu verwenden. «So wird Kies etwa häufig im Strassen- und Tiefbau eingesetzt, wohingegen Beton für den Hochbau verwendet wird», so Imhof. Aus technischer Sicht sei man bereits ausserordentlich weit, was die Qualität der Baustoffe angeht.

    «Das Ziel ist es, möglichst wenig Material zu deponieren, haben wir im Kanton Thurgau doch ohnehin schon einen Deponienotstand.» Das Baustoffrecycling leiste daher einen wichtigen Beitrag zur Entlastung der Deponien. So würden im Kanton Thurgau jährlich etwa 900'000 Kubikmeter Aushubmaterial anfallen, die neue Deponie Bernrain in Kreuzlingen verfüge aber nur über eine Kapazität von einer Million Kubikmetern.

    Wie gut das Baustoffrecycling in der Schweiz angekommen ist, zeigen die Zahlen auf Bundesebene. So schrieb das Bundesamt für Umwelt BAFU in einer Veröffentlichung vom 15. September 2025: «Jährlich fallen 16 bis 18 Millionen Tonnen Rückbaumaterialien wie Beton, Kies, Sand, Asphalt und Mauerwerk an, wovon knapp zwölf Millionen Tonnen wiederverwertet wird. Mehr als fünf Millionen Tonnen, insbesondere Mischabbruch, befinden sich noch nicht in einem Kreislauf.»

    Bauherren, Planer und Ingenieure ins Boot holen

    Die kürzlich erschienene Broschüre des Amts für Umwelt des Kantons Thurgau, des Thurgauischen Baumeisterverbands und von Baustoff Kreislauf Thurgau zeigt auf, wo und wie Recyclingbaustoffe eingesetzt werden können. «Unsere Aufgabe ist es nun, Bauherren und Planer über Recyclingbaustoffe aufzuklären. Denn das Recycling fängt schon früh an. Bei einem eingereichten Baugesuch ist es meist schon zu spät», betont Thomas Imhof. Planer seien gefordert, schon mit Recyclingbaustoffen zu planen und diese in Offerten einbauen zu lassen.

    Gleichzeitig verstehe Imhof auch, das Recyclingbaustoff abschreckend wirken könne. «Es kommt vielleicht der Gedanke auf, die Qualität sei nicht gut genug. Diese Sorge kann ich nicht teilen.» Es stimme auch, dass Recyclingbaustoffe durch den grossen Aufwand nicht günstiger als normale Baustoffe seien.

    Aber um ressourcenschonender zu arbeiten, sei es sehr empfehlenswert.

    «Wir führen auch regelmässig Veranstaltungen durch, zu denen wir Bauherren und Planer einladen. Wir wollen diese an den Punkt bringen, vermehrt auf Recyclingstoffe zurückzugreifen.» Natürlich brauche es die Bereitschaft der beteiligten Personen. «Wir können den Kreislauf nur weiter ankurbeln, wenn wir Klarheit schaffen. Wir sind aber zuversichtlich, ist doch die Qualität des Recyclingbaustoffes sehr hoch.»

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst in den «Kreuzlinger Nachrichten» erschienen.

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