Lunik-Comeback: Schwelgen zwischen Nostalgie und Neuanfang

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Bern,

Lunik starten ihre Reunion-Tour. Die einst erfolgreichste Band aus Bern setzt im Frühjahr auf treue Fans und blickt gleichzeitig nach vorn, wenn im Herbst ihr Album «Cycle Breaker» erscheint.

Mit der Lunik-Wiedervereinigung führen Adrian Amstutz, Luk Zimmermann, Jaël Malli, Cédric Monnier und Mats Marti ein Kapitel fort, das sich trotz des Bruchs 2013 nie ganz abgeschloss...
Mit der Lunik-Wiedervereinigung führen Adrian Amstutz, Luk Zimmermann, Jaël Malli, Cédric Monnier und Mats Marti ein Kapitel fort, das sich trotz des Bruchs 2013 nie ganz abgeschloss... - Keystone/CHRISTIAN BEUTLER

In einem Klub mitten in der Berner Innenstadt kommen Lunik zusammen. Die Band, die von 1998 bis 2013 aktiv, und in den Nullerjahren eine der bekanntesten Musikgruppen des Landes war, hat bekanntlich wieder zusammengefunden. Jetzt proben sie für ihre Reunion-Tournee, die am Donnerstag startet.

Zu fünft sitzen die Musikerin und die vier Musiker im Publikumsbereich des Lokals. Und überlegen, wie es sich anfühlt, nach all den Jahren wieder zusammen Musik zu machen. «Ich stand vor 25 Jahren zuletzt auf der Bühne und hätte mir nicht erträumt, je wieder auf einer zu stehen», sagt Adi Amstutz, der die Band bereits 2002 verlassen hatte. «Und dennoch spürte ich irgendwie, dass das Lunik-Kapitel noch nicht abgeschlossen ist», so der Gitarrist und Bassist.

Schlagzeuger Mats Marti geht es ähnlich. Er verliess die Band 2005. «Das hat eine Lücke in mir hinterlassen.» Nach zehn Jahren habe er dann sogar regelmässig nachts von einer Reunion geträumt.

Der Bruch von Lunik kam 2013, und das nicht im Guten. Dann, nach Jahren, schrieben Jaël, die inzwischen solo unterwegs war, und Gitarrist und Produzent Luk Zimmermann wieder einen gemeinsamen Song. Sie merkten, dass sie immer noch die gleiche Musiksprache sprechen. Im Lockdown traf man sich zu fünft und beschloss einen neuen Anlauf.

Lunik waren immer eine Vollzeitband. «Wir wollten die Welt erobern», erinnert sich Sängerin Jaël Malli. Und Keyboarder Cédric Monnier sagt: «Es musste einen sehr triftigen Grund geben, um bei Lunik mal nicht aufzukreuzen. Eine Entschuldigung wäre erst okay gewesen, wenn zum Beispiel jemand Nahestehendes gestorben ist.» Dieses Commitment habe allen viel abverlangt.

Die Messlatte sei auch heute noch hoch, man habe schliesslich Ansprüche. «Es gib da schon so eine Eigendynamik vom noch besser sein müssen, und das kann sich hochschaukeln», so Monnier. Gleichzeitig war dies immer auch die Qualität von Lunik: «Man kann es Verbissenheit nennen, aber dass wir früher tagelang im Proberaum verbrachten, hat ja auch Früchte getragen», sagt Zimmermann

Eine gewisse Lockerheit ist aber dazugekommen. Vollzeitband, das können Lunik gar nicht mehr werden. Die Prioritäten haben sich verschoben: Während der Proben muss einer auch mal nach Hause gehen, um den Kindern das Mittagessen zuzubereiten.

Vor der Reunion-Tournee «hatten wir schon ein wenig Bammel, ob überhaupt noch Interesse an Lunik besteht», sagt Luk Zimmermann. Denn, so erinnert sich Jaël Malli: «Als wir uns 2013 auflösten, waren wir klar nicht mehr auf dem Höhepunkt unseres Erfolgs.» Entsprechend sei auch die Sorge da gewesen, ob noch genügend Menschen ihre Konzerte besuchen würden.

Nun sind etwa 70 Prozent der Tickets für die Reunion-Tournee weg. Das erste Konzert in der Mühle Hunziken war innerhalb von sechs Stunden ausverkauft, sodass die Band noch zwei Zusatzkonzerte in Rubigen spielen wird. Hinzu kommen noch zwei Abschlusskonzerte im selben Lokal, auch diese sind ausverkauft.

Lunik werden auf der Reunion-Tour auf Songs ihrer ersten drei Alben fokussieren. Nur zwei Stücke der kommenden Platte «Cycle Breaker» stehen auf der Setlist. Wer die Reunion-Konzerte besucht, kann das kommende Album als Doppel-CD oder Doppel-Vinyl bereits vorbestellen und vor Ort kaufen. Im Herbst folgt der offizielle, digitale Release.

«25-Jährige haben heute wohl kaum noch eine Ahnung, wer Lunik sind», sagt Malli. Mit der Frühjahrstour spricht die Band nun vor allem ein Publikum an, das Lunik schon «anno dazumal» gefolgt ist und sich jetzt über die Wiedervereinigung freut.

«Längerfristig – auch mit dem neuen Album – stellt sich aber die Frage, ob es uns gelingt, neue Hörerinnen und Hörer zu erreichen.» Ob das klappt, wird sich im Herbst zeigen, wenn Lunik mit «Cycle Breaker» auf Tour gehen. Vorerst hat die Band deshalb nur bis Ende Jahr geplant und will danach entscheiden, wie es weitergeht. Dazwischen, im Sommer, treten sie ausserdem an einigen Festivals auf. So gibt es auf dem Berner Hausberg ein Heimspiel.

Zum Inhalt des kommenden Albums halten sich die fünf noch bedeckt. Erschienen sind bereits die Singleauskopplungen «Young» und «Wasting Gold»: zwei Popsongs mit dem melancholischen Touch, den man von Lunik kennt. Mitte März folgte «Justify Myself», ein düsteres und zeitgeistiges Synth-Pop-Stück, in dem der Umgang mit den Sozialen Medien hinterfragt wird.

Die Musikerin und die vier Musiker gingen ohne klares Konzept an ihr Comeback-Album, musikalisch ist es breit. Denn nur ein Genre, das gibt es bei Lunik nicht, sagt Luk Zimmermann: «Das war immer schon die Stärke von Lunik, aber auch das Schwierige.» Ein Punkt sei aber sicherlich von Beginn an klar gewesen, ergänzt Cédric Monnier: «Wir wollten unsere Nostalgie und unsere Vergangenheit aufgreifen – und gleichzeitig zeigen, wo wir heute stehen.»

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