Nachtzug-Betreiber stellt Schweizer Personal raus
Newrest entlässt sein Schweizer Nachtzug-Personal, Angestellte aus Österreich übernehmen. Erst kürzlich wurden die Arbeitsbedingungen kritisiert.

Das Wichtigste in Kürze
- Newrest schliesst seinen Standort Zürich und entlässt das Nachtzug-Personal.
- Die Verbindungen ab Zürich werden neu von Angestellten aus Österreich übernommen.
- Den Schweizern wird angeboten, nach Österreich zu wechseln – zu einem viel tieferen Lohn.
Zu anspruchsvoll und zu teuer: Nur wenige Wochen nach öffentlicher Kritik an den Arbeitsbedingungen schliesst das Unternehmen Newrest seinen Standort in Zürich. Die bis zu 30 Angestellten, die in den Nachtzügen der Österreichischen Bundesbahnen arbeiteten, werden entlassen. Darüber berichtet «Tamedia».
Vor rund drei Wochen gab es laute Kritik der Nachtzug-Angestellten: Die Pausen seien zu kurz, die Aufgaben würden immer mehr und der Lohn sei mit unter 4000 Franken zu niedrig. Die Gewerkschaft SEV vereinbarte deswegen ein Treffen mit Newrest, um über die Arbeitsbedingungen zu sprechen.
Doch dieses wird nun nicht stattfinden: Die rund 30 Personen, die meisten jung und ohne grosse Rücklagen, werden per Ende April auf die Strasse gestellt.
In den Nachtzügen der ÖBB von Zürich nach beispielsweise Hamburg oder Berlin werden künftig Personen aus Österreich arbeiten. Sie werden zuerst nach Zürich gefahren, wo sie dann den Dienst antreten. Viele der Newrest-Angestellten aus Österreich kommen aus osteuropäischen Ländern.
Denn für sie ist der dortige Lohn von rund 2000 Euro sehr attraktiv. Und Newrest spart mit dem Einsatz österreichischer Angestellter ab Zürich viel Geld.
Den Schweizer Angestellten bietet Newrest einen Wechsel zum Hauptsitz der Bahnverkehrssparte nach Österreich an – zu einem österreichischen Lohn. Immerhin erhalten wechselwillige Angestellte einen Umsteigebonus von zweimal 2000 Euro. Das ist das Resultat der Verhandlungen zwischen dem Unternehmen und der Gewerkschaft SEV.
Gewerkschafterin: «Klassisches Management-Versagen»
Zudem erhalten die Entlassenen eine Abgangsentschädigung von anderthalb Monatsgehältern und Unterstützung bei der Stellensuche.
Der Standort Zürich wurde von Newrest erst im vergangenen Jahr aufgebaut. Das Unternehmen wollte für die Nachtzüge ab Zürich Personal vor Ort bereitstellen. Vor Kurzem wurde bereits das Büropersonal entlassen. Nachtzug-Mitarbeitende erhielten deswegen die Instruktionen für den Dienst erst im Zug.
Im Schreiben an die Angestellten begründet Newrest die Schliessung mit den «aktuellen wirtschaftlichen Anforderungen». Und weiter heisst es: «Wir bedauern, diesen wesentlichen Einschnitt durchführen zu müssen, und werden Sie bestmöglich unterstützen.»
SEV-Vizepräsidentin Barbara Keller spricht in einer Medienmitteilung von einem «klassischen Management-Versagen». Die strategischen Fehler würden nun «auf dem Rücken der Mitarbeitenden ausgetragen. Dieses unternehmerische Risiko darf nicht einfach auf das Personal abgeschoben werden».












