Rätselhafte Baby-Fehlbildungen besonders im Kanton Waadt

    Felix Müller
    Felix Müller

    Basel,

    Auch in der Schweiz gibt es immer wieder Fehlbildungen bei Neugeborenen. Im Kanton Waadt sogar überdurchschnittlich viele. Die Ursachen sind schwer erklärbar.

    Hochschwangere frau
    Eine hochschwangere Frau fasst sich mit beiden Händen an ihren Bauch. - dpa

    Das Wichtigste in Kürze

    • Deutschland sorgt sich um rätselhafte Fehlbildungen an den Händen von Neugeborenen.
    • Auch in der Schweiz treten ähnliche Fälle auf.
    • Am Unispital in Lausanne werden überdurchschnittlich viel Fehlbildungen behandelt.

    Deutschland rätselt momentan über die Häufung von Baby-Geburtsfehlern. Innerhalb von 12 Wochen sind drei Säuglinge mit der gleichen Fehlbildung an den Händen zur Welt gekommen. Die Ursache ist nicht klar, vermutet wurde jedoch die Einwirkung von Umweltgiften.

    In Frankreich gab es ähnliche Fälle: Um das Dörfchen Aim im Osten des Landes wurden zwischen 2009 und 2014 mindestens acht Fälle dokumentiert. Und auch in der Schweiz beschäftigt das Thema. Besonders in der Westschweiz.

    Keine bekannten Häufungen in der Schweiz

    Fachärztin Sevgi Tercanli von der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe hat im letzten Jahr zwei Fälle selbst betreut. «Einen Zusammenhang bei derartigen Fehlbildungen zu erkennen, ist aufgrund der vielen möglichen Ursachen aber schwierig.»

    Baby
    Was steckt hinter den Fehlbildungen von Babys? - Keystone

    Denn die Gründe für Fehlbildungen bei Kindern können vielfältig sein. Neben genetischen Ursachen können auch Eihaut-Abschnürungen oder Durchblutungsstörungen die pränatale Entwicklung beeinträchtigen, erklärt Tercanli.

    Schlechte Medikamente oder Vergiftungen können ebenfalls schuld sein, allerdings gab es seit dem Cotergan-Skandal aus den 60er-Jahren nur noch sehr wenige bekannte Fälle. Damals führte das Beruhigungsmittel für Schwangere zu schweren Fehlbildungen bei Embryos im Mutterleib.

    contergan
    Die Folgen vom Contergan-Konsum in den 60ern waren schwere Missbildungen bei den ungeborenen Kindern. - Keystone

    «In der Schweiz werden derartige Fehlbildungen der Arme und Hände bei Ungeborenen schon früh erkannt», sagt Tercanli. «Eltern und Kind werden hier vor und nach der Geburt eng von Spezialisten begleitet.»

    Überdurchschnittlich viele Fehlbildungen im Waadt

    Dasselbe beobachtet Raio Bulgheroni, stellvertretender Chefarzt Geburtshilfe am Inselspital Bern. Doch: «Verlässliche, nationalweite Daten fehlen auch in der Schweiz.»

    Und doch lässt sich die Häufigkeit beziffern: Handfehlbildungen würden bei 10'000 Geburten in etwa drei bis vier Fällen auftauchen. Zudem hätte man europaweit in den letzten zehn Jahren eine Abnahme verzeichnet.

    Lausanne Unispital
    Das Unispital Lausanne. (Archivbild) - Keystone

    Brisant jedoch: «Am Universitätsspital Lausanne (CHUV) werden aber systematisch Fehlbildungen erfasst. Aus diesen Zahlen kann man entnehmen, dass im CHUV etwas mehr Extremitäten- und Handfehlbildungen gefunden werden als im europaweiten Schnitt.»

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