Langsamverkehr: Gossau feiert seine neue Velostrasse
Gossau hat seine erste Velostrasse eingeweiht. Das Projekt ist Teil des Gesamtverkehrskonzepts und soll den Veloverkehr sicherer machen.

Gossau hat mit der ersten Velostrasse in der Stadt einen weiteren Schritt in Richtung nachhaltiger Mobilität gemacht. Auf einer Länge von 1,6 Kilometern zwischen der Bischofszeller- und der Andwilerstrasse gehört die Strecke nun prioritär den Velofahrenden – mit durchgehendem Vortritt.
Zur Eröffnung vor dem Altersheim VitaTertia begrüsste Stadtrat Florin Scherrer die Anwesenden und sprach von einem «freudigen Tag» für die Stadt. Die neue Velostrasse sei ein sichtbares Zeichen dafür, dass der Veloverkehr in Gossau gezielt gefördert werde.
«Haifischzähne» und Tempo 30
Velostrassen, oft auch als «Velo-Autobahnen» bezeichnet, sind speziell gestaltete Verkehrsachsen, auf denen das Velo den Ton angibt. In Gossau wird dies unter anderem durch auffällige grüne Markierungen an Kreuzungen und Knotenpunkten verdeutlicht.
Sie signalisieren klar: Hier haben Velofahrende Vortritt. Einmündende Strassen sind entsprechend mit sogenannten «Haifischzähnen» markiert. Auch die bestehende Tempo-30-Zone wurde leicht verlängert, um die Sicherheit entlang der gesamten Strecke zu gewährleisten.
«Die Velofahrenden sollen hier schnell, aber auch sicher unterwegs sein können», betonte Scherrer. Genau diese Kombination sei entscheidend, damit das Velo im Alltag an Attraktivität gewinnt.
Erste Velozählstelle
Neben der Signalisation bietet die neue Velostrasse auch praktische Neuerungen: Eine bereits bestehende Velozählstelle wurde mit einer digitalen Anzeige ergänzt, die die Anzahl vorbeifahrender Velos sichtbar macht.

Laut Stadt handelt es sich dabei um die erste Anlage dieser Art im Kanton St. Gallen. Zudem wurde entlang der Route eine öffentliche Velopumpe installiert – ein Angebot, das besonders im Alltagsverkehr geschätzt werden dürfte.
Herausforderung für Senioren
Die Haldenstrasse, auf der ein grosser Teil der Velostrasse verläuft, war bereits zuvor eine wichtige Verbindung für den Veloverkehr. Als verkehrsberuhigte Parallelachse zur stark frequentierten St. Gallerstrasse bot sie sich für den Ausbau an.
«Diese Route hat schon lange eine zentrale Bedeutung – nun wird sie gezielt gestärkt», sagte Scherrer. Leichte Bedenken äusserte dazu Markus Christen, Geschäftsführer vom VitaTertia Gossau: «Ich hoffe, dass die Velofahrer mit moderatem Tempo unterwegs sind, wenn unsere betagten Bewohnerinnen und Bewohner die Strasse überqueren.»
Aber grundsätzlich begrüsst auch er die neue Velostrasse. Das Projekt ist Teil des städtischen Gesamtverkehrskonzepts, das vom Parlament Anfang Mai verabschiedet wurde.
Darin ist die Förderung des Veloverkehrs eine zentrale Massnahme. Die Idee dahinter ist einfach: Wer zu Fuss, mit dem Velo oder mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs ist, trägt dazu bei, den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren.
Einsprachen zu Beginn
Der Weg bis zur Umsetzung war jedoch nicht ganz reibungslos. Nachdem das Projekt im Mai 2023 öffentlich aufgelegt worden war, ging eine Einsprache ein.
Erst im September 2025 wurde die Velostrasse rechtskräftig. Die Bau- und Markierungsarbeiten konnten schliesslich im Frühjahr dieses Jahres weitgehend abgeschlossen werden.
Die Gesamtkosten für das Projekt betrugen rund 240'000 Franken. Für die Fertigstellung waren nur wenige bauliche Anpassungen nötig. Dabei profitiert Gossau von Beiträgen von Bund und Kanton, da es sich um ein Agglomerationsprojekt handelt.
Zum Abschluss der Veranstaltung weihten die Vertreter der Stadt, angeführt von Stadtpräsident Wolfgang Giella, gemeinsam mit Verkehrsplanerin Bettina Anderau-Latzer und Oberstufenschülerinnen der Maitlisek die neue Velostrasse im Rahmen einer Eröffnungsfahrt offiziell ein.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Gossauer Nachrichten» erschienen.








